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31. März 2009
Die Geschichte der Zensur
NETZWELT: Auch Götter wurden verboten
Nach dem Massaker von Winnenden wurde wieder einmal eine dieser seltsamen Zensurdebatten geführt. Statt sich darauf zu konzentrieren, das zu verbieten, was sicher getötet hat – eine großkalibrige Beretta mit 223 Schuss Munition –, streitet man sich lieber um das, was vielleicht beim Heraufbeschwören des Tötungswunsches eine gewisse Rolle gespielt haben könnte – ein Computerspiel. Während ein generelles Verbot der über acht Millionen Gewehre und Pistolen, die die Deutschen legal zu Hause haben, das Land zweifellos sicherer machen würde, weiß man bei der Zensur eigentlich gar nicht so recht, wie sie sich in Bezug auf auf eine Erhöhung der Sicherheit überhaupt verhält. Was das Verbot von Computerspielen angeht, behauptete der Kunsthistoriker und Soziologe Roland Seim jüngst in einem Interview, dass der Index zensierter Spiele von Minderjährigen geradezu als Einkaufsliste genutzt und eine Indizierung von vielen Fans gewissermaßen als "Auszeichnung" und "Kaufempfehlung" interpretiert werde.
Als Zensurforscher hat sich Seim intensiv mit diesem Thema beschäftigt und dazu gemeinsam mit Daniel Bettermann das Deutsche Zensurmuseum gegründet. In diesem Museum kann man erkunden, was denn eigentlich im Lauf der Geschichte zensiert, verboten oder geheimgehalten wurde und warum. Im Zensurmuseum beginnt die Geschichte der Zensur vor mehr als 3000 Jahren, als im Jahre 1353 v. Chr. der ägyptische Pharao Echnaton den Monotheismus einführte, alle bisherigen Götter verbot und sämtliche Inschriften und Bildnisse an Tempeln entfernen ließ, in denen die alten Gottheiten erwähnt wurden. Sein Nachfolger gab sich dann ebensolche Mühe, das Andenken an Echnaton auszulöschen. Ein Beispiel, das zeigt, wie sehr Zensur vom jeweiligen Zeitempfinden abhängt.
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Anhänger der Zensur empfinden es auf Dauer natürlich als ärgerlich, wenn sie immer darum kämpfen müssen, bereits Veröffentlichtes im Nachhinein mühsam wieder aus dem Verkehr ziehen zu können. Der Mainzer Erzbischof Berthold von Henneberg kam daher 1486 auf die Idee, eine Präventivzensur einzuführen. Bevor ein Buch ins Deutsche übersetzt wurde, musste es erst einer von ihm eingesetzten Kommission vorgelegt werden. Wie der Weg von dort bis zu den heute rund 5000 indizierten Medienerzeugnissen weiterführt, zeigt das Deutsche Zensurmuseum, bald auch in thematischen Sonderausstellungen.
Weitere Infos:www.deutsches-zensur-museum.de
Autor: Jürgen Reuß
