"Wir müssen positiv denken"

Markus Tschiedert

Von Markus Tschiedert

Fr, 07. Dezember 2018

Kino (TICKET)

TICKET-INTERVIEW: Der Musiker Peter Maffay über sein Engagement für Kinder und den Film "Tabaluga".

1983 war die Geburtsstunde des Drachens Tabaluga. Einer, der mitwirkte, war Peter Maffay (69). Zunächst nur als Rockmärchen konzipiert, sind sechs Alben von ihm erschienen, und er ist Schirmherr der Tabaluga-Kinderstiftung. Seit 48 Jahren bestimmt Maffay die Musikszene mit und landete mit sei

nen Alben oft auf dem ersten Platz. Nun freut sich der in Rumänien geborene Musiker auf den Trickfilm "Tabaluga". Markus Tschiedert traf Peter Maffay zur Premiere in München.

Ticket: Sie sind Miterfinder von Tabaluga. Wie kam das damals zustande?
Maffay: Anfang der Achtziger gab es in meinem Umfeld eine Lehrerin, die mir erzählte, dass die Erzählstoffe an den Schulen sehr nüchtern geworden sind. Sie kam auf mich zu und fragte, warum wir Musiker nicht mal einen klassischen Erzählstoff vertonen.
Ticket: Wie reagierten Sie?
Maffay: Ich habe sie angeschaut und fragte: "Ist dir klar, wie schwierig es war, diese Metamorphose vom Schlager zum Rock ’n’ Roll zu schaffen? Jetzt Märchenonkel – das wird nicht funktionieren." Sie antwortete nur: "Zeig mir das Buch, in dem das steht!" Ich ging daraufhin zu meinem Partner Dieter Viering, der mich mit Rolf Zuckowski und Gregor Rottschalk zusammenbrachte. Rolf meinte: "Lass uns eine positive Figur erfinden, die sich wie ein heranwachsender Mensch verhält. Die lassen wir in gewisse Fallen stolpern, damit sie am Ende mit einer Quintessenz nach Hause geht und daran wächst." Das war der Startschuss.
Ticket: Sie haben sich schon immer stark für Kinder gemacht...
Maffay: Wenn man so lange Zeit vorm Publikum stehen darf wie ich, muss man für die Leute auch erkennbar sein. Wo steht man? Wes Geistes Kind ist man gesellschaftlich und politisch gesehen? Als in den Achtzigern auf beiden Seiten fürchterlich aufgerüstet wurde, fragte ich mich, welche Perspektiven Kinder eigentlich noch in dieser Zeit haben. Wenn man es ganz radikal formuliert: Darf man in dieser Welt überhaupt noch Kinder hineinsetzen?
Ticket: Eine Frage die Sie für sich stets bejaht haben. Anfang November sind Sie nochmals Vater einer Tochter geworden...
Maffay: Wenn ich das nicht positiv sehen würde, wäre das sehr widersprüchlich. Ich glaube, dass wir keine Alternative haben, als in einer gewissen kritischen Form positiv zu bleiben. Wo sollten sich junge Menschen auf dem Weg zum Erwachsenwerden sonst anlehnen? Es ist unsere Verpflichtung, eine positive Haltung zu haben oder zu erzeugen.
Ticket: Wie schwierig fällt Ihnen das manchmal angesichts der Tatsache, dass überall auf der Welt Kinder auf verschiedenste Weise leiden?
Maffay: Kinder sind immer die Leidtragenden – das ist eine Erkenntnis, die wir alle haben angesichts der vielen Erosionen, die wir jeden Tag mitbekommen: Krankheit, Verlust von Eltern, Missbrauch. Man reflektiert die eigenen Möglichkeiten, dem etwas entgegenzusetzen und Sinnvolles zu machen. So kam ich mit Jürgen Haerlin zusammen, der inzwischen ein enger Freund von mir ist. Er hatte eine Stiftung, bat mich, sie Tabaluga-Stiftung nennen zu dürfen, und lud mich dazu ein, Öffentlichkeitsarbeit für traumatisierte Kinder zu leisten. Später entstand unsere eigene Stiftung, die Peter Maffay Stiftung, um Kindern eine Auszeit zu geben, die Furchtbares erleiden mussten.
Ticket: Hätten Sie je gedacht, dass aus "Tabaluga" mal etwas so Großes werden würde?
Maffay: Nein, weil schon der erste Einsatz für uns abenteuerlich war. Ich kann mich erinnern, als es um die Illustrationen ging. Wir hatten keinen blassen Schimmer, wie Tabaluga und seine Welt aussehen könnte. Wir haben dann 50 Bücher gekauft und sie auf den Boden ausgebreitet. Erwachsene, die in Kinderbüchern blätterten, um emotional herauszufinden, was am besten gefällt. Im Grunde sind wir da wieder in den Sandkasten gegangen.