Jobmotor

Der Autozulieferer Johnson Controls in Neuenburg

Bernd Kramer

Von Bernd Kramer

Fr, 19. März 2010 um 18:17 Uhr

Wirtschaft (regional)

Der Wirtschaftskrise zum Trotz haben südbadische Unternehmen auch 2009 zahlreiche Arbeitsplätze geschaffen. Wer schnitt dabei am besten ab?

"Das ist wie ein Sechser im Lotto", hatte Neuenburgs Bürgermeister Joachim Schuster vor mehr als zweieinhalb Jahren gesagt. Damals gab das Stadtoberhaupt bekannt, dass sich mit Johnson Controls ein global tätiger US-Autozulieferer im örtlichen Industriegebiet ansiedeln und gleich mehrere hundert Arbeitsplätze schaffen wolle. Ein Ereignis mit Seltenheitswert: Millioneninvestitionen von multinationalen Unternehmen sind in Deutschland rar geworden – insbesondere was das verarbeitende Gewerbe betrifft. In der Regel errichten die Konzerne neue Fertigungen in Osteuropa oder Asien, Sie rechnen dort in den nächsten Jahren mit hohem Wachstum.

Neuenburg hatte allerdings einen Trumpf: Die Stadt liegt nur wenige Kilometer von der französischen Grenze entfernt. Auf der anderen Seite des Rheins baut der französische Konzern PSA (Peugeot, Citroën) schon seit Jahren Autos. Johnson Controls wollte dafür Sitze liefern und suchte einen Platz für ein Werk. Da die Autokonzerne ihre Zulieferer gerne vor der Haustür haben, stach die Markgräfler Karte. Inzwischen wird in Neuenburg schon fleißig gearbeitet. Rund 400 Arbeitnehmer inklusive Leiharbeiter produzieren Sitzsysteme, die wenig später in Sochaux in PSA-Modelle eingebaut werden. 900 solcher Sitzgarnituren verlassen pro Tag das Werk.

Weitere Jobs möglich

Stündlich rollt ein Lkw vom Werksgelände nach Frankreich. Werkleiter Thierry Tran und Ralf Link, der bei Johnson Controls für das Geschäft mit dem französischen Automobilkunden PSA verantwortlich ist, wollen jedoch noch mehr Sitzreihen produzieren. Geplant ist, dass Johnson Controls Neuenburg auch für das PSA-Werk in Mulhouse zuliefert. So erwarten Tran und Link, dass noch weitere Jobs nach Neuenburg kommen. Vorausgesetzt die Autokonjunktur zieht mit. Diese hatte zuletzt die Pläne etwas durcheinandergebracht: Wegen der Krise stieg die Zahl der Jobs nicht so schnell wie geplant.

Hinter dem deutsch-französischen Duo liegt Pionierarbeit. Ein komplettes Werk musste in wenigen Monaten aus dem Boden gestampft werden. Nicht weniger anspruchsvoll war die Aufgabe, eine Mannschaft zu finden. Mit tatkräftiger Unterstützung der örtlichen Arbeitsagentur gelang das Vorhaben. Allein 2009 wurden 330 Leute eingestellt. Von den in der Produktion Beschäftigten in Neuenburg waren 90 Prozent zuvor als arbeitslos gemeldet, die Belegschaft setzt sich aus 40 Nationalitäten zusammen.

Befristete Verträge – ein Manko

"Wir sind, was die Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden angeht, sehr zufrieden", sagen Tran und Link. Der örtliche IG-Metall-Gewerkschaftssekretär Thomas Bittner hebt hervor, dass bei Johnson Controls nach Tarifvertrag bezahlt wird. Manko für ihn: Bislang gebe es nur für 49 Leute Festanstellungsverträge, das Gros der Arbeitsverhältnisse sei befristet. Er erwartet, dass sich dies bald ändern wird.

Die Befürchtung, dass Johnson Controls nur vorübergehend Station im Markgräflerland macht und bei der nächsten Krise wieder seine Pforten schließt, haben Link und Tran nicht. Das Unternehmen hat bereits mehr als 20 Millionen Euro investiert. "Wenn alle mitspielen, kann dieses Werk zu einem Beispiel für gute deutsch-französische Zusammenarbeit werden."

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