Alemannische Woche

Die Knaschtbrüder in der Klosterschiire: Fast ein alemannischer Johnny Cash

Christian John

Von Christian John

Mo, 29. September 2014

Oberried

"Die Knaschtbrüder" und der Chor der Michael-Grundschule eröffneten 19. Alemannische Woche in der Klosterschiire.

OBERRIED. Mit einem Doppelkonzert startete am Freitag die 19. Alemannische Woche. Das Schopfheimer Duo "Die Knaschtbrüder" begeisterte die 150 Besucher in der Klosterscheune mit handgemachtem Country-Blues und witzigen Texten. Zuvor trat – wie in den vergangenen Jahren – der Kinderchor der Michael-Grundschule auf.

Sie trampelten wie Elefanten, brachten die Bühne zum Beben, klatschten und warfen ihre Hände in die Höhe. Die 22 Mädchen und Jungen des Kinderchors der Oberrieder Grundschule verzauberten die Zuhörer mit Liedern über Tiere und hatten dabei sichtlich Spaß. Michael Weh begleitete die singende und kichernde Schar am Klavier, angeleitet wurden sie von Ulrike Schöning.

Wie lange die "Knaschtbrüder" schon zusammen Musik machen, wissen sie nicht genau. "18 oder 20 Jahre" schätzt Jeannot, der zusammen mit seinem Bruder Christian auf der Bühne steht. Ihrer Musik hört man die lange Zeit an. Die beiden Profis beherrschen ihre Gitarren, ihr zweistimmiger Gesang sorgt für heitere, melancholische, mitreißende Melodien. Wieso die beiden "Knaschtbrüder" heißen, ist auch schnell geklärt: Sie haben ihr Atelier im alten Schopfheimer Gefängnis eingerichtet.

Jeannot ist das Sprachrohr des Duos. Er singt die Leadstimme, zupft traumwandlerisch auf seiner Gitarre und gibt zwischen den Liedern den Conférencier, Unterhalter und Geschichtenerzähler. Ihm scheinen die lustigen Geschichten, Anekdoten und Witze nie auszugehen. Christian sorgt für die zweite Stimme, gibt den Songs mit seinem Gesang die harmonische Tiefe und steuert auf seiner Gitarre die melodiösen, tanzenden Läufe bei.

Musikalisch klingen an diesem Abend die geistigen Väter der beiden "Knaschtbrüder" in der Klosterschiire: Der stampfende Country-Blues eines Johnny Cash, klar gezupfte John-Denver-Melodien oder der mehrstimmige Gesang des österreichischen Liedermachertrios STS schwingen in den Liedern der beiden Schopfheimer mit.

In den fast drei Stunden, die sie in Oberried auf der Bühne stehen, covern die "Knaschtbrüder" einige Lieder, etwa von Otto Bürgelin oder Hannes Wader. Der Großteil ihrer Songs ist aber selbstgeschrieben. Es scheint, als ob die beiden alles Lustige und Bemerkenswerte, das ihnen über den Weg läuft, in ihren Liedern niederschreiben. Sei es der heimische Supermarkt ("Bi’m Hieber"), der dicke Dorfbäcker, der erste Italiener Schopfheims oder legendäre Wirtshäuser des Wiesentals ("Im Goldene Löwe"): Wer von den "Knaschtbrüdern" in einem Song auf das musikalische Korn genommen wird, hat es weit gebracht.

Dass die beiden Wiesentäler die Oberrieder Alemannische Woche eröffnen, passt hervorragend, denn die alemannische Mundart steht in gewisser Weise auch im Mittelpunkt ihrer Musik. Da werden Vergleiche zum Alemannisch aus der Region um Wehr gezogen: "Mia sage sage, die säge säge". Irgendwann, in der Mitte des Konzertes, spielten die beiden Brüder "Who’s going to shoe your little pretty feet", ein Lied des amerikanischen Folksängers Woody Guthrie. Christian sang den original Text, Jeannot spielte dazu Mundharmonika und sang die alemannische Übersetzung . "Wunderbar! Tolle Musik", lobte eine Besucherin . Hätte Johnny Cash Alemannisch verstanden, er hätte in Oberried seinen Spaß gehabt.