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03. Februar 2012
Refugium für Freunde alter Bücher
"Freunde der Klosterbibliothek Oberried" stellen die Wessenberg-Sammlung vor / Vortrag von Claudius Heitz.
OBERRIED. Der Verein der "Freunde der Klosterbibliothek Oberried" hat einige Raritäten der Bibliothek, unter anderem auch die Wessenberg-Sammlung, im Refektorium des ehemaligen Wilhelmitenklosters ausgestellt und dazu die Freunde des alten Buches und der Geschichte Oberrieds eingeladen.
Vorsitzender Jürgen W. Müller wies bei dieser Gelegenheit auf die Aktivitäten des Vereins hin. Durch Ankäufe und dank vieler Schenkungen wurde die Bibliothek vergrößert und "lebt" also. Bedeutende Werke stiftete Dorothee Schäfer aus Eschbach. Die Besucher konnten auch eine Reihe interessanter Bücher aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die dem Verein ebenfalls geschenkt wurden, betrachten.Aus dem Nachlass des nie in Oberried tätigen Pfarrers Joseph Milz gibt es eine große Anzahl von Werken des Bischofsverwesers Ignaz Heinrich von Wessenberg sowie weitere bedeutende Werke, unter anderem auch eine Lavater-Sammlung und andere Bücher aus dem 19. Jahrhundert. Diese Bücher sind alle mit dem Namenseintrag "Josef Milz" gekennzeichnet. Interessant wäre es zu wissen, wie diese Bücher in das Kloster in Oberried gelangten.
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Der Historiker Claudius Heitz aus Kirchzarten stellte in seinem sehr lebendigen Vortrag die Persönlichkeit "Ignaz Heinrich von Wessenberg" vor. Er wurde 1774 in Dresden geboren, gehörte aber einem schwäbischen Adelsgeschlecht an und starb 1860 mit 86 Jahren. Sein Bestreben war es, die katholische Kirche zu reformieren und aufzuklären. Die Gläubigen sollen aktiv am Gottesdienst teilnehmen können. Er errichtete ein Seminar, in dem Priester Aufklärer und Erzieher für die geistliche Lehre wurden. Wessenberg gestaltete die Gottesdienstordnung um, der Gottesdienst wurde in Deutsch gehalten und er komponierte Lieder, die von allen gesungen wurden. Auch die Ausbildung der Priester reformierte er. Priester sollten Gemeindepfarrer sein und lebenslang lernen. Er gründete auch Waisenhäuser und Häuser für Mädchen. Jedoch wurden alle seine Gedanken und Reformen nach seinem Tod sofort vom damaligen Papst verboten.
In Jahre 1821 wurde im Zuge der napoleonischen Neuordnung Europas das Bistum Konstanz zerschlagen und die Erzdiözese Freiburg neu gegründet. Wessenberg, der beim Aufbau der Erzdiözese half, konnte aber nicht Bischof werden, da er beim Papst Pius IV. wegen seiner Reformen in Ungnade gefallen war. Erst 1827 fand sich ein Bischof für das neue Erzbistum.
Nach dem Vortrag konnten die Besucher die einzelnen Exemplare in den Vitrinen oder auf den Tischen begutachten. Es gab auch einige Bücher zum Kaufen. Die zahlreichen Besucher hatten dann noch die Gelegenheit, ihre viele Fragen an die Organisatoren der Ausstellung (Jürgen Müller, Annette Vetter, Lothar Heitz, Mechthild Müller und Konrad Zähringer) zu richten.
Autor: Barbara Odrich-Rees
