Worlderers spalten Publikum

UIrike Le Bras

Von UIrike Le Bras

Di, 16. Oktober 2018

Neuried

Der Konzertabend "Musik verbindet Kulturen" offenbart gute Musik, aber auch Mängel.

NEURIED-ICHENHEIM. Unter dem Motto "Musik verbindet Kulturen" hat am Sonntag im Saal der Gaststätte Löwen ein interkultureller Konzertabend stattgefunden. Mitgewirkt haben neben den beiden Gruppen Worlderers und Dimbaaya Mooya zahlreiche Einzelinterpreten.

Die Grundidee ist lobenswert: Ein ethnisch bunt gemischtes Musiker-Völkchen tummelt sich vor oder auf der Bühne und zeigt, wie viele Talente sich da innerhalb kurzer Zeit unter der Regie des pensionierten Lehrers Herbie Wickertsheim aus den Reihen Geflüchteter zum friedlichen Miteinander-Musizieren zusammengefunden haben. Das Motto "Musik verbindet Kulturen" wurde dabei von den meisten der in ordentlicher Anzahl gekommenen Besucher so verstanden, dass die Instrumentalisten und Gesangskünstler einen Eindruck von der Musik ihres jeweiligen Heimatlandes geben. Das hat in der ersten Stunde des Konzerts auch wunderbar geklappt.

Mit perkussiv-akzentuiertem Spiel auf der Dambura und emotional starkem Gesang hat Mohammad Hosseini aus Afghanistan den Abend eröffnet, Ines aus Lettland hat ein traditionelles Gesangsstück auf dem Klavier begleitet, der aus Nigeria stammende Rapper E-Vans Tip mit raumgreifender Performance seinen eindringlichen Sprechgesang intoniert und das Ehepaar Mesud und Nirov aus Syrien mit ihrem Spiel und Gesang das Publikum dazu gebracht, einen ersten Kreistanz zu wagen. Auch die Gitarren-Saz-Improvisation des Duos Michael und Huseyin aus Schwanau sowie die Reggae-Einlage von Yaya Singhateh aus Gambia haben gut unter die Bezeichnung "authentische Weltmusik" gepasst.

Arrangements erinnern an Fasentpartys

Der Auftritt der Worlderers spaltete dann die Publikumsmeinung. Wurden zu Beginn noch die an das Konzert gestellten Erwartungen erfüllt, zum Beispiel mit dem schmissigen kurdischen Song "Jawai, Jawai" (mit euinem deutschen Textteil), ging der Stil, in dem die weiteren Stücke interpretiert wurden, in einen schwer definierbaren kulturellen Crossover über: afrikanische Lieder, die in ihren Arrangements stark an das erinnerten, was man landläufig auf Fasentpartys zu hören bekommt. Unpassend dazwischen gequetscht wirkte das hebräische Traditional "Hava Nagila", gefolgt vom Fußball-Hit von 2010 "Waka Waka" bis hin zum finalen "Wave Your Flags". Da stand für manche Besucher schon die Frage im Raum, ob sich die Kulturen verbindende Musik weg von ihren Ursprüngen hin zum Mehrzweckhallen-tauglichen Einheitspop entwickeln soll.

Eine Herausforderung war die Gesamtdauer des Konzerts. Hatten sich viele Besucher angesichts des frühen Beginns darauf eingestellt, nach etwa zwei Stunden wieder zu Hause zu sein, so mussten sie sich mit Geduld wappnen, denn die professionell aufgestellte Band Dimbaaya Mooya kam erst gegen 21 Uhr wirklich zum Spielen – kein Wunder also, dass sich immer mehr Zuhörer mit bedauerndem Schulterzucken verabschiedeten, noch während oben auf der Bühne der durchaus mitreißende, abwechslungsreiche Mix aus afrikanischen und karibischen Stilen eigentlich zum Tanzen und Fröhlichsein einlud.

Fazit: Lob für die musikalischen Leistungen der Musiker mit Migrationshintergrund, Minuspunkt für die wenig durchdachte Organisation.