Wälder sollen robuster werden

Bernd Peters

Von Bernd Peters

So, 16. Dezember 2018

Wirtschaft (regional)

Der Sonntag Hitzesommer 2018 setzt Bauern und Forst weiter zu.

Ein trauriger Trend setzt sich fort: Auch im Wirtschaftsjahr 2017/18 waren Badens Bauern im bundesweiten Vergleich das Schlusslicht in Sachen Verdienst: Pro Betrieb habe das Ergebnis auf den Höfen im Schnitt bei 54 400 Euro gelegen, sagte Werner Räpple vom Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband BLHV am Freitag in Reute. "Für viele junge Menschen bietet der Beruf keine Perspektive mehr, und sie steigen aus der Nachfolge der Höfe aus." Der Ökolandbau sei mit einem Ergebnis von rund 85 600 Euro je Hof zuletzt deutlich bessergestellt gewesen, berichtete der BLHV-Präsident weiter. Generell gelte: Der Strukturwandel in der Landwirtschaft hin zu immer weniger immer größeren Betrieben gehe weiter. Konkrete Zahlen nannte Räpple hier jedoch nicht.

Auch die Aussichten sind laut Räpple trübe: Im kommenden Jahr ist mit steigenden Futtermittelpreisen als Folge des Dürresommers und mit sinkenden Auszahlungspreisen in der Milchwirtschaft zu rechnen. Von der EU forderte Räpple verlässliche und gerechte Rahmenbedingungen: Selbst bei einer guten Obsternte wie diesen Sommer seien die heimischen Landwirte gegenüber der Konkurrenz teilweise im Nachteil, weil ausländische Erzeuger Pflanzenschutzmittel einsetzen dürften, die bei uns verboten sind und so zu einem Nachteil am Markt führten.

Auch in der Forstwirtschaft wird der Dürresommer noch für mehrere Jahre wirtschaftlich zu spüren sein, sagte der südbadische Forstpräsident Meinrad Joos: Der Markt sei zurzeit mit rund drei Millionen Kubikmeter Sturmholz und Holz mit Schädlingsbefall überschwemmt. Im Staatswald im Land habe man daher einen Einschlagstopp verhängt, um den Markt abkühlen zu lassen. Insgesamt fürchte man im Forst dennoch dürre Jahre: Der stürmische Jahresauftakt und der trockene, heiße Sommer haben für ideale Bedingungen für den Borkenkäfer gesorgt. Eine ähnliche Situation habe man zum letzten Mal im Hitzejahr 2003 erlebt. Damals habe der Borkenkäferbefall für drei Folgejahre ein großes Problem für die Waldbesitzer bedeutet. Umso wichtiger sei es, befallene Bäume so schnell wie möglich zu fällen und aus dem Wald wegzuschaffen. Ein befallener Baum kann im Laufe eines Jahres bis zu 8 000 weitere Bäume schädigen, da die Käfer sich in bis zu vier Generationen sprunghaft vermehren können. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sei jedoch nur das letzte mögliche Mittel, sagte der Forstpräsident. Stattdessen sei der Umbau des Waldes hin zu robusteren Mischwäldern voranzutreiben.

Joos zog auch eine ernüchternde Bilanz des 2008 aufgelegten "Aktionsplans Auerhuhn" im Schwarzwald: Trotz Schutzmaßnahmen ist die Zahl der scheuen Waldvögel 2008 von rund 600 auf etwa 400 zurückgegangen. Das Ziel des Aktionsplans, die Population der Vögel wachsen zu lassen oder auch nur den Bestand zu erhalten, ist nicht verwirklicht worden. Ein großes Problem, so Joos, sei der Klimawandel, der den Bestand mittelfristig zu vernichten drohe: "Das Auerhuhn braucht lange und kalte Winter, um überleben zu können." Diese Bedingungen finde es in der Region immer seltener vor. Dazu kämen Störfaktoren wie der Mensch als Stressfaktor, aber auch Raubtiere und ein schrumpfender Genpool in den Auerhuhnwäldern. Dennoch wolle man nicht aufgeben, so Joos: Mit der Aktion "Lücken für Küken" sollen neue Bruträume für die Vögel in den Hochlagen des Schwarzwalds geschaffen werden.Bernd Peters