Elektromobilität für Oberried

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Di, 07. März 2017

Oberried

Wohnbaugenossenschaft Ursulinenhof stellt der Bürgergemeinschaft ihr Car-Sharing-Modell vor / Vorstand wiedergewählt.

OBERRIED. Zwei Elektroautos für Leute, die auf ein eigenes Fahrzeug verzichten und dafür beim Car-Sharing einsteigen wollen, bekommt die Gemeinde Oberried. Daniel Schneider von der Wohnbaugenossenschaft Ursulinenhof (WGU) stellte die Idee unter dem Motto "Mehr Lebensraum statt Parkraum" in der jüngsten Mitgliederversammlung der Bürgergemeinschaft Oberried (BGO) in der Klosterscheune vor.

Die WGU plane für die Wohnungen auf dem Ursulinengelände nur einen Parkplatz pro Einheit, erläuterte Schneider. Als Ausgleich sollen dort mindestens zwei Elektroautos zur gemeinsamen Nutzung zum Selbstkostenpreis stationiert werden. Dies sei als Impuls zu verstehen, "nachhaltiges Car-Sharing als Zukunftsmodell gesellschaftsfähig zu machen".

Damit wolle man schon vor den Baumaßnahmen beginnen. Die WGU werde in allernächster Zeit zwei Elektrofahrzeuge anschaffen. Diese zwei Polos von Volkswagen sollen demnach am Rathaus oder bei den Autofirmen Rieder und Eckert stationiert werden. Sie können von den Mitgliedern der WGU und der BGO genutzt werden. Die vorläufige Kostenplanung sieht einen Jahresbeitrag von 60 Euro sowie fünf Euro Nutzungsgebühr pro Stunde vor. Die Autos würden bei einer Selbstbeteiligung von 300 Euro vollkaskoversichert. In einer kurzen Testphase erfolge die Anmeldung vor Ort an den Stationen, später dann online. Dieses Prinzip sei jederzeit auf weitere Standorte, etwa in den Ortsteilen, erweiterbar. Schneider unterstrich die gemeinsame Marschrichtung mit der BGO auch bei diesem Projekt und erntete zustimmenden Beifall.

Die Versammlung selbst eröffnete der Vorsitzende der Bürgergemeinschaft, Franz-Josef Winterhalter, mit nachdenklichen Betrachtungen über die soziale Zukunft der Gesellschaft. Er konstatierte ein Auseinanderdriften von Arm und Reich und sah in der Zahl von 500 000 Wohnungslosen in Deutschland ein Zeichen sozialer Schieflage. In puncto Pflege im Alter habe eine Studie des Freiburger Professors Thomas Klie für Oberried ergeben, dass sich die Zahl der Pflegebedürftigen und Demenzkranken in der Gemeinde in den kommenden 20 Jahren verdoppeln werde und dafür momentan weder Kapazitäten noch Strukturen vorhanden seien. Aus diesem Grund, und um Abhilfe zu schaffen, habe sich die Bürgergemeinschaft vor zwei Jahren auf genossenschaftlicher Basis gegründet und seitdem einen rasanten Aufschwung genommen. Heute zähle sie mehr als 300 Mitglieder. Mit dem Organisieren einer funktionierenden Alltagsbegleitung, des Fahrdienstes und der Betreuungsgruppe für Bedürftige sei schon viel geleistet worden. Winterhalter dankte allen ehrenamtlich tätigen Mitgliedern und Helfern. Beim wichtigsten Vorhaben der Gemeinde in diesem Bereich, dem Mehrgenerationen- projekt auf dem Ursulinengelände, sei die BGO durch Mitarbeit in der Baukommission und der gemeinnützigen Grundstücks- und Entwicklungsgesellschaft Oberried maßgeblich beteiligt.

Karsten Voss, stellvertretender Vorsitzender der BGO, stellte noch einmal das Projekt vor. In zwei Baukörpern entstünden dort Drei-, Zwei- und Einzimmerwohnungen mit Wohngruppen für Demenzkranke sowie Tagespflegeeinrichtungen. Realistischer Baubeginn sei im August, die Fertigstellung sehe er im Oktober 2018. Dieses Projekt sei im Zusammenhang mit der geplanten Wohnbebauung mit bezahlbaren Mietwohnungen durch die Wohnbaugenossenschaft Ursulinenhof (WGU) zu sehen. Beide Bürgergenossenschaften arbeiteten gemeinsam an dem Ziel, auf dem Ursulinengelände ein soziales Zentrum entstehen zu lassen.

Bürgermeister Klaus Vosberg dankte der Verwaltung für die geleistete Arbeit der BGO, die er als "Quasi-Sozialdezernat der Gemeinde" bezeichnete.

Wahlen: Der BGO-Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt: Franz-Josef Winterhalter (Vorsitzender), Karsten Voss (Stellvertreter), Michael Martin (Schriftführer), Caroline Riesterer (Kasse), Lucia Eitenbichler (Alltagsbegleitung/Betreuungsgruppe), Uli Schwab (Fahrdienst) und Peter Bolanz (Tauschbörse).