Digitalisierung bedroht Buchalter

Dennis Kalt

Von Dennis Kalt

Sa, 22. September 2018

Bad Säckingen

Das Wirtschaftsforum Fricktal thematisierte die Arbeitswelt 4.0 – einige Branchen sind stark gefährdet.

STEIN. Ein Mix aus hochkarätigen Referenten und der Möglichkeit zum Networking machen das Wirtschaftsforum Fricktal zu einem besonderen Anlass, ist sich Christian Fricker, Präsident des Planungsverbandes Fricktal Regio, sicher. "Gute persönliche Kontakte sind eine wichtige Basis für den wirtschaftlichen Erfolg. Das Wirtschaftsforum gehört fest in unser Jahresprogramm."

In diesem Jahr trafen sich Fricktaler Entscheidungsträger aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft im Forschungszentrum der Syngenta in Stein.

Dort stand im Auditorium das Thema Digitalisierung auf der Agenda. Regula Ruetz, Direktorin von Metrobasel, warf zu Beginn ihres Vortrags die Frage auf, was die Arbeitswelt 4.0 für die einzelnen Branchen bedeutet und welche Fähigkeiten von den Arbeitnehmern gefordert sein werden, "wenn innert kurzer Zeit Maschinen, Roboter und IT-Programme große Fortschritte machen und immer neue Domänen erobern werden". So verrichteten derzeit 71 Prozent der Menschen, die Arbeit die derzeit auf dem Planeten anfalle. Im Jahr 2023, so Ruetz, werden es jedoch nur noch 50 Prozent sein.

Ruetz geht davon aus, dass mittelfristig Personen mit einem hohen Bildungsgrad und guten IT-Kenntnissen bessere Berufsaussichten haben, als Personen mit mittlerem Bildungsniveau, die Routine-Arbeiten ausführen. Dazu zählt sie beispielsweise Industriearbeiter, Kassierer und Reinigungskräfte aber auch Buchhalter, Steuerberater, Versicherer Bankangestellte und Chauffeure laufen Gefahr, dass ihre Tätigkeit der "Computerisierung" zum Opfer fällt. Auch für Ärzte könne durch die Weiterentwicklung der künstlichen Intelligenz der Tag kommen, an dem chirurgische Eingriffe von einem Roboter gemacht werden.

"Im Gegensatz dazu werden Tätigkeitsbereiche, in denen es auf die menschliche Interaktion ankommt, aufgewertet werden", sagt Ruetz. Darunter falle beispielsweise der Pflegebereich, die Kinderbetreuung, das Schulwesen oder auch die Jurisprudenz. "Berufe, in denen es auf nicht lineares Denken und Originalität ankommt, haben gute Zukunftsaussichten", so Ruetz. Dazu gehören Künstler, Ingenieure, Journalisten und Führungskräfte, die für Unternehmen Entscheidungen treffen.

Weil pro Jahr in der Schweiz rund 25 000 neue Stellen vorwiegend durch die Digitalisierung geschaffen werden, entstehen laut Ruetz nicht nur Nachteile, sondern auch Chancen, die genutzt werden müssen, um auf die anstehende digitale Durchdringung vorbereitet zu sein. "Das bedingt Investitionen in digitale Infrastrukturen, ein leistungsfähiges WLAN und vor allem genügend Computer in den Schulen", sagt sie. Daneben müssen außerdem auch mehr finanzielle Mittel für IT-Bildungsfächer an Schulen bereitgestellt werden.

Gefordert seien jedoch nicht nur Bund und Kantone, sondern auch Unternehmen, die ihre Angestellten frühzeitig umschulen und weiterbilden müssen, "wenn sie auch in Zukunft über die geeigneten Fachkräfte verfügen wollen", so Ruetz. Weiter brauche es auch Investitionskapital für KMUs, damit auch diese ihre Prozesse digitalisieren und anpassen können und so weiter wettbewerbsfähig bleiben.