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06. April 2013

Blick ins Elsass

Ein Klinik-Kauf und ein Kahn mit ungewisser Zukunft

BLICK INS ELSASS: Diakonissen-Krankenhaus wurde verkauft / Veranstaltungshalle Zénith verlängert Vertrag mit Betreiber / Viele Skifahrer in den Vogesen.

  1. Louis Pasteur 99 Jahre altes Dampfschiff, das in Rheinau verschrottet wird Foto: Hermann Kiefer

STRASSBURG (bri). Es ist nur ein Katzensprung von der Ortenau über den Rhein ins Elsass und in die quirlige Europastadt Straßburg. Was sich jenseits des Stroms so alles tut, das beleuchtet auch heute wieder unser wöchentlicher "Blick ins Elsass"

INSTITUT KAUFT ALTE KLINIK

Die IRCAD, das renommierte Straßburger Forschungsinstitut gegen Darmkrebs, wird das Diakonissen-Krankenhaus im Bereich des ehemaligen historischen Krankenhauskomplexes in unmittelbarer Nachbarschaft zum neuen Hôpital Civil erwerben. Eine Entscheidung, die in der Europastadt deshalb mit Spannung erwartet wurde, weil der Verkauf eine der letzten Hürden war, die vor dem Neubau des Klinikverbundes im Port-du-Rhin-Viertel, zu nehmen war. Wenn alles gut läuft, könnte dort in einem Jahr mit dem Bau der Tamaris-Klinik begonnen werden, in welche dann Ende 2016 die Mitarbeiter der Kliniken Adassa, Diaconat und Sainte Odile einziehen würden. Auf rund 30 000 Quadratmetern Nutzfläche sollen dort die Schwerpunkte der drei Kliniken vereint werden. Jetzt wartet der Klinikzusammenschluss noch auf Zuschüsse des französischen Staates – dann kann der Verbund zinsgünstige Darlehen bekommen. Ein Teil des Neubaus wird mit den Verkaufserlösen aus den drei bestehenden Krankenhausgebäuden finanziert – zu welchen Preisen die drei Immobilien den Besitzer gewechselt haben, bleibt geheim. Der IRCAD stehen in dem Diakonissen-Krankenhaus, voraussichtlich von 2017 an, 13000 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung. Was genau die IRCAD im Diakonissen-Krankenhaus unterbringen wird, ist noch ungewiss.

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TEURE KONZERTE

Fünf Jahre ist es her, seit die große Straßburger Veranstaltungshalle Zénith mit ihren 12 000 Plätzen ihre Tore geöffnet hat. Seither wurden rund 1,6 Millionen Besucher gezählt, also etwa 350 000 pro Jahr. Als die knallorangene Halle 2005 von der Stadtgemeinschaft Straßburg (CUS) geplant wurde, strebte man rund 400 0000 zahlende Gäste jährlich an. Obwohl dieses Ziel nicht ganz erreicht wurde, hat die CUS den Vertrag mit der Betreiberfirma Véga im Januar um sechs Jahre verlängert. Schließlich kostet die Eintrittskarte bei einer Veranstaltung im Zénith im Durchschnitt 40 Euro – eine Summe, die in Krisenzeiten nicht jeder aufbringen kann. Zum anderen verweist der Betreiber auf die starke Konkurrenz mit anderen Veranstaltungsorten im Elsass und der badischen Rheinseite. Rund 60 Prozent der Zénith-Besucher kommen aus der CUS, die übrigen aus den Nachbar-Départements und aus Deutschland. Dennoch sind die Deutschen im Zénith weniger zahlreich als ursprünglich erwartet – es sei denn, es stehen Gruppen wie Rammstein auf der Bühne. Auch bei Stars wie Justin Bieber oder Radiohead scheint die Grenze kaum eine Rolle zu spielen.

KAHN MIT ZUKUNFT?

Die großen weißen Hinweisschilder führen noch an den Kai in der Rue Général-Picquart, doch an der Anlegestelle findet sich nichts mehr außer einem weiteren Schild und der großen Schiffsschraube aus Messing, die einst den Eingangsbereich vor dem Schifffahrtsmuseum Naviscope markierte. Bereits 2010 wurde das Museum geschlossen – das Schicksal der beiden Schiffe war danach lange ungewiss. Verschiedene Möglichkeiten wurden erwogen – es war daran gedacht die "Le Strasbourg" zu einer Touristen-Information in Gambsheim umzufunktionieren. Doch nun bleibt das Schiff, ein 1966 erbauter Schiebekahn, in der Europastadt und soll nach eingehender Überholung des Rumpfes in Freistett am Quai des Belges als Restaurantschiff vor Anker gehen. "Le Pasteur" indes, das zweite Schiff, sollte eigentlich in den Niederlanden restauriert werden und später für Touristen zur Verfügung stehen. Um die lange Reise des 1914 in Linz erbauten Kahns zu ermöglichen, musste der Denkmalschutz aufgehoben werden. Doch da der dampfbetriebene Schiebekahn seit 1994 in Straßburg vor Anker lag und seither nicht mehr bewegt wurde, schaffte er die Reise nur bis Rheinau. In der dortigen Schiffswerft Karcher liegt sie nun vor Anker und wartet auf ihr weiteres Schicksal. Statt nach Holland könnte sie dieses in die Schrottpresse führen.
SKI HEIL IN DEN VOGESEN

Hoch zufrieden zeigen sich die Tourismusverantwortlichen in den meisten Wintersportorten der Vogesen: Die Saison 2012/2013 sei die beste der letzten zehn Jahren gewesen, hieß es bei einer Zusammenkunft der zum Vogesen-Massiv zählenden Gemeinden, bei der es um die Erarbeitung einer gemeinsamen Tourismus-Strategie ging. Die Zahl der Alpin-Sportler in der an Ostern zu Ende gegangenen Saison schätzten die Beteiligten auf 900 000, den Umsatz auf rund 15 Millionen Euro. Vor allem die kleinen Stationen haben vom langen und kalten Winter profitiert: Sie konnten die Zahl der Ski-Tage um 30 bis 80 Prozent steigern und ihren Umsatz um 40 bis 90 Prozent verbessern. Größere Stationen, die über Schneekanonen verfügen, brachten es auf Umsatzzuwächse zwischen zehn und 16 Prozent.

EUROPAHAUS ZU KLEIN

Seit mehreren Jahren bemüht sich Straßburg um ein Informationszentrum zum Thema Europa. Dafür wird die Villa Kayersguet am Eingang der Robertsau derzeit umgebaut und renoviert. Ein Projekt, das den Straßburger Generalrat Yves Le Tallec aus verschiedenen Gründen verärgert, wie er in der Straßburger Tageszeitung Dernières Nouvelles d"Alsace kund tut: Während das in Brüssel im Oktober 2011 eingerichtete 5400 Quadratmeter große Besucherzentrum komplett vom Parlament bezahlt worden sei, müsse Straßburg sein Europazentrum selber finanzieren. Außerdem sei es mit einer Nutzfläche von nur rund 150 Quadratmetern viel zu klein. Nur 50 Personen könnten sich gleichzeitig darin aufhalten, schon beim Besuch von zwei Schulklassen werde es eng. Um die Rolle als Europastadt spielen zu können, hätte Straßburg ein ambitionierteres Projekt verdient, urteilt Yves Le Tallec.

Autor: bri