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21. November 2008 17:32 Uhr
BAP rocken drei Stunden in Altenheim
Es scheint ein Wunder, dass das Dach der Mehrzweckhalle Altenheim noch festsitzt und nicht in den Weltraum abgehoben hat, um zwischen den Sternen zu schweben, am Donnerstagabend beim Auftritt der Kölsch-Rocker BAP in Neuried.
Über drei Stunden standen Wolfgang Niedecken und Band auf der Bühne. Sie spielten nahezu das komplette neue Album "Radio Pandora" – das vielleicht beste der langen BAP-Karriere – plus eine Auswahl ihrer Hits, von "Verdamp lang her" von 1981 bis "Et ess, wie’t ess" aus dem Jahr 2008.
1500 Besucher, ausverkauft, pünktlicher Beginn. Eine Stimme aus dem Off liest eine Passage aus "On the Road" von Jack Kerouac, jenem Dichter der Beat-Generation, mit dem die Pop-Kultur begann. BAP starten mit "Wat für e Booch", in dem Niedecken die Stationen von "On the Road" Revue passieren lässt, während auf einer Leinwand Bilder des Amerika der 1940er und 1950er Jahre flimmern: Staubige Straßen, ein alter Ford Hudson Cadillac, Hotelzimmer mit verblichenen Tapeten…Dazu ein kraftvoller, den Song vorwärts peitschender Rhythmus, die breiten Gitarrelinien mit ihren hellen Spitzen bilden ein Echo zu Niedeckens Gesangszeilen. Man hat den BAP-Sound mit dem der Rolling Stones verglichen und mit dem von Bruce Springsteen. Bei diesem Stück sind die Wucht und das Pathos von U 2 nicht weit. Ein grandioser Beginn.
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Als drittes oder viertes Stück spielen BAP "Songs sin Dräume", das von Fantasiereisen in ferne Länder erzählt, von Innenwelten und immerwährenden Sehnsüchten. Der Song beginnt mit einem melancholischen Klavier, der Bass lässt dicke Tropfen fallen, die Gitarren schrammeln verhalten, es ist wohlige Melancholie, und sofort entsteht Wunderkerzenstimmung. Niedecken widmet das Lied "dem Chrischi", jenem BAP-Fan aus Altenheim, der eine sehenswerte und liebevolle Fanpage betreut. Wer mal reinklicken will: www.bap-fan.de
Das zehnjährige Bestehen dieser Seite war der Anlass für den Auftritt in Altenheim. Niedecken ist gesprächig, erzählt den 1500, dass man bei diesem "Warm-up-Konzert" zur Radio-Pandora-Tour herausfinden will, welcher Programmablauf tauglich ist, welche Songs auf der Bühne funktionieren und welche nicht. In Altenheim funktionieren alle.
Die ersten zehn Stücke stammen meist vom neuen Album. Flott-lässige Country-Nummern wie "Duude Blume" mit der Rosenstolz-Geigerin Anne de Wolf als Gaststar, Autobahn-Balladen wie "Morje fröh doheim", oder das packende "Diego Paz wohr Nungzehn".
Niedecken erzählt hier eine Begebenheit aus dem Falkland-Krieg 1982. Gitarrist Helmut Krumminga legt eine metallisch klingende, rasch gepickte Gitarre unter den Text, Niedecken raspelt den Text vorwärts getrieben von diesen metallischen, immer leicht glissandierenden Gitarrentönen. Das erzeugt einen unglaublichen Druck. "Das hier ist eine Bildungsreise", plaudert Niedecken zwischendurch.
"Wir wissen jetzt wo Neuried ist." Er begrüßt das Ehepaar Michael und Michaela, die sich 1982 bei einem BAP-Konzert in Freiburg kennenlernten und die mit im Saal sind. Erzählt, dass er die regionale Presse zum Konzert gelesen hat. Die Geschichte stand übrigens in derBadischen Zeitung. Und er erzählt, dass er am Rhein war und einen Kilometerstein gesucht hat: "Altenheim liegt 400 Kilometer oberhalb der Südstadtallee Köln."
Es gibt tatsächlich den einen oder anderen BAP-Neuling im Konzert, viele Besucher sind jedoch echte Fans.
BZ-Fotoalbum: Bilder vom Warm-Up-Konzert am 20. November
BZ-Interview mit dem Leiter des Jugendzentrums Neuried: "So hatte ich mir das Konzert vorgestellt"
BZ-Interview mit dem Veranstalter: BAP spielt in Altenheim
Die Fanseite im Internet: www.bap-fan.de
Hörproben: Stücke von der CD "Radio Pandora"
Autor: Robert Ullmann


