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Fast jeder Tag des Jahres ist ein internationaler Gedenktag

dpa

Von dpa

Do, 22. Dezember 2016 um 00:00 Uhr

Panorama

Fast jeder Tag im Jahr ist einem bestimmten Thema oder Problem gewidmet, auf das die Aufmerksamkeit gerichtet werden soll. Es gibt einen Welttag des Hörens, des Sehens und auch des Fernsehens.

Oft herrscht Gedränge im Kalender und die Anlässe überschneiden sich. So ist der 21. März nicht nur der Internationale Tag der Wälder, der Poesie und des Down-Syndroms, sondern auch der Welttag der Hauswirtschaft, des Puppenspiels und der Beseitigung von Rassendiskriminierung. Doch wer entscheidet eigentlich, was gedenkwürdig ist und was nicht?

Die Vereinten Nationen gelten als Erfinder der Welttage. "Internationale Tage werden in der Regel auf Initiative von nationalen Einrichtungen, Mitgliedsstaaten oder der Zivilgesellschaft vorgeschlagen", sagt Katja Römer von der Deutschen Unesco-Kommission. Habe ein Vorschlag ausreichend Unterstützung, werde entweder in der Organisation (etwa der Weltgesundheitsorganisation WHO) darüber entschieden, bei der der Vorschlag eingereicht wurde, oder er gehe weiter an die UN-Vollversammlung. Dort werde dann ein Resolutionsentwurf vorgelegt. "Dann muss das ganze nur noch im Konsens verabschiedet werden", erklärt Römer.

Bislang seien insgesamt mehr als 100 internationale Tage beziehungsweise Welttage von den Vereinten Nationen und ihren Unterorganisationen anerkannt worden. "Aufgrund der Vielzahl versucht man grundsätzlich nicht zu viele neue Tage ins Leben zu rufen", sagt Römer. Denn je mehr neue Welttage es gibt, desto mehr könnten die bestehenden an Bedeutung verlieren.

Für das kommende Jahr stehen zwei neue Welttage auf der UN-Agenda. Zum einen der Asteroiden-Tag am 30. Juni, an dem das Bewusstsein für die Gefahr eines Einschlags geschärft werden soll. Auch der Tag der nachhaltigen Gastronomie soll sich 2017 zu den anderen Welttagen gesellen.

Richtlinien zur Streichung von Internationalen Tagen gibt es der UN zufolge übrigens nicht. Sie werden stattdessen einfach nicht mehr begangen oder geraten mit der Zeit in Vergessenheit. So wie der Gedenktag für den Kampf gegen die Apartheid in Südafrika.

Doch die Vereinten Nationen sind nicht die einzigen, die an bestimmte Themen mit Hilfe von Welttagen erinnern. Auch die Kirchen haben dieses Mittel der Reflexion für sich entdeckt. Und das nicht erst seit gestern. Schon 1967 rief Papst Paul VI den Welttag der sozialen Kommunikationsmittel aus, um Medien an ethische Prinzipien zu erinnern.

Kalendertage können aber auch zu Werbeträgern werden. "Lange Zeit hinweg waren Welttage ein Standardinstrument im Repertoire von Werbeagenturen", sagt Uwe Kohrs, Chef des PR-Agenturen-Verbands GPRA. International sehr erfolgreiche Beispiele seien der Valentinstag und der Muttertag. Aber auch der Tag des Bieres oder des Brotes sei für die Branchen ein wiederkehrender Anlass, um für Produkte zu werben.

Weil meistens ein ganzer Geschäftszweig davon profitiere, stünden hinter vielen Jahrestagen Verbände. Jedes einzelne Mitglied trage zur Aufmerksamkeit bei. "Ein einzelner wird das kaum schaffen", erklärt Kohrs. Unabhängig davon gelte: "Der Tag muss schon überzeugend sein." Denn sonst werde er einfach vom Publikum ignoriert. Und geht im Wust der Welttage unter.