"Der Film ist unglaublich schräg"

ros

Von ros

Do, 05. April 2012

Literatur

BZ-INTERVIEW: Der Schopfheimer Autor Björn Kern zur Verfilmung seines Romans "Die Erlöser AG", die heute im ZDF gezeigt wird.

Das ZDF zeigt heute, Donnerstag, den Fernsehfilm "Komm, schöner Tod", der nach dem Roman "Die Erlöser AG" des Schopfheimer Autors Björn Kern entstanden ist. Besetzt ist die Geschichte über alte Menschen und eine private Sterbehilfeagentur im Berlin der nahen Zukunft mit Schauspielern wie Anna Loos, Herbert Knaup und Leslie Malton. Regie führt der Grimme-Preisträger Friedemann Fromm ("Weissensee"), der auch das Drehbuch schrieb. Roswitha Frey sprach Björn Kern über diese Verfilmung der hochaktuelle Fiktion einer überalterten Gesellschaft.

BZ: Herr Kern, haben Sie den fertigen Film schon gesehen? Gab es eine Voraufführung, bei der Sie als Autor dabei waren?
Björn Kern: Es gab eine Vorpremiere in einem Berliner Kino, zu der man mich freundlicherweise einlud, mit den Schauspielern und der Filmproduzentin, die sehr nett ist. Aber ich habe den Film lieber zuhause auf DVD angesehen.

BZ: Sie konnten bei den Dreharbeiten vorbeischauen. Wie war Ihr Eindruck?
Kern: Ich war einmal da, ja, als sie gerade im Krankenhaus gedreht haben. Es gibt am Wannsee eine ehemalige Klinik, die nur noch für Filme gebucht wird. Ich war sehr beeindruckt von der Professionalität und dem ganzen Auflauf an Mitarbeitern. Andererseits: Eine zehnsekündige Sequenz ging ungefähr eine Stunde zu drehen. Ständig stand man herum und wartete. Ich hatte am Abend Knieschmerzen vom Herumstehen.

BZ: Es gab heftige Diskussionen zwischen dem ZDF und der Produzentin über den Sendeplatz und das schwierige Thema. Der Film ist jetzt auf den späten Abend verlegt worden. Was sagen Sie als Autor zu diesen Diskussionen? Haben Sie das erwartet, weil Ihr Buch ein so heikles Thema wie Sterbehilfe behandelt?
Kern: Ehrlich gesagt, war ich sehr verblüfft, dass der Film ursprünglich um 20.15 Uhr laufen sollte. Da kommen ja sonst nur Krimis, deren Dialoge man schon vorher mitsprechen kann ("Wir brauchen den Autopsiebericht bis möglichst gestern.") Und dann ein Sterbehilfefilm? Insofern wundert mich die Verschiebung nicht so sehr. Aber schade ist es natürlich um die Million Zuschauer, die dadurch verlorengeht. Im Übrigen habe ich von der ganzen Diskussion selbst nur aus dem Internet erfahren...

BZ: Der Film heißt nun "Komm, schöner Tod". Wie finden Sie den Titel, hätten Sie lieber den Originaltitel gehabt?
Kern: Ich finde den Titel sehr gut. Das lädt sicher noch ein paar Zuschauer mehr ein, einzuschalten, weil sie wieder einen Krimi erwarten... Aber fürs Buch wäre "Die Erlöser AG" als Titel besser gewesen, klar.

BZ: Bei unserem Gespräch zu Beginn der Dreharbeiten vor einem Jahr haben Sie gesagt, dass Film und Buch verschiedene Dinge sind, dass Sie mit dem Drehbuch nichts zu tun hatten und dass Sie dem Regisseur vollauf vertrauen. Gilt das noch
Kern: Doch, ich finde, Friedemann Fromm hat seine Arbeit gut gemacht. Der Film ist unglaublich schräg, was ich erstmal sympathisch finde. Da gibt es sehr zynische Szenen neben sehr emotionalen. Und irgendwie geht es sogar ein bisschen um Sterbehilfe, wenn auch nicht so sehr viel... Natürlich ist der Film nicht so hart wie das Buch, aber das liegt auch an der ursprünglich geplanten Sendezeit. Hätte der Regisseur gewusst, dass der Film nun um zehn kommt, hätte er noch viel realistischere Bilder für die Gewalt gegen alte Menschen finden können.

BZ: Was ist aus Ihren Figuren aus dem Buch geworden? Die meisten haben im Film ja andere Namen bekommen. Finden Sie Ihr eigentliches Anliegen aus dem Buch in dem Film noch wieder?
Kern: Ich war überrascht, wie nah der Film am Buch geblieben ist. Die Figuren wurden umgetauft, Paul Kungebein heißt nun Jens Kurzhals (Herbert Knaup), der Arzt Hendrik Miller wurde in Sebastian von Werding umgetauft (Dietrich Hollinderbäumer) und seine Tochter Diana in Simona (Anna Loos). Aber das Anliegen, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen und trotzdem keine nur triste Geschichte vorgesetzt zu bekommen, sondern eine, die auch Spaß macht – das finde ich auf jeden Fall auch in dem Film wieder.

BZ: Regisseur Fromm wollte auch eine Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen in einem Altenheim in den Film einbauen.
Kern: Die Liebesgeschichte gibt es wirklich. Das ist wahrscheinlich die Hauptänderung im Vergleich zum Buch: Die beiden entkommen den Sterbehelfern und fahren an die Ostsee für ein friedliches, anrührendes Ende...

BZ: Ist eine solche Verfilmung nicht auch eine große Chance, die Menschen über den Literaturbereich hinaus für das brisante Thema Altwerden in unserer Gesellschaft zu sensibilisieren?
Kern: Klares Ja! Deswegen habe ich mich auch so gefreut, dass gerade dieses Buch verfilmt wurde. Bei der "Erlöser AG" ging es mir, anders als zum Beispiel bei "Das erotische Talent meines Vaters" nie primär um das Literarische, sondern um den Inhalt. Dass sich nun soviel mehr Menschen damit auseinandersetzen können, macht mich glücklich.

– "Komm, schöner Tod", Film von Friedemann Fromm nach dem Roman "Die Erlöser AG" von Björn Kern, ZDF, 5. April, 22.15 Uhr