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02. März 2013 00:00 Uhr

Nordischer Kombinierer

Eric Frenzel: Sportlicher Familienmensch

Ein nettes Abendessen mit der Mannschaft, ein gemütliches Zusammensein mit der Familie – da war sie auch schon vorbei, die Weltmeister-Party von Eric Frenzel.

  1. Eric Frenzel Foto: dpa

"Klar, dass sich die Feier in Grenzen hält. Wir haben schließlich im Team-Sprint am Samstag noch etwas vor", sagte Deutschlands Top-Kombinierer, der sich auch nach seinem großen Triumph vom Donnerstag in Val di Fiemme gewohnt bodenständig gab. Typisch Frenzel eben.

Der eher unscheinbar wirkende Sachse ist der Gegenentwurf zu vielen anderen Sportlern seiner Generation. Keine Allüren, keine Flausen, keine Extrawürste, den Fokus auf die ihm wichtigen Dinge: die Familie, den Sport. In dieser Reihenfolge.

Selbst der mit allen Kombinations-Wassern gewaschene Bundestrainer Hermann Weinbuch gerät bei seinem erst 24 Jahre alten Vorzeige-Athleten immer wieder ins Staunen: "Er ist einfach in seiner Mitte, ist mental sehr stark. Daheim hat Eric ein sehr stabiles Umfeld. Das macht es aus."

Frenzel macht vieles anders und vor allem früher als seine Altersgenossen – und fährt damit höchst erfolgreich. Als Mitzwanziger ist er bereits gestandener Familienvater, Söhnchen Philipp ist sechs Jahre alt. Freundin Laura, damals eine talentierte Langläuferin, hatte Eric Frenzel im Ski-Internat in Oberwiesenthal kennengelernt.

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Als sich der Nachwuchs ankündigte, war er 18, sie 15 Jahre alt. Eine Konstellation, die auf den ersten Blick durchaus Komplikationen birgt. Für Frenzel aber wurde sie zum Glücksfall. "Meine Familie spielt eine riesengroße Rolle bei meinem Sport. Hätte ich die Unterstützung nicht wie in den vergangenen Jahren, wäre ich nicht so weit vorne gewesen", sagt Frenzel, der sich im oberpfälzischen Flössenburg, Lauras Heimat, einen perfekten Rückzugsort geschaffen hat. Das kleine Holzhaus der jungen Familie, gemeinsam errichtet mit den Schwiegereltern, liegt idyllisch im hügeligen Grünen. Hier kann Frenzel abschalten, vor allem im Sommer Kombination Kombination sein lassen. "Dieses stabile Umfeld ist es. Das macht es aus, dass er Niederschläge wegstecken kann", sagt Weinbuch über seinen Star, der im Team nur "Effe" heißt. "Warum Effe? Das ist mir ehrlich gesagt auch schleierhaft", sagt Weinbuch: "Da muss ich bei Gelegenheit mal nachforschen."

Wenn die komplette Familie dann aber mal zum Wettkampf anrückt, dann will Frenzel freilich auch glänzen – so wie am Donnerstag, als Söhnchen Philipp ("Mein größter Fan"), Laura, die Eltern und Schwiegereltern sowie der Fanklub aus seinem Heimatstädtchen Geyer geschlossen an der Strecke mitfieberten: "Meine Familie muss recht große Kompromisse eingehen, aber sie wissen auch, wofür ich das tue. Und es ist umso schöner, wenn man dabei noch Erfolg hat."

In Sachen Erfolg war Frenzel ebenfalls ein Frühstarter: mit 18 Jahren gab er sein Weltcup-Debüt auf der aktuellen WM-Strecke in Val di Fiemme, mit 19 gelang der erste Weltcup-Sieg in Klingenthal, mit 20 holte er WM-Bronze in Liberec, mit 22 WM-Gold in Oslo. Nun, mit 24 Jahren, den zweite Titel. Und 2014 dann bei Olympia in Sotschi die Krönung? So weit denkt Frenzel noch nicht, er geht die Ziele ganz in Ruhe und Reihenfolge an. So gilt die Konzentration dem Teams-Sprint an diesem Samstag an der Seite von Tino Edelmann: "Da wollen wir es wieder krachen lassen." Dies gilt freilich nur für Schanze und Loipe, eine etwaige Siegesfeier dürfte wiederum eher bodenständig ausfallen: Um den Zustand der Inneneinrichtung muss sich das deutsche Mannschaftshotel "Villa di Bosco" in Tesero bei Frenzel keine Sorgen machen.

Heute in Val di Fiemme:

Nordische Kombination, Teamsprint (10 Uhr Sprunglauf, Großschanze/15 Uhr Skilanglauf über 2x7,5 km). Favoriten: Österreich, Deutschland, Norwegen. Deutsche Starter: Frenzel (Oberwiesenthal)/Edelmann (Zella-Mehlis).

Skilanglauf, Frauen, 30 km (12.15 Uhr/Massenstart, klassisch). Favoritinnen: Johaug, Björgen (beide Norwegen), Kowalczyk (Polen). Deutsche Starterinnen: Zeller, Fessel (beide Oberstdorf).
Skispringen, Männer, Team (16.30 Uhr /Großschanze): Favoriten: Österreich, Norwegen, Deutschland. Deutsche Starter: Freund (Rastbüchl), Freitag (Aue), Neumayer (Berchtesgaden), Wank (Breitnau/Oberhof).
Am Sonntag in Val di Fiemme:

Skilanglauf, Männer, 50 km (12.30 Uhr/Massenstart, klassisch): Favoriten: Northug, Rönning (bd. Norwegen), Bauer (Tschechien). Deutsche Starter: noch offen.

WM im Fernsehen: ARD und Eurosport übertragen alle Entscheidungen live.

Autor: sid