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01. Juli 2016 00:00 Uhr

Wuff!

Hund im Büro: Wie ist die rechtliche Situation?

Fiffi unterm Schreibtisch? In Deutschland ist das die Ausnahme. Dabei kann ein Hund sogar Stress abbauen. Wie halten es deutsche Unternehmen mit Hunden am Arbeitsplatz?

  1. Wuff! Hunde sollen das Arbeitsklima verbessern. Foto: dpa

Hunde ins Büro! Dafür plädiert der Deutsche Tierschutzbund und veranstaltet eigens jährlich den Aktionstag "Kollege Hund". Und auch der Bundesverband Bürohund e.V. sagt: Hunde sind gut fürs Arbeitsklima, denn sie schützen vor Burnout. Doch wie halten es deutsche Unternehmen?

Der Kollege liegt am liebsten unter dem Schreibtisch und döst. Manchmal grunzt er ein wenig. Von Zeit zu Zeit weht ein schwacher Mief herüber. Hunde im Büro sind in Deutschland immer noch die Ausnahme. Mit dem Aktionstag "Kollege Hund" der am vergangenen Donnerstag bundesweit stattfand, möchte der Deutsche Tierschutzbund die Unternehmen für die Tiere öffnen. "Hunde sind sehr sozial und am liebsten überall dabei", sagt eine Sprecherin. "Viele Menschen haben keinen, weil sie ihn nicht ständig alleine lassen wollen. Dabei sind die Tierheime in Deutschland voll." Und dabei habe sogar eine amerikanische Studie ergeben, dass Hunde am Arbeitsplatz helfen, Stress abzubauen. Der Aktionstag soll dafür da sein, auszuprobieren, wie sich ein Hund neben dem Schreibtisch so macht, ob und welche Konflikte er bringt.

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Denn die fürchten sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer. Grundlos, sagt Markus Beyer, Vorsitzender des Bundesverbands Bürohund mit Sitz in Berlin. "Hier driften Realität und Vorstellung auseinander. Dass der Hund ständig bellt, so die Arbeit unterbricht, und riecht sind Vorurteile", sagt Beyer. In der Realität sei das aber kaum ein Problem. "Wenn der Hund ordentlich ernährt und geputzt wird, riecht er auch nicht." Und für den Hund sei es ideal. Hat er Rückzugsmöglichkeiten und darf hin und wieder Gassi gehen, ist er glücklich. Natürlich solle der Hund auch sozialverträglich sein, aber: "Unterbrechungen im Arbeitsalltag sind erwünscht!" Denn die verhindern den Dauerstress, der zu Burnout führen kann, glaubt Beyer. Zudem steige bei der Begegnung zwischen Mensch und Hund bei beiden der Oxytocin-Pegel. Das Kuschelhormon soll Stresshormone senken.

Allerdings: Die rechtliche Situation ist nicht auf der Seite der Hundebesitzer. "Grundsätzlich gilt: Arbeitnehmer haben keinen Anspruch, ihre Haustiere mit ins Büro zu nehmen. Betriebsabläufe dürfen nicht gestört werden", sagt ein Sprecher der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. "Erlaubt es der Arbeitgeber, ist es ein Gebot der Rücksichtnahme, dass sich Kollegen nicht beeinträchtigt fühlen."

Jedes Unternehmen kann also selbst entscheiden, ob und unter welchen Bedingungen Tiere erlaubt sind. Der Bundesverband Bürohund e.V. möchte die gesetzliche Lage aber ändern. Indem er die genannten Vorteile bekannter macht und Ängste abbaut. "Viele denken, heute der Hund, morgen ein ganzer Zoo", sagt Markus Beyer. Dabei könne der Arbeitgeber mit einem Rahmenvertrag festlegen, welche Tiere im Büro erlaubt seien, wie viele, und wer etwa bei Schäden haftet. Unterm Strich, da ist sich der Hundetrainer aus Berlin sicher: Lieber ein wenig Aufwand für einen Hund im Büro als wochenlanger Ausfall durch eine Burnout-Erkrankung.

Autor: Susanne Ehmann