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16. Juni 2009 15:29 Uhr

Christen und Atheisten auf Bustour

Auf den Fersen der Gottlosen

In ganz Europa fahren auf Initiative von Atheisten Busse herum. Passanten sollen angeregt werden, sich mit den Ideen auseinanderzusetzen. In Deutschland folgt dem Bus der Gottlosen ein christlicher. Warum?

  1. Der Bus der Atheisten vor dem Brandenburger Tor in Berlin Foto: dpa

  2. Der Gottkennbus des Vereins Campus für Christus Foto: BZ

  3. Andreas Bartels ist der Projektleiter bei Campus für Christus Foto: BZ

FREIBURG. "Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott" steht auf dem roten Bus, der derzeit durch Deutschland kurvt. Atheisten wollen so anregen, sich mit ihren Ideen auseinanderzusetzen. Die Initiative entstand in England, seither gibt es ähnlich Busse in vielen europäischen Städten. In Deutschland hat sich der Verein "Campus für Christus"nun einen eigenen Bus gechartert und fährt die gleichen Plätze an, wie die Atheisten. Mit dabei ist auch Projektleiter Andreas Bartels. Laetitia Obergföll hat sich mit ihm unterhalten.

BZ: Herr Bartels, überall, wo der Atheistenbus zurzeit auftaucht, ist der Christenbus schon da oder biegt bald um die nächste Ecke. Ist das eine moderne Form der Verfolgung Gottloser?

Bartels: (lacht) Nein. Wir haben ganz bewusst gesagt, wir fahren nicht immer hinterher. Wir wollen, dass die Menschen auf den Plätzen, wo die Bustour stoppt, die Gelegenheit haben, beide Busse zu sehen. Von München aus wurden wir von der Buskampagne eingeladen, auf der Überlandfahrt ein Stückchen gemeinsam zu fahren. Das haben wir auch gerne gemacht. Aber ansonsten haben wir vor Ort ein unterschiedliches Programm.

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BZ: Wie sind sie auf die Idee gekommen, sich an die Fersen der Atheisten zu heften?

Bartels: Wir haben gehört, dass sie zur Diskussion einladen und wollten diese bereichern. Sie bringen ein Thema in die Öffentlichkeit, das auch unser Thema ist und da dachten wir, dann nehmen wir uns eben auch ein Bus.

BZ: Ihr Verein wird nur aus Spenden finanziert. Wie konnten sie das alles denn so schnell auf die Beine stellen?

Bartels: Es gab sehr plötzlich einen Spender, der dieses Projekt kräftig unterstützen wollte.

BZ: Die Atheistenbuss gibt es ja in vielen europäischen Städten. Wissen sie auch von anderen christlichen Aktionen?

Bartels: Bisher nicht. Aber wir sind auch nicht so eng vernetzt wie die Atheisten. Und vielleicht auch nicht von einem so großen Sendungsbewusstsein getrieben. Ich kann mir aber vorstellen, dass das in anderen Ländern kopiert wird. Es ist schon naheliegend, dass Christen sich äußern, wenn Atheisten das Thema Gott aufbringen.

BZ: Wie sind denn die Reaktionen? Kommen mehr Menschen zu Ihnen oder mehr Menschen zum Atheistenbus?

Bartels: Wir haben erlebt, dass wenn einer von uns in Gesprächen mit dabei war, er schon auch verbal aggressiv angegangen wurde. Wenn man gefragt wurde ’Wie denken sie sich das mit Gott?’, wurde man häufig nach einem halben Satz schon wieder unterbrochen mit dem Argument, dass Gott ja ohnehin nicht existiere. Das fand ich schwierig. Denn diese Menschen stellten Fragen, wollten aber keine Antworten hören. Das kann man nicht verallgemeinernd sagen, aber ich habe es bei dieser Aktion mehrfach erlebt. Schöner war es, wenn die Menschen sagten, dass sie sich mit dem Thema jetzt neu auseinandersetzen wollen. Wir wollen ja niemandem etwas überstülpen, aber wir wollen, dass die Menschen sich auch mal mit der Gegenseite befassen. Wir glauben, dass man Gott kennen lernen kann, wenn man sich drauf einlässt.

BZ: Und wie waren die Reaktionen der Christen?

Bartels: Wir wollen Liebe rüberbringen und ich denke, dass das auch die meisten christlichen Besucher so gesehen haben. In München hat zum Beispiel eine christliche Initiative den Atheisten den Bus gewaschen, das war eine schöne Aktion.

BZ: Am Donnerstag endet die Tour durch Deutschland. Was nehmen Sie mit?

Bartels: Wir hatten viele positive Erlebnisse und können uns gut vorstellen, das noch einmal zu machen...

BZ:...mit oder ohne Atheistenbus?

Bartels: Wir können uns gut vorstellen, sie einzuladen und mit ihnen so eine Aktion gemeinsam zu planen. Natürlich haben die Atheisten auch andere Themen, zum Beispiel politisch motivierte, aber die würden wir eben bewusst ausklammern. Aber zwei Busse erregen mehr Aufmerksamkeit als ein einzelner, und davon können ja beide Seiten profitieren.

Autor: lo