Pfarrerin Anna Schimmel lädt zum Kneipengottesdienst

"Wir dürfen in der Kneipe an Gott denken und ein Bier trinken"

Hagen Späth

Von Hagen Späth

Di, 05. Februar 2019 um 16:00 Uhr

Neuried

Die evangelische Pfarrerin Anna Schimmel hat schon als Studentin die Erfahrung gemacht, dass am Tresen oft die tiefsinnigsten Gespräche stattfinden. Auch deshalb organisiert sie in Neuried-Ichenheim einen Kneipengottesdienst.

BZ: Sie laden zu einem Kneipengottesdienst ein mit einem Bild, das ein frisch gezapftes Bier im Vordergrund zeigt. Stieß das bei manchen Ihrer Schäfchen nicht auf große Vorbehalte?

Schimmel: Zu mir hat noch niemand etwas Negatives gesagt. Bis jetzt bin ich nur auf positive Resonanz gestoßen, viele haben gesagt, dass das eine gute Idee sei. Aber ich vermute mal, dass sich die Leute, die sich dran stören, es mir auch nicht direkt sagen. Vor ein paar Tagen kam eine 86-jährige regelmäßige Kirchgängerin zu mir und meinte, dass ihr Enkel sie eingeladen habe für den Freitagabend, um gemeinsam in den Gottesdienst zu gehen. Da hatte sie von dem Kneipengottesdienst noch gar nichts gehört. Jetzt bin ich mal gespannt, ob sie tatsächlich kommen.

BZ: Predigt, Bier und Schnitzel lassen sich also problemlos vereinbaren?

Schimmel: Im "Hechten" haben wir ja die schöne Situation, dass Leute, die etwas essen wollen, nach oben gehen können in Steffis Diner. Unten ist der Tresen, und dort kann natürlich auch etwas getrunken werden. Das kann ein Bier sein oder auch etwas anderes.

BZ: Wie kamen Sie denn diese Idee?

Schimmel: In meiner Probedienstgemeinde in Weinheim gab es schon ein Jahr bevor ich kam den ersten Kneipengottesdienst. Das war in einer Brauerei, allerdings am Sonntagvormittag. Der war richtig gut gemacht, allerdings nicht so gut besucht. Deshalb habe ich gedacht, dass wir auch die Zeit ändern sollten. Also nicht den Sonntagvormittag nehmen, wenn die Jugendlichen ausschlafen oder die jungen Familien sich ihren Kindern widmen wollen. Während meiner Probezeit haben wir dann noch einen solchen Kneipengottesdienst mit Livemusik veranstaltet. Es ist also nichts völlig Neues.

BZ: Für hier schon.

Schimmel: Ja, das stimmt. Hier in der Umgebung habe ich dazu noch nichts gefunden.

BZ: Was dürfen die Kneipen- und Gottesdienstbesucher denn erwarten?

Schimmel: Ich möchte den Gottesdienst etwas freier gestalten und mich nicht an die übliche Liturgie halten. Es gibt schon auch eine Predigt, aber sie wird anders sein als sonst. Als Studentin habe ich die Erfahrung gemacht, dass in der Kneipe oft hoch philosophische Gespräche geführt werden. Da will ich hin. Vielleicht ein Interview mit Gott? Oder ein Gespräch am Tresen, wo sich zwei Leute über Gott unterhalten. Was ich auch vermitteln will ist eine Botschaft aus der Bibel, die sehr gut in die Kneipe passt: Mensch, du bist jetzt da, also lebe und genieße. Ja, wir dürfen auch in der Kneipe an Gott denken, uns freuen und ein Bier trinken. Und dann dürfen sich die Besucher noch auf Katja Tscherter freuen, die ihre Musik mitbringt und singt.

BZ: Ein anderer Ort als die Kirche, dazu eine andere Zeit, da könnten Menschen kommen, die sonst nicht in die Kirche gehen?

Schimmel: Das hoffe ich. Ich verbinde mit einer Kneipe einfach das pralle Leben, da treffen sich alle Generationen. Das gefällt mir und das würde ich mir für alle Gottesdienste wünschen. Aber ein Gottesdienst am Sonntagvormittag gibt das halt nicht her.

BZ: Sind weitere Kneipengottesdienste geplant?

Schimmel: Der nächste Kneipengottesdienst soll am Freitag, 29. März, in der "Schutterzeller Mühle" stattfinden. Zu meinem Gebiet gehören ja drei Orte. Ich hätte gerne in jedem der Orte eine solche Veranstaltung. Dundenheim ist noch offen, da muss ich noch nachfragen. Und dann schauen wir mal, was sich ergibt.

Anna Schimmel ist 38 Jahre alt, wohnt im Ichenheimer Pfarrhaus und ist seit über zwei Jahren evangelische Pfarrerin für Ichenheim, Dundenheim und Schutterzell. Der Kneipengottesdienst findet statt am Freitag, 8. Februar, 19 Uhr, im Gasthaus Hechten in der Heerstraße 3.