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13. Juni 2012 12:24 Uhr

Priester-Memorandum

Pfarrer Bernhard Pfaff: "Wir handeln nach unserem Gewissen"

Der Streit um wiederverheiratete Geschiedene in der katholischen Kirche hält an. Bernhard Pfaff, Pfarrer aus Hohberg-Niederschopfheim, unterstützt das Freiburger Memorandum. Warum, rechtfertigt er in einem Gastbeitrag.

  1. Pfarrer Bernhard Pfaff. Foto: Renate Tebbel

Bei der Frage der Zulassung von wiederverheiratet Geschiedenen zu den Sakramenten interessiert mich zuerst, wie Jesus mit Menschen umgegangen ist, die eine schwierige Lebensgeschichte hatten. Er war ganz bewusst immer wieder mit Menschen zusammen, die von den religiösen Autoritäten als "öffentliche Sünder" bezeichnet wurden, ja er hat sogar provokativ mit ihnen Mahl gehalten. Dies hat für die Juden der damaligen Zeit bedeutet: "Ich nehme dich an. Du gehörst zu mir. Ich gehöre zu dir." Diese "Sündermahlzeiten" brachten Jesus das Schimpfwort: "Fresser und Säufer, Freund der Zöllner und Sünder" ein (Lk 7,34). Jesus selbst sagt: "Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Denn ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten." (Mt 9,12-13)

Weil Jesus gegen die religiösen Autoritäten diese Barmherzigkeit Gottes gepredigt und praktisch gelebt hat, brachte er das religiöse System, diesen sturen und unmenschlichen Machtapparat ins Wanken. In dieser Frage der Barmherzigkeit Gottes gab es offensichtlich für Jesus keinen Kompromiss. Schon bald hatten diese religiösen Führer den Plan, Jesus zu beseitigen. Wir wissen, dass es ihnen gelang.

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Ausschluss ist nicht im Sinne von Jesus

Wenn wir das bedenken, dann ist ein Ausschluss wiederverheiratet Geschiedener von den Sakramenten zwar im Sinne des momentanen Kirchenrechtes, aber nicht im Sinne von Jesus. Dazu kommt noch, dass diese Menschen ja in den allermeisten Fällen wieder in einer guten geordneten Ehe leben. Viele von ihnen sind wertvolle Mitarbeiter in unseren Pfarrgemeinden. Vom Kirchenrecht aber werden sie im zentralen Gottesdienst der Christen von der Kommunion ausgeschlossen. Das ist unchristlich. Wenn wir bei allen Gottesdienstteilnehmern solche Maßstäbe anlegen würden, wären unsere Gottesdienstgemeinden sehr klein und in nicht wenigen dürfte auch der Priester keine Messe mehr feiern.

Was heute in dem Memorandum gesagt wird, hat die Würzburger Synode 1975 gefordert. Drei so angesehene Bischöfe wie Oskar Saier (Fachmann in Kirchenrecht), Karl Lehmann (damals Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz) und Walter Kasper (der spätere Kurienkardinal) haben in einem Hirtenbrief schon 1993 für einen neuen Umgang mit den Wiederverheirateten plädiert. Es wären noch viele Initiativen zu nennen, auch von anderen Bischöfen.

Es geschieht einfach nichts

Seit dem letzten Konzil fordern die Basis und auch Bischöfe von Rom eine Änderung. Aber weil einfach nichts geschieht, sagen viele Seelsorger: "Jetzt ist genug geredet, wir handeln nach unserem Gewissen." Ich verstehe es und freue mich darüber wegen der Menschen. Jesus ist ein wichtigerer Maßstab als das Kirchenrecht.

Im Moment haben 177 Priester und Diakone den Text "Wiederverheiratet Geschiedene in unserer Kirche" unterschrieben. Der Generalvikar erkennt das Anliegen an, bittet darum, nicht zu unterschreiben, beziehungsweise die Unterschrift zurückzuziehen, weil der Aufruf "bewusst generalisierend und undifferenziert" sei. Aber in dem Text ist Bezug genommen auf die Initiative der Bischöfe Saier, Lehmann und Kasper und das Buch von Professor Schockenhoff. Darin erkenne ich weder etwas Generalisierendes noch Undifferenziertes.

