Oberrieder Ohrwürmer geben alles beim Heimspiel

Gerhard Lück

Von Gerhard Lück

Mi, 22. November 2017

Oberried

Konzert der A-Capella-Formation in der Klosterschiire.

OBERRIED. "Hallo. Wir haben viel geprobt. Die Show fängt an." So begrüßten singend die 13 Männer von den Ohrwürmern, einer A-Capella-Formation vom Männergesangverein Schwarzwald Oberried, die 160 Konzertbesucher in der vollbesetzten Klosterschiire in Oberried. Schon traditionell hatten die leidenschaftlichen Sänger, die sich gerne als "Älteste Boygroup zwischen Zastler und Notschrei" bezeichnen und ständig mit Konzerten in der Region und darüber hinaus unterwegs sind, zum vorweihnachtlichen Heimspiel eingeladen, das lange zuvor ausverkauft war.

Mit 22 Liedern stellten die Männer unter der musikalischen Leitung von Michael Weh ihre Sangeskunst unter Beweis. Nach dem flotten Begrüßungs-Hallo katapultierten die Ohrwürmer ihre Zuhörer aus der Novemberkälte ins Frühjahr mit der "Frühlingsweise" von den Comedian Harmonists. Eigentlich noch zu früh am Abend interpretierten sie in weißen langen Zipfelmützen den "Sandmann". Herzhafte Lacher entzündete "Alfred", der weiß was er will: "Rein von Natur bin ich der Spitzenmann, mein Body kommt bei Mädchen an". Immer wieder gekonnt waren die Hinführungen zu den Liedern: "Der Mann entdeckte das Wort und erfand das Gespräch, die Frau entdeckte das Gespräch und erfand den Tratsch." Danach konnte nur "Männer" von Herbert Grönemeyer kommen.

Seit Jahren sind die Ohrwürmer große Fans der Band Wise Guys. Und so stand, da sie sich den Bundesverband der Pharmaindustrie als Sponsor erkoren hatten, auch deren Song "Aber sonst gesund" zum Arzneimittelgebrauch auf der Agenda. Mit den Schlusszeilen "Ist mein Leben mal zu Ende, falte ich getrost die Hände, weil ich meine Seele meinem Schöpfer anempfehle. Die körperlichen Überreste gehen dann – das ist das Beste – mit ’nem freundlichen Vermerk gleich zurück ans Bayer-Werk."

Ihre Vertrautheit nach zwölf Jahren Chorgesang drückten die starken Männer mit "Sweet dreams" aus, um dann mit Cowboyhüten Jonny Cash’s "Ring of fire" zu interpretieren. Mit Herbert Grönemeyers "Mambo" aus dem Jahr 1984 fluteten die Ohrwürmer den Saal mit Erotik, um mit "Splish Splash" von Bobby Darin in die Pause zu gehen.

Der von Uli Führe und Martin Schley 1997 erstmals auf die Bühne gebrachte "D’Staumacher" setzte das musikalisch-fröhliche Feuerwerk der Ohrwürmer fort. Die Funken, die sie mit ihrer Show versprühten, hatten sich schon längst im Publikum festgesetzt. Beim "Caravan of Love" von "The Housemartins" und dem Solo von Karsten Voss glühten Feuerzeuge und Handylampen. Neben Voss glänzten Gerald und Martin Lauby, Gerhard Thomann, Joachim Hölderle, Peter Bolanz, Urs Ernst, Claudio Röhmer-Litzmann, Matthias Riesterer und Michael Weh als Solisten. Begeisterung brachten auch Songs wie "König von Deutschland", "How deep is you love", "Du tropfst", "Gigolo", "Ramala", "Rock your Baby", "Hit the road". Bei den drei Zugaben "Don‘t worry, be happy" und "Only you". Die Jungs gaben alles und vermittelten, dass sie "nur für dich" gesungen hatten. Das "La Le Lu" von Heinz Rühmann entließ die Gäste in die Nacht.

Leider sind von den vielen heiteren Sprüche wie "Frauen sind paradoxe Wesen und lieben es, wenn Männer sich an Dingen versuchen, an denen sie scheitern" nicht alle wiederzugeben. Sie gehörten aber wie die tänzerischen Showeinlagen der Boygroup zu den Höhepunkten des Abends. Für die perfekte Choreografie mit völlig neuen Slapstick-Einlagen hatte erneut Petra Adam aus Sexau, eine Frau mit viel Erfahrung mit Männerballettgruppen, gesorgt. Ein völlig neues Outfit mit weißen Fliegen, roten Hosenträgern, Schuhen mit weißen Sohlen überraschte und begeisterte. Großen Anteil am Erfolg des Heimspiels der Ohrwürmer hatten die Partnerinnen, die in der Marktscheune vorm Konzert und in der Pause ein vielseitiges und schmackhaftes Fingerfood-Buffet bereiteten. Für den Service zeichneten die Sängerkollegen aus dem MGV Schwarzwald verantwortlich.

Die nächsten Konzerte der Ohrwürmer sind am 2. Dezember im Schlosskeller Emmendingen, am 21. Januar auf der Alemannischen Bühne in Freiburg.