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02. August 2010

Reggae-Konzert

Sean Paul im Universal D.O.G.: Der Reggae-Star enttäuscht

Große Diskrepanz zwischen CD und live bei Sean Paul im D.O.G.

  1. Unklarer Stil, wenig überraschend – Sean Paul Foto: promo

LAHR. Im Lahrer Universal D.O.G. war am Wochenende mit Sean Paul mal wieder ein Künstler von Format aus der urbanen Musiksparte zu Gast. Die Bezeichnung Superstar trifft beim jamaikanischen Reggae- und Dancehall-Interpreten durchaus zu. Millionen verkaufter Tonträger und ein Grammy-Award bestätigen dies. Es durfte also durchaus ein Konzert mit Qualität erwartet werden. Doch Anspruch und Wirklichkeit liegen manchmal weit auseinander. Gerade wenn es um Musik und ihre Live-Umsetzung geht. Die Musik aus dem Studio auf Tonträger gepresst auf der einen, die Livemusik vor Publikum auf der anderen Seite, sie bergen Unterschiede. Im Fall Sean Paul sogar gewaltige, wie der Auftritt in Lahr zeigte.

Aus einem Hitkatalog, der in den letzten Jahren mit Songs, kreisend um die Themenspektren Party, Frauen und Marihuana, immer wieder den Zeitgeist getroffen und Tanzflächen gefüllt hat, wird da auf der Bühne nur eine müde Melange aus schlecht abgemischtem Sound, inspirationsloser Aneinanderreihung von eigentlichen Hits, die ohne erkennbaren Spannungsbogen die Energie vermissen lassen, die sie jeweils auf Platte gepresst versprühen, und einem Protagonisten, der am Mikrofon stetig nach Luft schnappend seine Songs versatzstückhaft interpretiert, während das Mikrofon des unterstützenden Back-Ups lauter ist als das eigene.

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Nach dutzendfacher Ankündigung betritt Sean Paul gegen zwei Uhr endlich die Bühne der rappelvollen Konzerthalle der Lahrer Diskothek. Die Masse steht dicht gedrängt, an Tanzen ist da nicht zu denken. Stattdessen wird in den ersten Reihen per kollektiver Handyzückung schlechtes Material für You Tube gemacht. Es herrscht zwar eine gewisse Euphorie im Saal, doch zu greifen ist diese zu keinem Zeitpunkt des Abends. Richtige Konzertstimmung sieht anders aus.

Apropos Aussehen: Sonnenbrille, Jeanshemd, Krawatte und ein Irokesenschnitt. Sean Paul wirkt, als könne er sich nicht entscheiden, welchem Trend er gerade hinterherrennen möchte. Welche Botschaft er vermittelt, ist indes klar und wenig überraschend. Alle paar Verse schwenkt er lasziv seine Hüften, wozu die "sexy Ladys" dann kreischen und, nun ja, viel mehr ist da nicht bis auf die Aussage, er glaube an die Freiheit des Menschen und rauche deshalb täglich seinen Joint. Ein für jamaikanische Reggaekünstler typischer Habitus, nur dass er von Kollegen seiner Zunft in der Live-Variante deutlich unterhaltender dargeboten wird.

Sean Paul ist da auf der Bühne dem Pop beinahe näher als dem Reggae. Da können auch die zwei exotischen und synchronen Tänzerinnen auf der Bühne nichts retten, wenn mit dem fragwürdigen "I Gotta Feeling" von den Black Eyed Peas mitten im Programm per Klatschübung die Stimmung künstlich erzeugt werden soll. Eine Band hat Sean Paul nicht dabei, wie es für erfolgreiche jamaikanische Künstler eigentlich Standard ist. Vielleicht hätte sie ja dabei helfen können, ein mitreißendes Konzert zu spielen, das in Erinnerung bleibt. Sean Paul alleine gelingt dies nicht.

Nach nur einer Stunde ist es dann vorbei, das laut Veranstalter einzige Deutschlandkonzert in diesem Jahr. Die Exklusivität erschließt sich in Lahr jedoch nicht. Da wurde viel Lärm um wenig gemacht. Dann doch lieber die CD in den Player.

Autor: Daniel Weber