Interessant ist, dass ein verwitweter aktiver Christ, dessen Frau wiederverheiratet Geschiedene ist und der sich in seinem Fall an das Ordinariat wandte, sich von dort sehr generalisierend und undifferenziert behandelt fühlte.
Der Autor

Bernhard Pfaff ist Pfarrer in St. Brigitta, Hohberg-Niederschopfheim, zuvor war er 21 Jahre lang Regionaldekan in der Ortenau.

Die Redaktion hatte sich auch um einen Autor für die Gegenposition, also gegen das Memorandum, bemüht. Leider war aus Zeit-, Urlaubs- und sonstigen Gründen niemand dazu bereit.

Mehr zum Thema:

Autor: Bernhard Pfaff


13 Kommentare

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Kai Fischer  

Kai Fischer

Registriert seit: 17.09.2009

Kommentare: 1187

13. Juni 2012 - 12:48 Uhr

"Im Moment haben 177 Priester und Diakone [...] unterschrieben."

Aktuell sind es schon 183, zwei haben ihre Unterschrift zurückgezogen.
Die Bemühungen des Generalvikars geraten offensichtlich zum Rohrkrepierer.
http://www.memorandum-priester-und-diakone-freiburg.de/?page_id=282

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Michael Klug

Registriert seit: 10.11.2009

Kommentare: 454

13. Juni 2012 - 13:10 Uhr

Herr Fischer es ist doch immer wieder schön festzustellen wie sehr Sie sich hier als Atheist bei jedem Bericht zum Thema Kirche hier engagieren! Im übrigen haben nicht 183 Priester und Diakone unterschrieben sondern auch Laien (63 Priester und Laien) und ein großer Teil der Herren ist bereits im Ruhestand. Auch dies ist bezeichnend für die Qualität des sog. Memorandums und deren Unterstützer.

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Gelöschter Nutzer #804452

Registriert seit: 14.03.2011

Kommentare: 866

13. Juni 2012 - 13:15 Uhr

wobei wir wieder beim Thema sind :-)

http://wortwunder.blog.de/2011/02/25/gott-verbunden-darf-mensch-trennen-10688677/

Auszug:
Evangelium: Mk 10, 1-12

Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Markus

In Jener Zeit
1 kam Jesus nach Judäa und in das Gebiet jenseits des Jordan. Wieder versammelten sich viele Leute bei ihm, und er lehrte sie, wie er es gewohnt war.
2 Da kamen Pharisäer zu ihm und fragten: Darf ein Mann seine Frau aus der Ehe entlassen? Damit wollten sie ihm eine Falle stellen.
3 Er antwortete ihnen: Was hat euch Mose vorgeschrieben?
4 Sie sagten: Mose hat erlaubt, eine Scheidungsurkunde auszustellen und die Frau aus der Ehe zu entlassen.
5 Jesus entgegnete ihnen: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er euch dieses Gebot gegeben.
6 Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen.
7 Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen,
8 und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins.
9 Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.
10 Zu Hause befragten ihn die Jünger noch einmal darüber.
11 Er antwortete ihnen: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch.
12 Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet.

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Kai Fischer  

Kai Fischer

Registriert seit: 17.09.2009

Kommentare: 1187

13. Juni 2012 - 13:17 Uhr

Herr Klug,
erstens bin ich kein Atheist im engeren Sinn,
zweitens bin ich mit meinen Kommentaren (im Vergleich zu anderen) sehr zurückhaltend,
und drittens empfinde ich Religion und Kirche schon immer als hochspannende Themen: philosophisch, psychologisch, soziologisch, historisch, kulturell.....
Es lohnt sich immer, sich darüber Gedanken zu machen.

(Wieso sollte ich mich als inzwischen kirchenferner Mensch nicht damit befassen dürfen? Kriminalstatistiken z.B. sind ja auch nicht nur für Verbrecher interessant ;-) )

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Roman Weingardt  

Roman Weingardt

Registriert seit: 02.12.2010

Kommentare: 3198

13. Juni 2012 - 13:29 Uhr

Desweiteren würde mich interessieren an was Sie, sehr geehrter Herr Klug, eigentlich mehr glauben. An Gott oder an die Hierachien und Dogmen der kath. Kirche.

