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08. Februar 2017 16:49 Uhr

Oberried

Reste einer Burg stoppen ein geplantes Baugebiet

Denkmalpfleger haben auf einem Gelände in Oberried Reste einer mittelalterlichen Burg ausgemacht. Dort sollte eigentlich ein Baugebiet entstehen. Daraus wird jetzt wohl nichts.

  1. Unter diesem Rundhügel ruhen in Oberried die Überreste einer mittelalterlichen Turmhügelburg, auch Motte genannt. Foto: Erich Krieger

  2. Das Bodenradarbild zeigt deutlich die Umrisse des ehemaligen Burgturms und Überreste der sogenannten Vorburg in Oberried. Foto: Landesdenkmalpflege Baden-Württemberg

Seit gut einem halben Jahr beschäftigten sich Verwaltung und Gemeinderat in Oberried mit Vorplanungen für ein 17400 Quadratmeter großes Neubaugebiet mit dem Flurnamen "Schmelzäcker" in Nähe des Ortskerns. Doch mit der Überbauung dürfte es wegen der nun ermittelten Burgreste nichts werden, ein Baugebiet ist damit obsolet.

Deutlich sichtbar befindet sich direkt an der Straße ins Zastlertal auf der Wiese ein größerer Rundhügel mit drei Metern Höhe. Der örtlichen Überlieferung nach befindet sich unter dem Gras des Hügels eine Abraumhalde aus Zeiten des Klosterbaus. Im Zuge der Vorbereitungen für die Baugebietsplanung stellte die Verwaltung fest, dass auch das Landesamt für Denkmalpflege als Fachbehörde gefragt werden müsse. Dort wurde beschieden, dass unter der Rundkuppe Überreste einer mittelalterlichen Erd- oder Turmhügelburg, einer sogenannten Motte, liegen. Dies sei seit 1935 bekannt und auch in der Literatur beschrieben. Auf solchen Hügeln wurden ab dem 11. Jahrhundert turmartige Wohngebäude aus Stein oder Holz errichtet.

Im weiteren Umfeld seien auch Relikte einer Vorburgfläche zu vermuten, auf der die zur Versorgung der Burgherrschaft errichteten Wirtschaftsgebäude- und flächen angeordnet waren. Hier könne also nicht gebaut werden.

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Anomalien festgestellt

Um zu klären, welche Flächenanteile noch für eine Bebauung in Frage kämen, verständigte sich die Gemeinde mit dem Landesdenkmalamt auf eine genaue Erforschung des Untergrunds mit einer geomagnetischen sowie einer Bodenradar-Untersuchung – beides zerstörungsfreie Methoden. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats stellte nun Bertram Jenisch als Freiburger Vertreter des Landesamts für Denkmalpflege die für das Ratsgremium ernüchternden Ergebnisse vor. Die flächendeckende Messung des Erdmagnetismus habe auf dem gesamten Gebiet Anomalien ergeben, die gewöhnlichen Abraumuntergrund ausschließen.



Mit dem neuartigen Bodenradarverfahren wurden diese Ergebnisse verfeinert. Wenn die Radarimpulse auf einen Materialwechsel treffen, bilden sie dies in einem Querschnittsbild ab, und zwar alle fünf Zentimeter bis in drei Meter Tiefe. Es ergab sich eine klare Zeichnung einer quadratischen Figur in 1,5 Metern Tiefe und einen halben Meter darunter noch eine weitere mit einem Graben. Dies sei als eine frühe Burganlage mit Wallgraben und Vorburg zu interpretieren, so Jenisch, auf der später im Zuge eines Umbaus ein Hügel aufgehäuft und mit einer typischen Turmburg bebaut worden sei.

Burgstellen auch bei St. Wilhelm

Jenisch verwies darauf, dass sich noch weitere solcher Burgstellen in engem räumlichem Umfeld befänden, etwa im Zastlertal und bei St. Wilhelm. Dies sei in der Zeit prosperierenden Bergbaus in der Schauinslandgegend, die er als damaliges Ruhrgebiet bezeichnete, ein üblicher Baustil als Verbindung von Herrschaftssitz und wirtschaftlicher Versorgung gewesen. Der exakte Nachweis der Oberrieder Motte verleihe dem Gelände den Status eines hochsensiblen archäologischen Denkmals von überregionaler Bedeutung und somit sei eine Bebauung aus seiner Sicht nicht genehmigungsfähig.

Das Gremium war sichtlich geplättet, bis sich verschiedene Stimmen erhoben, die diese pauschale Ablehnung für das ganze Areal kritisierten und ein gemeinsames Suchen nach Restflächen forderten, die eine Bebauung ohne Denkmalszerstörung ermöglichen sollen. Jenisch sah dafür keine Chance, auch aus wirtschaftlichen Gründen: Jeder Bodeneingriff generiere hohe archäologische Kosten und Bauverzögerungen, so dass weder Bauherr noch Gemeinde auf ihre Kosten kämen. Letzterer bliebe nur die Möglichkeit, das Kulturdenkmal als touristisches Highlight zu nutzen.

Bürgermeister Klaus Vosberg verwies darauf, dass das Baugebiet vom Landratsamt vorgeschlagen worden sei, was wiederum Bertram Jenisch wunderte, weil der Sachverhalt seit langem "parzellenscharf" archäologisch kartiert sei. Für alle Beteiligten blieb als schwacher Trost, dass durch die Untersuchung die Planungen in einem frühen Stadium gestoppt werden konnten und nur 8500 Euro aufgewendet wurden.

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Autor: Erich Krieger