Ältestes Buch wurde 1482 gedruckt

Barbara Odrich-Rees

Von Barbara Odrich-Rees

Fr, 07. Januar 2011

Oberried

In der Bibliothek in den Mauern des Wilhelmitenklosters Oberried befinden sich wahre Schätze der frühen Buchdruckkunst.

OBERRIED. Das Wilhelmitenkloster und spätere Benediktinerpriorat in Oberried verbarg über 200 Jahre einen Bücherschatz in seinen Mauern. Die Pfarrer von Oberried haben die Kostbarkeiten bewahrt und geheim gehalten. Pfarrer Timotheus Vetter bat den Buchenbacher Restaurator Lothar Heitz, die vor 1800 gedruckten Bücher zu katalogisieren.

Nachdem Pfarrer José Cabral die Öffentlichkeit über den Bücherschatz informiert hatte, kam die Frage auf, wem diese Bücher eigentlich gehören? Es stellte sich heraus, dass sie weder dem Staat noch der Erzdiözese Freiburg gehören, sondern sich im Eigentum der Pfarrgemeinde Mariä Krönung in Oberried befinden. Nach dieser Klärung konnte man die Bücher genauer spezifizieren.

Wie sich dabei herausstelle, sind etwa 400 Bücher vor dem 18. Jahrhundert gedruckt worden. Fünf Bücher sind Inkunabeln (Bücher, vor 1500 gedruckt), einige stammen aus dem 16. Jahrhundert, die meisten aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Im Bestand befinden sich nur drei Bücher, die den Wilhelmiten zuzuschreiben sind. Die anderen stammen aus der Zeit als das Kloster Priorat von St. Blasien war. 1725 kamen einige Mönche in das Oberrieder Kloster, die eine kleine Bibliothek bestückten. 1806 kam die Säkularisation des Klosters. Die Bücher blieben. Später gelangten noch viele weitere interessante Bände auf unbekannten Wegen in die Bibliothek. Viele Schriften wurden auch geschenkt. Die meisten Bücher der beiden vergangenen Jahrhunderten stammen aus den Hinterlassenschaften der Pfarrer von Oberried. Einige Privatleute vermachten ihre Bücher auch der Kirche. So sind nicht nur theologische Werke vorhanden, sondern auch Reiseberichte, Kräuterbücher, Liederbücher. Eines der Bücher befasst sich mit der Behandlung von Krankheiten: "Wie man alle gebresten und Krankheiten des menschlichen leibs arzneyen und vertreyben soll".

Das älteste Buch wurde 1482 von dem berühmten Drucker und Verleger Anton Koberger in Nürnberg gedruckt. Eine Rarität ist das Buch von 1496, das vermutlich von dem Freiburger Erstdrucker Kilian Fischer als einziges Buch vor 1500 in Offenburg gedruckt wurde.

Die vier Bände aus dem Geschichtswerk von Matthäus Merian "Theatrum Europaeum" mit vielen Kupferstichen sind besonders wertvoll. Sie datieren aus dem Jahr 1647. Ein Messbuch "Missale Romanum" wurde 1605 in Antwerpen von Johannes Keerbergius gedruckt. Diese Bücher sind in Schweinsleder gebunden und teilweise prächtig verziert mit Blindprägung. Einige davon hatten und haben noch Schließen, die auch kunstvoll gearbeitet sind. Einige Bücher haben einen vorläufigen Einband, es gibt sogar ein Werk, in dem noch kein Mensch gelesen hat, da es noch nicht aufgeschnitten wurde.

Weitere Besonderheiten sind 50 Bände von dem evangelischen Schweizer Theologen Johann Caspar Lavater, 40 Werke des bekannten Konstanzer Generalvikars, Theologen und Schriftstellers Ignaz Heinrich von Wessenberg und eine große Anzahl von Originalausgaben der Werke des bedeutenden Theologen, Historikers, Musikwissenschaftlers und Staatsmanns Fürstabt Martin II. Gerbert von St. Blasien.

Die Bibliothek umfasst rund 2500 Bücher, deren Anblick einen in Erstaunen versetzt. Die Verarbeitung der Bücher lässt heutige Buchbinder ins Schwärmen geraten.