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19. November 2008
"Back? Kenn’ ich nicht…"
Die Proben zum BAP-Konzert morgen in Altenheim laufen – und BZ-Redakteur Bastian Henning guckt (unerlaubt) zu
NEURIED-ALTENHEIM. Die Bässe wummern bis weit hinaus vor die Mehrzweckhalle Neuried. Mit etwas Mühe kann man sogar Gesangsfetzen verstehen. BAP ist hier. Die Kölner Band startet ihre Tour morgen mit einem Konzert in Altenheim und da will vorher nochmal fleißig geprobt werden. BZ-Redakteur Bastian Henning wollte sehen, wie nah er rankommt an die Kölsch-Rocker und was die Menschen im Ort von dem Konzert erwarten.
Ich hab’s geschafft. Vorne tanzen Wolfgang Niedecken & Co. auf der Bühne und singen "Oom nasse Asphalt". Die Gitarrenriffs erschüttern die Halle in ihren Grundfesten, die Base-Drum vom Schlagzeug wummert, dass die Türen in den Angeln zittern. Und ich stehe mittendrin. Am besten Platz als alleiniger Zuhörer. Ein Privatkonzert? Nein, ich bin ein Kleinkrimineller. Ein dreister Schwarzhörer. Ich habe mich in die Mehrzweckhalle hineingeschlichen.Dabei klingt "geschlichen" eigentlich zu sehr nach Heimtücke. Die Tür stand ja offen. Rechts neben dem Haupteingang bin ich rein und stand auch schon hinter der Zapfanlage des Hallenfoyers. Tische sind dort aufgebaut, daran sitzen junge Brillenträger und tippen auf Laptops, andere laufen mit Klemmbrettern in den Händen herum, öffnen und schließen große Metallkisten. Manche von ihnen tragen eine schwarze Weste mit der Aufschrift "BAP överall". Niemand hat mich beachtet. Na, und da waren es nur noch zwei Schritte zur Schiebetür, die den Eingangsbereich der Halle vom Hauptteil trennt. Schnell habe ich sie aufgeschoben und bin hineingeschlüpft.
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Da stehe ich nun und lasse die Jungs auf der Bühne ihre Songs zum besten geben. Plötzlich gehen die ersten Zeigefinger von schwarz gekleideten Technikern in meine Richtung. Ich bin entlarvt. Einer kommt sogleich herbeigetrippelt. Ich will mich erklären, warte aber noch den Schlussakkord des Stücks ab. Erstens, um ihn zu hören, zweitens, weil es sonst sowieso zu laut zum Sprechen wäre.
In einem Seitenzimmer treffe ich auf Didi Hentschel, den Tourmanager. Hier wird viel geraucht, Computer und Mischpulte stehen herum. Hentschel zeigt sich nicht sonderlich begeistert von meinem Plan, einfach mal zu schauen, wie weit man rankommt ans Geschehen: "Die Band ist mitten in den Proben für das erste Tourkonzert. Da ist das doch alles streng geheim hier!" Christian Messerschmidt, Betreuer der "BAP-fan"-Homepage, ist ebenfalls irritiert: "So machen die das bei der Zeitung also mittlerweile", murmelt er. Am Ende sind alle wieder Freunde. 50 Stücke müsse die Band noch einstudieren, bevor das erste Tourkonzert der Kölner in Altenheim starten kann. "30 Lieder werden dann gespielt. Bei vielen Songs müssen die sich ja auch erst erinnern, wie das nochmal ging", erzählt Hentschel amüsiert.
Auf der anderen Seite der Halle fegt eine Frau den Probenraum des Musikvereins. Ich frage sie, ob ihr die Musik gefällt, die da durch die Wände wummert. Sie schüttelt den Kopf. "Nein, da gibt’s sicher Schöneres", sagt sie und zeigt auf die unter Staubschutzhauben steckenden Trommeln. "Das meiste, was unser Musikverein spielt, finde ich schöner." Auch ein Mann räumt in dem kleinen Raum herum. Er will sich nicht festlegen: "Die proben ja jetzt nur, da kann man noch nicht sagen, ob die Musik wirklich gut ist."
Gerade will ich wieder in den Wagen steigen, da sehe ich, wie ein kleiner Mann im Team-"överall" mit der Kompaktkamera in der Hand vor der Halle herumläuft. Er knipst ein wenig, dann geht er mit Riesenschritten zum gegenüberliegenden Vereinsheim des Tauzieh-Clubs Neuried. Dort fährt er den Kamerazoom voll auf das Vereinslogo. "Ein Tauzieh-Club – sowas hab ich noch nie gesehen", sagt er verdattert. "Ich bin mal ein paar Minuten rausgekommen. Da will ich ein bisschen fotografieren, wo wir hier waren. Fürs Privatalbum."
An der Imbissbude im Ort trinke ich noch einen Kaffee und unterhalte mich mit der Verkäuferin. Welches Konzert ich denn meine, will sie wissen. "Na, BAP", sage ich, "gleich hier in der Mehrzweckhalle." Sie schaut mich fragend an. "Back? Kenn’ ich nicht…"
Autor: bnh
