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04. August 2011

Schwebende Donuts

"Multiplex IV" – Ausstellung im Setzkasten in Freiburg.

Was ist ein Schaufenster ohne Fenster? Ein Setzkasten! So bezeichnen zumindest die Mitglieder von plan b ihr Ausstellungsformat, das in der Freiburger Schwarzwaldstraße 143 nicht nur einsichtig, sondern betretbar ist. Der kleine Präsentationsraum einer ehemaligen Schreinerei wird so buchstäblich zum öffentlichen Kunstraum, der zu künstlerischen Setzungen ermöglichen soll. Plan b – ein Projekt von Studenten und Absolventen der Freiburger Außenstelle der Staatlichen Akademie der Künste Karlsruhe – nutzt diesen Off-Space seit 2010 für seine Interventionen.

Unerwartete Vernissagengäste

Derzeit präsentiert der junge Schweizer Künstler Emanuel Rossetti, 1987 in Basel geboren, eine Posteredition, die auch zum Mitnehmen ausliegt. Ein Exemplar ist dezent an die weiße Wand des Ausstellungsraums geklebt und wird besonders nachts von einer eigens dafür installierten bunten Lichterkette beleuchtet. Das Poster zeigt eine Kompilation aus verschiedenen Stills einer Computeranimation, die Rossetti mit dem Programm Google SketchUp herstellte. "Multiplex IV" ist Teil einer Serie von Animationen, deren Erstling er letztes Jahr in der Kunsthalle Basel während der Ausstellung "The Village Cry" zeigte. Zur Vernissage seiner Freiburger Ausstellung, die von Leon Hösl auf Einladung von plan b kuratiert wurde, projizierte er die geloopte Animation in den Raum. Scheinarchitekturen und Reminiszenzen an Kunstwerke, wie etwa das Stück "Music for Piano # 5" des Fluxus-affinen japanischen Komponisten Toshi Ichiyanagi, mischen sich zu anderen Objekten. Diese sind vom Künstler zwar gewählt, vom Animationsprogramm aber willkürlich generiert. So schweben neben Klavier und Partitur auch marmorfarbene Donut-Formen oder ein Sessel der italienischen Designer Jonathan de Pas, Donato D’Urbino und Paolo Lomazzi durch den virtuellen Raum.

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Ähnlich den ausstellungsmachenden Künstlern von plan b gehört auch Emanuel Rossetti einem Künstler-Netzwerk an; seit 2008 betreibt es in Basel den Ausstellungsraum New Jerseyy. Ob New Jerseyy oder der Pavillon in der Hugstetterstraße 55, ein weiterer Ausstellungsort von plan b in Freiburg – immer sind die Organisatoren auf freie Räume angewiesen. Auch wenn zu große Öffentlichkeit schnell zur Institutionalisierung und damit zum Ende der Off-Space Idee führt, verlangen diese jungen künstlerischen Raumsetzungen Aufmerksamkeit. Und dass derlei Räume zum Glück – oder Unglück – noch nicht etabliert sind, bescherte dem Setzkasten jedenfalls offiziellen Besuch. Zur Vernissage kam auch die von Anwohnern über einen Auflauf von Jugendlichen informierte Polizei – und nahm vorsorglich die Personalien der Verantwortlichen auf.


– Setzkasten, Schwarzwaldstraße 143, Freiburg. Bis zum 31. August, täglich 24 Stunden.

Autor: Sören Schmeling