Archäologie

Hund hilft bei ungeklärten Mordfällen

dpa

Von dpa

So, 02. Dezember 2018 um 17:52 Uhr

Panorama

Manche Knochen liegen seit Jahrhunderten unter der Erde – Flintstone spürt sie trotzdem auf. Der altdeutsche Hütehund ist Profi bei der Suche nach menschlichen Skeletten – er ist ein Archäologiehund.

Herrchen Dietmar Kroepel aus Otterfing in Oberbayern hat ihn darauf trainiert, auch uralte Knochen in der Erde aufzuspüren. Flintstone hat seine Aufgabe gewechselt, weil Kroepel vor einigen Jahren nicht mehr dreimal wöchentlich und am Wochenende Einsätze mit seinem Rettungshund fahren konnte. Nichtstun kam für den wuscheligen grauen Vierbeiner aber nicht infrage. Also nahm der 52-jährige Archäologe ihn mit zu einer Ausgrabung in Italien. Dort wurde die Idee geboren, Flintstone umzuschulen.

Internationale Vorbilder gibt es: Das Magazin National Geographic etwa berichtete 2012 über den Hundetrainer Gary Jackson, der den schwarzen Labrador-Mix Migaloo zum angeblich ersten Archäologiehund der Welt ausgebildet hat. Als Test habe das Tier in Australien ein 600 Jahre altes Grab erschnüffelt, das Jahre zuvor entdeckt worden sei, erzählte Jackson dem Magazin.

Flintstone ist heute der einzige zertifizierte "Archaeo-Dog" in Deutschland, betont Kroepel. Er unterstützt Grabungen in der Bodendenkmalpflege. So entdeckte er 2016 im oberbayerischen Landkreis Ebersberg ein Römergrab. Noch spannender aus Sicht seines Herrchens: Der Hund hilft der Polizei auch bei sogenannten Cold-Case-Fällen, in denen ein Verbrechen vermutet wird, eine Leiche aber nie gefunden wurde. Herr und Hund haben bereits 13 solcher Fälle mitgewirkt.

In Oberfranken beispielsweise ermittelt die Polizei zum Verschwinden vor mehr als 30 Jahren einer damals 18-Jährigen im Landkreis Hof. "Im Rahmen der Ermittlungen konnten wir Ende 2017 ein Straßenstück von 200 Metern Länge eingrenzen, wo die Leiche vergraben sein könnte", sagt Polizeisprecherin Anne Höfer. Mit dem Hund sei dieser Bereich dann abgesucht worden – in einem Kanal schließlich habe Flintstone menschliche Knochen angezeigt. Im September wurde die Straße dann dort aufgegraben. Menschliche Knochen tauchten zunächst nicht auf. Ob dort wirklich nichts vergraben liegt, müssten die weiteren Ermittlungen zeigen, sagt Höfer. Sie betont aber in Bezug auf Flintstones Arbeit: "Die Ermittler sind nach wie vor überzeugt, dass es eine sinnvolle Methode ist." Es sei gut vorstellbar, das Tier in Zukunft wieder einzusetzen, in Kombination mit anderen Methoden, zum Beispiel physikalischen Messungen im Boden. Dieses Vorgehen sei noch relativ neu.

Grundsätzlich helfen Hunde immer wieder bei ungelösten Mordfällen. In einem östlich von Lüneburg gelegenen Waldgebiet waren 1989 zwei Paare getötet worden, der Fall wurde als "Göhrde-Morde" bekannt. Verantwortlich soll ein Friedhofsgärtner sein, der 1993 im Gefängnis Suizid beging. Bei der Suche nach Hinweisen auf weitere Taten des Mannes kamen im April dieses Jahres nach Angaben der Polizei spezielle Suchhunde aus Kroatien zum Einsatz. Sie können Erdreich erkennen, das mit schon länger liegenden menschlichen Überresten in Kontakt gekommen ist.

Was Flintstone von Polizeihunden unterscheidet: Leichenspürhunde etwa riechen sich zersetzendes menschliches Gewebe, Personenspürhunde sind darauf abgerichtet, Lebende zu finden. Das war ursprünglich ja auch Flintstones Spezialität – die Kroepel ihm in der Ausbildung erst einmal abgewöhnen musste. Zudem lernte Flintstone, nicht direkt los zugraben, sondern einen Fund anzuzeigen, indem er sich niederlässt und bellt.