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13. März 2009

Wale schauen oder jagen?

Vor dem Rücktritt erhöhte Islands Regierung die Fangquote / Nun werden Interessen abgewogen

  1. == WITH AFP STORY: US-ENVIRONMENT-TOURISM-WHALES BY TANGI QUEMENER == Foto: ImageForum

REYKJAVIK. Fischerei und Tourismus zählen zu den Wirtschaftszweigen, mit deren Hilfe sich Island aus der Krise retten will. Beim Walfang stehen die Interessen dieser beiden Branchen einander jedoch diametral gegenüber: Die Fischer wollen Wale jagen, der Fremdenverkehr macht mit "Whale watching"-Programmen Geld und fürchtet einen Boykott, wenn die Walfänger die Jagd wieder aufnehmen. Nun will die rot-grüne Regierung abwägen, welchen Interessen sie Vorrang geben soll.

Der auch für Fischerei zuständige Finanzminister Steingrimur Sigfusson bekam von seinem Vorgänger Einar Gudfinnsson ein Kuckucksei ins Nest gelegt: Am Tag vor dem Rücktritt des alten Kabinetts erhöhte der Konservative die jährliche Fangquote für Zwergwale von 40 auf 100 und gab auch 150 der bisher geschützten Finnwale zum Abschuss frei. Damit versetzte er seinen Nachfolger in eine prekäre Lage, hatte die rot-grüne Koalition sich doch für ein Ende des kommerziellen Walfangs ausgesprochen. Sigfusson annullierte zwar die Ankündigung Gudfinnssons, dass die neuen Quoten für fünf Jahre gelten sollten. Die Quote für 2009 aber sei rechtlich bindend, sagte Sigfusson der Badischen Zeitung. Für eine Änderung im Parlament hat die Regierung keine Mehrheit.

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"Ich bin begeistert, die Wartezeit war schwierig", kommentierte Walfangunternehmer Gunnar Jonsson den Entscheid. "Jetzt setzen wir alles dran, um zu Beginn der Jagdsaison im Mai klar zu sein." Auch die Gewerkschaften freuen sich, weil sie sich neue Arbeitsplätze in dem von der Krise gebeutelten Land erhoffen. Hingegen nennt Islands Naturschutzbund den Beschluss "traurig", und die Touristikbranche fürchtet die Reaktionen der Reisenden, die kommen, um lebende Wale zu sehen. "Die ersten Abbestellungen sind schon eingetroffen", sagt Rannveig Gretarsdottir, deren Firma Walbeobachtungsausflüge arrangiert.

Der Minister sagt, er habe persönlich nichts dagegen, wenn man Wale "nachhaltig jagt, so wie man andere Naturressourcen ausnützt". Die Bestände der Finn- und Zwergwale seien im Westatlantik groß genug. Dennoch wolle man nun eingehend prüfen, ob der Walfang fortgesetzt werden soll. In den küstennahen Gewässern werde man Sicherheitszonen einrichten. Dort sollen die Touristen ungestört von Walfängern Wale beobachten können. Außerdem will man den Markt für Walfleisch prüfen. Im Vorjahr exportierte Island 82 Tonnen Walfleisch im Wert von 641 000 Euro nach Japan. Nach Berechnungen des sozialdemokratischen Parlamentariers Mördur Arnason kostete der Transport des Fleischs jedoch 755 000 Euro.

Der ehemalige Minister Gudfinnsson bezeichnet dies als weit übertrieben. Die Industrie glaubt, dank der künftig größeren Quoten preisgünstiger exportieren zu können. Tierschützer hoffen hingegen, dass die Analysen der Regierung zeigen werden, dass die Einnahmen aus dem Export weder die Ausfälle der Touristikbranche noch den Imageschaden aufwiegen können, den Island durch die Ausweitung des Walfangs erleidet.

Autor: unseren Korrespondenten Hannes Gamillscheg