Friede sei mit Ihnen

Roman Weingardt

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Kai Fischer  

Kai Fischer

Registriert seit: 17.09.2009

Kommentare: 1187

13. Juni 2012 - 13:36 Uhr

Herr Huber,
ein kleiner Tipp: Der Link hätte genügt. Sie müssen dann nicht noch einmal den kompletten Inhalt der verlinkten Seite hierher kopieren.

Was das Bibelzitat betrifft:
Es ist sicherlich nicht verwerflich, im Jahr 2012 über die heutige Relevanz gesellschaftlicher Diskussionen von vor 2000 Jahren nachzusinnen.
Ebenso legitim ist es, die Authentizität von Zitaten zur Debatte zu stellen, deren Überlieferung umstritten ist.
Kurz gesagt:
Sie können gerne die Bibel anführen. Aber ob sie von Ihren Mitdiskutanten als Argument akzeptiert wird, hängt vom jeweiligen Gegenüber ab. Universalgültigkeit jedenfalls kann das Buch nicht mehr für sich beanspruchen.

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Gelöschter Nutzer #804452

Registriert seit: 14.03.2011

Kommentare: 866

13. Juni 2012 - 13:46 Uhr

@ Herr Fischer
>>"den kompletten Inhalt der verlinkten Seite hierher kopieren....."

Serverplatz ist heutzutage nicht mehr so teuer :-)

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Martin Rotzinger

Registriert seit: 19.11.2010

Kommentare: 616

13. Juni 2012 - 15:22 Uhr

ungeachtet einer ausserimaginären Existenz Gottes/Jesus, so würde letzterer heute in der Kirche kehren wie damals im Tempel

mfg

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Roman Weingardt  

Roman Weingardt

Registriert seit: 02.12.2010

Kommentare: 3198

13. Juni 2012 - 15:59 Uhr

@ Martin Rotzinger

Wo Sie Recht haben, haben Sie recht!

Da würden manche ganz schön blöd aus dem Talar schauen!

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Volker Morstadt

Registriert seit: 10.08.2009

Kommentare: 430

13. Juni 2012 - 16:35 Uhr

Pfr Pfaff: "Jesus ist ein wichtigerer Maßstab als das Kirchenrecht." Genau das ist des Pudels Kern. Solange Rom das nicht einsieht, gibt es keine innerrömische Ruhe mehr.

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Gelöschter Nutzer #804452

Registriert seit: 14.03.2011

Kommentare: 866

13. Juni 2012 - 16:57 Uhr

@ Herr Morstadt
>>"Pfr Pfaff: "Jesus ist ein wichtigerer Maßstab als das Kirchenrecht..."

meine Rede, desshalb darf man diesen Massstab nicht nach Gutdünken auslegen.
nochmal:
http://wortwunder.blog.de/2011/02/25/gott-verbunden-darf-mensch-trennen-10688677/

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Hartmut König

Registriert seit: 03.06.2009

Kommentare: 128

13. Juni 2012 - 17:23 Uhr

Und was macht der Pabst, gibt dem geschiedenen und wiederverheirateten Seehofer die Hostie

siehe
http://www.donaukurier.de/lokales/ingolstadt/Ingolstadt-Kommunion-trotz-Scheidung;art599,2616792

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Heiner Dubois

Registriert seit: 04.08.2011

Kommentare: 189

13. Juni 2012 - 21:29 Uhr

Herr Klug. Sie können sicher die Laien, die eine Unterschrift geleistet haben auch benennen.
Ich weiß auch nicht, wie Sie zu den Zahlen kommen. Nach meiner vorsichtigen Zählung (Gymnasialprofessoren, Diözesancaritasdirektoren u.ä.) habe ich von den 188 Unterzeichnern mindestens 148 Priester gezählt. Und Herr Klug, wenn Sie wirklich so aktiv in der Kirche sind, wie Sie hier den Anschein erwecken, dann wüßten Sie, daß Pfarrer im Ruhestand noch häufig sehr aktiv in der Seelsorge sind als Subsidiare in den Seelsorgeeinheiten. Also sehr wohl sich mit der strittigen Frage auseinandersetzen müssen. Genauso wie auch die Diakone. Sie könnten ja dann, wenn Sie die Laien auf der Liste identifiziert haben einen Blick in den Personalschematismus der Erzdiözese werfen. Vielleicht ist Ihnen bei Ihrem Vorwurf ja doch ein kleiner Fehler unterlaufen.

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