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28. Mai 2016

Der Wolf kehrt zurück

BZ-INTERVIEW mit Markus Bathen über die unbegründete Angst des Menschen vor dem grauen Zotteltier.

  1. Manchmal auch alleine unterwegs – der Wolf Foto: Juergen Borris/Jens Koch (NABU)

  2. Markus Bathen Foto: Jens Koch

Erstmals seit 150 Jahren
streifen wieder Wölfe durch Süddeutschland. Werden sich die Raubtiere, die wir nur noch aus dem Märchen kennen, nun wieder dauerhaft bei uns ansiedeln? Andrea Schwendemann hat mit dem Wolf-Experten Markus Bathen gesprochen. Er leitet das Wolfsbüro des NABU (Naturschutzbund Deutschland).


BZ: In den letzten Tagen und Wochen wurde auf der Baar, also auf der Hochebene zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb, mehrmals ein Wolf beobachtet. Werden diese Raubtiere jetzt auch in Süddeutschland heimisch?
Bathen: Das kann man noch nicht sagen. Der Wolf, der seit Anfang Mai mehrmals gesehen wurde, ist ein Einzeltier. Ob er bald einen Partner oder eine Partnerin findet, um ein Rudel zu bilden, ist ungewiss.
BZ: Woher kommt der "Baar"-Wolf?
Bathen: In Deutschland streifen insgesamt 40 Wolfsrudel umher, in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Die jungen Wölfe verlassen ihr Rudel, um ein eigenes Revier zu gründen. Es ist aber unwahrscheinlich dass der "Baar"-Wolf ein Tier aus einem dieser Rudel ist. Vermutlich ist er aus dem Elsass oder der Schweiz eingewandert.

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BZ: Sollen wir uns darüber freuen oder Angst haben, dass es diese Wildtiere wieder bei uns gibt?
Bathen: Vor rund 150 Jahren haben wir Menschen den Wolf ausgerottet. Jetzt kommt er zurück – freiwillig und auf eigenen Pfoten. Das ist ein Grund zur Freude. Aber wir dürfen darüber nicht vergessen, dass der Wolf nicht nur Rehe und Wildschweine reißt, sondern auch Schafe und Ziegen. 99 Prozent der Beute der Wölfe sind zwar Wildtiere, aber es kommt auch vor, dass sie Nutztiere angreifen. Auch diese müssen wir daher schützen.
BZ: Wie macht man das?
Bathen: Die Bauern, die in Wolfsgebieten ihr Vieh halten, brauchen finanzielle Unterstützung, also Hilfe in Form von Geld. Damit können sie zum Beispiel Spezialzäune errichten, die Wölfe von den Herden fernhalten. Wir haben in Sachsen sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Außerdem gibt es Hunderassen, die darauf gezüchtet wurden, das Vieh zu bewachen und die Wölfe zu vertreiben.
BZ: Viele Menschen haben Angst vor dem "bösen" Wolf. Stimmt dieses Bild, das wir aus Märchen kennen?
Bathen: Der Wolf ist nicht böse, genauso wenig wie der Fuchs schlau ist. Das sind allesamt Eigenschaften, die Menschen den Tieren gegeben haben. Der Wolf ist ein Jäger, der bestimmte Strategien, also Vorgehensweisen, anwendet, um in der Natur zu überleben. Seit der Rückkehr der Wölfe nach Deutschland im Jahr 2000 ist noch kein Mensch von einem Wolf angegriffen worden.
BZ: Aber der Wolf, der zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb herumwandert, ist vermutlich verletzt. Müssen Kinder, die im Wald spielen, oder Spaziergänger nicht besonders aufpassen?
Bathen: Wir hatten in der Lausitz in Ostdeutschland in den vergangenen 16 Jahren schon eine Reihe von schwer verletzten Wölfen. Bei den Untersuchungen fand man Tiere, die einen Kiefer- oder Schädelbruch ausgeheilt hatten. Keines dieser Tiere wurde aufdringlich oder hat Menschen bedroht.

Autor: bz