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22. Mai 2012 19:37 Uhr

Denkmalschutz

Platz da – Schweizer verschieben Industriebau in Zürich

Um Platz für den Bau neuer Gleise im Bahnhof von Zürich-Oerlikon zu schaffen, wurde am Dienstag mit dem Umzug eines 6200 Tonnen schweren Backsteinbaus aus dem Jahr 1889 begonnen. 60 Meter soll das Gebäude insgesamt zurücklegen.

  1. Das Gebäude wird vor dem Abriss gerettet. Foto: Swiss Prime Site AG

Das Gebäude ist einer der letzten verbliebenen Industriebauten in Zürich, der an die glorreiche Zeit der Maschinenbauer in der Limmatstadt erinnern. Das Gebäude wurde als Verwaltungs- und Direktionsgebäude für die Maschinenfabrik Oerlikon (MFO) errichtet, die zu den Pionieren der Geschichte der Eisenbahnen und der Elektrizität gehörten und aus der später so wichtige Unternehmen wie BBC (heute ABB) und Oerlikon-Bührle hervorgingen. Bis 17 Uhr schafften die Bauarbeiter 20 Meter, am Mittwoch soll die Verschiebung um 60 Meter abgeschlossen sein.



Vorbereitende wurde in Etappen in das Kellergeschoss des Gebäudes Stahlträger eingezogen, dann ein neuer Betonsockel gegossen. Drei Betonriegel in Längsrichtung fungieren als eine Art Kufen, an denen Stahlträger befestigt sind, die wiederum auf Rollen und Schienen liegen. Hydraulische Pressen schieben das 6200 Tonnen schwere Gebäude voran. Die maximale Ausdehnung der Pressen liegt bei 60 Zentimetern, dann müssen sie jeweils ummontiert und neu ausgerichtet werden. Denn das Haus wird nicht einfach in Etappen geradeaus wandern, sondern in schräger Richtung und leicht bergauf.

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Lange Zeit sah es so aus, als müsse das geschichtsträchtige und ortsbildprägende Gebäude im Züricher Norden für den Bahnausbau abgerissen werden. Denn in Zürich wird derzeit die sogenannte Durchmesserlinie gebaut, die den Kopfbahnhof im Zentrum im rechten Winkel unterquert. Für diesen Ausbau werden im Bahnhof Oerlikon zwei zusätzliche Gleise benötigt. Just dort aber steht die alte Firmenzentrale der MFO, in der sich heute das bekannte Restaurant "Gleis 9" befindet. Seit den 60er Jahren gehört das Haus dem Elektrokonzern ABB.

Damit die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) das Grundstück bebauen können, wurde ABB enteignet. Fortan stritten sich ABB und SBB zum einen über die dafür fällige Entschädigung sowie über die Frage, was mit dem Haus passieren soll. Das benachbarte Immobilienunternehmen SPS bot an, das nicht unter Denkmalschutz stehende Haus zu übernehmen und es um gut 60 Meter auf ihr Grundstück zu verschieben. SPS übernimmt den Großteil der Kosten für die Verschiebung.

ABB wollte zunächst die grundsätzliche Frage der Entschädigung geklärt sehen und verweigerte die Zustimmung zur Verschiebung. Die SBB bestand darauf, dass das Grundstück bis Ende Mai geräumt übergeben werden müsse. Als der Abbruch unvermeidlich schien, sammelten Bürger Unterschriften und drängten bei ABB und SBB auf eine Verständigung. Wie diese genau aussieht, darüber haben die Parteien Stillschweigen vereinbart.

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Autor: Franz Schmider