Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

19. Mai 2009

Weniger Delfine in der Ägäis

Die Meeressäuger sind im Mittelmeer nach Angaben von Naturschützern vom Aussterben bedroht

  1. In der Antike galten Delfine als gutes Omen für Seefahrer und Fischer, heute verenden sie oft in deren Fangnetzen. Foto: dpa

ATHEN. Einst wurden sie als göttliche Geschöpfe verehrt, jetzt entziehen griechische Fischer ihnen die Lebensgrundlage: Delfine sind im Mittelmeer vom Aussterben bedroht. Naturschützer fordern deshalb von der griechischen Regierung, gegen die chronische Überfischung der Gewässer vorzugehen.

Wer Glück hat, bekommt auf einer Seefahrt durch die Ägäis Begleitung: Plötzlich schießen Delfine aus den Wellen, springen eine Weile neben dem Boot her und tauchen dann wieder ab. "Aber solche Begegnungen werden seltener", sagt der 66-jährige Konstantinos Karalis, der als Skipper auf seiner Segelyacht mit Urlaubern durch die griechischen Gewässer kreuzt.

Dass er immer weniger Delfine sieht, ist kein Zufall. Die Meeressäuger sind im Mittelmeer vom Aussterben bedroht. Die Naturschutzorganisation WWF ermittelt deren Zahl seit Mitte der 90er Jahre. Die Beobachtung ist möglich, weil die Tiere immer wieder an die Oberfläche kommen und eine individuelle Zeichnung tragen. 1996 gab es nach Angaben des WWF im Seegebiet zwischen den Ionischen Inseln Lefkas und Kalamos, das als wichtigste Zuflucht des Gemeinen Delfins im östlichen Mittelmeer gilt, etwa 150 dieser Tiere. 2007 war ihre Zahl auf 15 geschrumpft.

Werbung


Die Griechen der Antike verehrten die Delfine als göttliche Geschöpfe. Ein Delfin, so der Mythos, brachte den Sonnengott Apoll, der auf einer Insel geboren wurde, an Land. Sie galten als klug, schön und lebensfroh, waren selbstlose Retter unzähliger Schiffbrüchiger und ein gutes Omen für Seefahrer und Fischer. Die alten Griechen sagten ihnen heilende Kräfte nach. Und wer einen Delfin töte, ziehe sich den Zorn der Götter zu, hieß es.

Heute entziehen die Griechen den Tieren die Lebensgrundlage. Immer mehr Delfine verfangen sich in den Netzen der Fischkutter, und die Überfischung des Seegebiets zwischen Lefkas und Kalamos beraubt sie auch noch ihrer Nahrung. Dabei steht dieses Gebiet eigentlich unter besonderem Naturschutz.

Delfine bald nur noch als dressierte Showstars?
In anderen Regionen des Mittelmeers sieht es nicht viel besser aus. So ist in der Adria die Zahl der Großen Tümmler in den vergangenen zehn Jahren um etwa ein Drittel auf 220 Tiere zurückgegangen. Damit die Tiere nicht nur als dressierte Showstars in Delfinarien eine Zukunft haben, fordern Naturschutzorganisationen von der griechischen Regierung und der Europäischen Union, im Seegebiet um Lefkas auf die strikte Einhaltung der Auflagen zu achten. Dazu gehören begrenzte Fangquoten und Einschränkungen bestimmter Fischereimethoden auf einzelne Monate. Um die Fischbestände zu schützen, fordert der WWF auch, Netze mit größeren Maschen vorzuschreiben.

Die Beschränkungen, sagen die Naturschützer, lägen letztlich auch im Interesse der Fischerei. Die griechischen Fischer erhöhten zwar durch effizientere Techniken und größere Netze zwischen 1970 und 1994 ihren Fang fast auf das Dreifache. Seit Mitte der 90er Jahre gingen die Erträge aber um fast die Hälfte zurück – als Folge jahrzehntelanger Überfischung.

Autor: Gerd Höhler