Spontan, originell und improvisiert

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Di, 11. Oktober 2016

Oberried

Alemannischer Abend in Oberried muss kurzfristig Programm ändern / Mundartdichterin Mariele Loy aus Hofsgrund ersetzt Kabarettisten Martin Schley.

OBERRIED. Vom Männerchor bis zur Rock-Performance – der alemannische Abend in Hofsgrund wartete mit einem kontrastreichen Programm im Hofsgrunder Bürgerhaus auf. Dazu zählte etwa der Auftritt des Männergesangvereins Schwarzwald Oberried, der das Publikum mit melancholischen und schwungvollen Stücken unterhielt. Spontan fand sich auch die Hofsgrunder Mundartdichterin Mariele Loy, die den kurzfristig krankheitsbedingt ausgefallenen Kabarettisten Martin Schley ersetzte, auf der Bühne wieder.

Am vergangenen Freitag fand der traditionelle Alemannische Abend des Männergesangvereins Schwarzwald Oberried in diesem Jahr erstmals im neu restaurierten Bürgerhaus in Hofsgrund statt. Stets eingebettet in die Alemannische Woche präsentiert der MGV neben seinem eigenen Können immer auch ein Zusatzprogramm mit Künstlern, die einen Bezug zum alemannischen Idiom haben.

Für diesmal war der Kabarettist Martin Schley angekündigt, vielen bekannt durch seine Kunstfigur des Hausmeisters Hämmerle im Funkhaus des SWR. Schley hatte aber am Mittag des Veranstaltungstages krankheitshalber abgesagt. Nun war für MGV-Vorsitzenden Gerald Lauby zunächst guter Rat teuer. Er behielt trotzdem kühlen Kopf und bewies Improvisationstalent. Er fragte flugs bei der Hofsgrunder Mundartdichterin Mariele Loy an, ob sie nicht kurzfristig einige ihrer Texte vortragen könne. Die Zusage von ihr kam prompt, und Gerald Lauby gab bei der Begrüßung am Abend als Schmankerl bekannt, dass sie zufällig auch die erste Karte im Vorverkauf erworben hatte.

Zunächst aber trat der MGV-Gesamtchor unter Leitung von Michael Weh in gewohnter Manier mit dem mobilisierenden Hymnus "Schwinge dich auf mein Lied, empor zum Jubelsang" vor das Publikum. Dem folgte das etwas melancholische Lied "In einem kühlen Grunde" von Eichendorff, in dem ein mit "zerbrochenem Ringlein" Zurückgelassener seine Zukunft ziemlich perspektivlos sieht und am liebsten sterben möchte. Die Sänger konnten aber auch anders und wechselten mit einem schmissigen Trinklied die Stimmung. Darin weiß einer zwar nicht, "ob ich morgen noch lebe", aber umso gewisser, dass er auf jeden Fall dem Trunk zusprechen werde. Ganz fetzig wurde es dann mit einem mitreißenden kroatischen Tanzlied. Mit diesen und weiteren Liedern bewiesen die Stimmgewaltigen des MGV bravourös, dass sie auch mit schwierigen mehrstimmigen Chorsätzen keine Probleme haben.

Nach dem Chor trat nun Mariele Loy ans Pult. Sie bedauerte den Ausfall von Martin Schley, mit dem sie auch in der Muettersproch-Gesellschaft Freiburg tätig sei und dem sie viele Tipps für das Auftreten vor Publikum bekommen habe. Sie begann mit einer Hommage an das Alemannische, das mehr als ein Dialekt, dafür "Musik in de Ohra" sei. Sie präsentierte einen kurzweiligen und geistreichen Mix aus Lebensweisheiten, kleinen Satiren auf Alltagsverhaltensweisen und formalen Spielereien wie einer Gedichtfolge, bei der es nacheinander auf die möglichst häufige Verwendung eines der Vokale ankam. Ob es sich um ein Porträt der imaginären Cego-Spielerin Sophie oder eine Fußball-Ignorantin anlässlich eines Besuchs im SC-Stadion handelte – immer hatte Loy die Lacher und den Beifall auf ihrer Seite. Ihren Auftritt beendete sie mit einer alemannischen Version von Fontanes Bauern, der den Jockel ausschickt, um Hafer zu schneiden.

Ebenso unerwartet und spontan traten dann die Ohrwürmer auf. Dieses gute Dutzend von a-Capella-Sängern aus dem MGV-Chor enterte im gefährlichen Outfit einer Rocker-Gang die Bühne, das legendäre "We will rock you" von Queen auf den Lippen. Markenzeichen, neben ihrer Dichte in der gesanglichen Qualität der "ältesten Boygroup zwischen Zastler und Notschrei", sind ihre gekonnten Choreografien und die auf den jeweiligen Song zugeschnittenen originellen Outfits.

Mit Improvisationen gespickt und hoch vergnüglich

Herzzerreißend der von Gerald Lauby dargestellte, eine Frau suchende Bauer in Gummistiefeln, der unbeweglich und mit starrer Miene mit dem Rühmann-Klassiker behauptete: "Ich brech’ die Herzen der stolzesten Fraun." Bei "Rama Lama Ding Dong" zeigten die doch durchweg schon älteren Semester erstaunliche Beweglichkeit, und spätestens bei den selbstironischen Liedern über typische Männersorgen, wenn "Anna mal wieder Migräne hat", war der Saal am Kochen. Aber die Sänger hatten auch die Lösung, nämlich "Don’t worry, be happy". Da sie auf diesen Auftritt nicht vorbereitet waren, hielten sich die Zugaben in Grenzen, die begeisterten Zuhörer wurden auf den 19. November vertröstet. Dann treten die Ohrwürmer abendfüllend in der Oberrieder Klosterscheune auf. Mit dem augenzwinkernd vorgetragenen Kinderlied "La Le Lu, nur der Mann im Mond schaut zu" schlossen sie den mit Improvisation gespickten hoch vergnüglichen Abend.