Freiburger Verein sucht Alternativen zum Ordoliberalismus

Klaus Riexinger

Von Klaus Riexinger

So, 09. September 2018

Freiburg

Der Sonntag In der Auftaktveranstaltung stellen die Ökonomen Heiner Flassbeck und Paul Steinhardt ihre These zur gescheiterten Globalisierung vor.

In Freiburg hat sich vor kurzem der Verein Freiburger Diskurse gegründet. Sein Ziel: mit gegensätzlichen Meinungen in Fragen der Wirtschaft die Demokratie stärken. "Mein Antrieb ist eine gerechte Gesellschaft", sagt Initiator und Unternehmer Heinrich Röder.

"Die Globalisierung war eine wunderbare Idee. Doch nach der großen Krise, nach Trump und Brexit ist das Projekt gescheitert", schreiben Heiner Flassbeck und Paul Steinhardt in ihrem Buch "Gescheiterte Globalisierung". Mit der Globalisierung sehen die beiden Autoren auch die liberale Wirtschaftstheorie am Ende ihrer Erklärungskraft. Mit ihr sei die Dynamik der Marktwirtschaft nicht zu verstehen.

Der Ökonom Flassbeck war zu Beginn der rot-grünen Koalition Staatssekretär im Bundesfinanzministerium und später Chefvolkswirt bei den Vereinten Nationen. Paul Steinhardt war in verschiedenen Führungspositionen in Banken tätig. Kommenden Donnerstag stellen die Autoren ihre Thesen in Freiburg vor – auf Einladung des Vereins Freiburger Diskurse, der die ordoliberale Denkrichtung als zu dominant empfindet und andere Sichtweisen zu Wort kommen lassen will. Der Ordoliberalismus sieht den Staat als Hüter des marktwirtschaftlichen Wettbewerbs und Garant für die Freiheit des Bürgers auf dem Markt.

Der Solarpark- und Windkraftmanagement-Unternehmer Heinrich Röder will ökonomische Grundsätze hinterfragen. Zum Beispiel das kritiklose Bejubeln von Deutschlands Position als Exportweltmeister oder die angebliche Alternativlosigkeit zum Abbau der Staatsschulden.

Gegründet hat sich der Verein erst vor wenigen Wochen. Den Anstoß dazu hat Röder gegeben. "Ich hatte schon immer großes Interesse an ökonomischen Fragen", sagt der gebürtige Kölner. Die Idee entstand spontan bei einer Versammlung, deren Gäste dann prompt zu den ersten Vereinsmitgliedern wurden. Die erste Veranstaltung stand schnell fest. Röder kennt den Buchautor Steinhardt von einem gemeinsamen Windkraftprojekt und fragte ihn. Steinhardt und Flassbeck sagten zu. Weitere Veranstaltungen sind in Planung. Letztendlich will der Verein die Demokratie durch Diskurse im direkten Austausch stärken. Trotz sozialer Medien ist für die Vereinsmitglieder die persönliche Begegnung ein tragendes Element der Demokratie.

Professionelles Auftreten

Röder legt großen Wert auf ein professionelles Erscheinungsbild, für das er tief in seine private Schatulle gegriffen hat. Ob die Vortragsreihe in dem dichten Vortragskalender der Stadt ihren Platz findet, wird sich zeigen. "Wir werden sehen, ob wir eine Lücke füllen", sagt er und ist dabei ziemlich gelassen. 450 persönliche Einladungen hat der Verein verschickt. Der Vortrag ist aber offen für alle Interessierte. Bleibt die Frage, warum sich ein Unternehmer der erneuerbaren Energien nicht mit der Energiewende oder dem Klimawandel beschäftigt. "Ich habe das Gefühl, dass mein Unternehmen läuft", sagt Röder. Da könne er nicht mehr tun. Also widmet sich der studierte Germanist und Philosoph der Ökonomie.

Klaus Riexinger
Gescheiterte Globalisierung, Vortrag von Heiner Flassbeck und Paul Steinhardt, Donnerstag, 13. September, 19 Uhr, Uni Freiburg, KG II, HS 2006, freier Eintritt