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25. November 2010 21:03 Uhr

Meteorologie

Kommt ein Jahrhundertwinter?

Eiskalte Luft hat sich über Mitteleuropa gelegt – und viele Meteorologen fragen sich, ob der aktuelle Kaltluftvorstoß lediglich ein Vorgeschmack auf den Winter sein wird. Dabei spielt auch das Jahr 1709 eine Rolle.

  1. Ein Paar steht im verschneiten Wald auf dem Kahlen Asten im Hochsauerland. Foto: dpa

FREIBURG. In weiten Teilen Europas hat der Winter bereits Einzug gehalten. Vor allem in Skandinavien ist es für Ende November schon bitterkalt. In Nordschweden sackte die Temperatur nachts unter minus 30 Grad ab, in Helsinki türmt sich der Schnee bereits auf 32 Zentimeter. Jetzt hat die Kaltluft in etwas abgeschwächter Form die Alpen erreicht. Ein kleines Randtief hüllte am Donnerstag das Saarland und Teile von Rheinland-Pfalz in zartes Weiß. Vergangene Nacht sollte ein kleines Tief über Baden-Württemberg hinwegziehen.

Ende September prophezeiten russische Wissenschaftler den kältesten Winter seit 1000 Jahren. Demnach müssten wir mit einem Winter rechnen, der Mitteleuropa in Schockstarre versetzen wird, weil angeblich der Golfstrom versiegt. Nach Angaben verschiedener Wissenschaftler ist dieser aber intakt. Gleichwohl verspricht die derzeitige Großwetterlage spannende Tage. Die Westströmung, die gewöhnlich milde Luft heranweht, ist fast zum Erliegen gekommen – der Atlantik blockiert. Stattdessen hat sich eine Kaltluftblase nach Europa vorgeschoben.

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Bis zuletzt hat man von Kälte und Schnee noch nicht viel gemerkt: Der November verlief deutlich zu warm und um St. Martin herrschte noch T-Shirt-Wetter. Im Jahre 1709 war das ähnlich. Damals lockte ein sogenannter Nach- oder Martinssommer die Menschen ins Freie. Kein Mensch konnte ahnen, was wenig später hereinbrechen sollte: Sibirische Kaltluft wälzte sich quer durch Europa, selbst in den Mittelmeerländern froren die Flüsse zu. Rehe flüchteten in Dörfer, Vögel fielen von den Bäumen und Menschen erfroren in ihren Häusern. Diese Kälte fiel zwar in das sogenannte Maunder-Minimum der kleinen Eiszeit, gleichwohl war sie außergewöhnlich. In Berlin überstiegen die Tagestemperaturen im Januar kaum mehr die Minus-Zehn-Gradmarke. Europa erlebte einen Jahrtausendwinter.

Langzeitprognosen sind äußerst unsicher

Sollte uns wirklich ein solcher Winter bevorstehen, müssten die kommenden Monate also noch eisiger ausfallen. Das ist aber äußerst unwahrscheinlich. "Das Ganze ist ein wenig obskur", sagt Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst. "Kein Mensch weiß, wie der kommende Winter wird." Langfristprognosen seien unsicher und nicht zu vergleichen mit der aktuellen Wettervorhersage. Schon nach einer Woche sinkt die Trefferquote auf 78 Prozent.

Meteorologen, die sich mit Jahreszeitenprognosen beschäftigen, bleiben nur die Statistik und der Computer. Schon einige Bauernregeln zeigen, dass einem warmen Oktober beispielsweise häufig ein zu kalter Januar folgt. Manche Meteorologen stützen sich auf entsprechende Beobachtungsreihen. Andere berechnen kommende Wetterlagen, wie am Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen in Reading bei London. Einmal im Monat werden dort etwa fünfzig Modelle übereinandergelegt und miteinander verglichen. Dank dieser Methode lassen sich kleinere Trends für einige Regionen herauslesen, was etwa für Energieversorger von Interesse ist. Aber selbst hier bleiben die Aussagen vage. Aktuell deuten diese eher auf einen gewöhnlichen als auf einen zu kalten Winter hin.

Kai Zorn von wetter.com hingegen rechnet seit Wochen damit, dass die kommende Jahreszeit besonders eisig ausfallen könnte. Er stützt sich in seiner Prognose auf Erfahrungswerte. Sollte die derzeitige Wetterlage den ganzen Winter anhalten, "würden wir erfahren, was ein Jahrhundertwinter bedeutet", sagt er. Schon seit Monaten sei die normale Zirkulation gestört. Beste Voraussetzungen also für einen strengen Winter. Gerhard Lux hingegen ist skeptisch: "Was Langfristprognosen angeht, stehen wir noch ganz am Anfang", sagt er. Erschwerend komme hinzu, dass Aussagen zum Winter generell schwieriger seien als etwa zum Frühling oder Sommer. Warum das so ist, weiß man nicht. Gewiss ist nur, dass die Kälte sich bis Wochenanfang halten wird.

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Autor: Andreas Frey