"Sportler, die ans Limit gehen"

Gerhard Lück

Von Gerhard Lück

Mo, 22. Januar 2018

Oberried

Zehntägiger Para-Weltcup am Notschrei beginnt mit ersten Wettkämpfen und Eröffnungsfeier / Harte Bedingungen durch Neuschnee.

OBERRIED-NOTSCHREI. Da bereitet der Skiclub Oberried seit Monaten zum vierten Mal eine große Weltcup-Veranstaltung für nordische Skisportler mit Handicap mit viel Erfahrung und Präzision vor – und startet am Samstagmorgen dann doch mit einer kleinen Panne. Irgendetwas funktioniert noch nicht mit der Transponder-Zeitmessung. Stadionsprecher Stefan Lubowitzki bittet mit deutschen und englischen Ansagen um Verständnis für 15 Minuten Startverschiebung. Doch die Experten vom SC Oberried lösen das Problem mit Bravour 

211; und dann geht’s los.

Milos Zaric aus Serbien geht als erster Starter der Gruppe der Schlittenfahrer auf die drei Runden umfassende 7,5 Kilometer lange Strecke. Die Bedingungen sind hart. Es hat über Nacht viel Neuschnee gegeben und schneit immer noch leicht. Der nordische Skilanglaufnachwuchs des SV Kirchzarten versucht seit einer Stunde bei ständigen Runden die Spur frei und hart zu halten. Überhaupt sorgen 200 Ehrenamtliche vom SC Oberried und einigen befreundeten Sportvereinen für einen reibungslosen organisatorischen Ablauf. Sie engagieren sich beispielsweise bei der Zeitmessung, an der Strecke, im Catering oder sorgen für Ordnung im eng bemessenen Parkbereich. Und das nicht nur am Samstag, dem Eröffnungstag, sondern auch gestern und an den folgenden Wettkampftagen bis Sonntag. Frei sind die Tage dazwischen aber nicht, denn an ihnen sind offizielle Trainingszeiten angesetzt.

Baden-Württemberg kann Wintersport

Eine ganz neue Erfahrung machte am Samstag auf der Mittelstrecke der Kirchzartener Benjamin Rudiger, der nach Verhandlungen in den vergangnen Tagen eine Startberechtigung vom Internationalen Paralympischen Komitee (IPC) mit seinem neuen Schlitten bekommen hatte. Rudiger, mehrfacher Deutscher Mountainbike-Meister und Chef beim Ultra-Bike, ist seit einem Trainingsunfall vor drei Jahren querschnittsgelähmt. Mit Startnummer 12 ging Benny auf die Strecke – und kämpfte sich mit viel Beifall der Zuschauer durch. Obwohl er in der Ergebnisliste ziemlich weit hinten landete, war er anschließend richtig zufrieden. "Der Wettkampf heute war eine supertolle Erfahrung für mich", sagte er zur BZ, "es war – auch aufgrund der Streckenverhältnisse – wahnsinnig schwer und anstrengend. Es hat trotzdem Spaß gemacht und ich bin dankbar, dass ich diese Chance erhalten habe." Es sei bei dem Neuschnee bergauf sehr stumpf und bergab wäre die Spur nicht mehr existent gewesen. "Für mich als Anfänger war es mit Glück verbunden, dass ich sturzfrei durchgekommen bin." Den Organisatoren vom SC Oberried sprach er ein großes Lob aus: "Das ist unglaublich professionell, da fehlt es an nichts." Und, er könne sich eine Zukunft in diesem Sport vorstellen, brauche auch aber viel Arbeit und Geduld dafür.

Am Samstagabend fand dann in der Goldberghalle in Oberried die Eröffnungsfeier mit der ersten Siegerehrung statt. Bürgermeister Klaus Vosberg begrüßte die Sportler aus 31 Nationen: "Die Gemeinde Oberried ist glücklich, vor den Paralympischen Spielen diesen Weltcup auszurichten." Seine Anerkennung galt allen engagierten Ehrenamtlichen. SC-Vorsitzender Michael Martin dankte den Sponsoren und freute sich, dass auch der Vorsitzende des Badischen Sportbundes, Gundolf Fleischer und die Vizepräsidentin des Deutschen Behindertensportverbandes, Vera Jaron, anwesend waren.

Für den Schirmherrn, Innenminister Thomas Strobl, sprach Volker Schebesta, Staatssekretär im Kultus- und Sportministerium ein Grußwort. Er gratulierte den Oberriedern, dass man ihnen diesen Weltcup mit 170 Teilnehmenden übertragen habe und zog den Schluss: "Baden-Württemberg kann Wintersport. Diese Veranstaltung ist auch eine Auszeichnung fürs Land." Den behinderten Skisportlern galt sein besonderer Beifall: "Sie gehen sportlich ans Limit, um diese Leistungen zu bringen. Und das macht dann auch die Faszination für die Zuschauer aus." Die haben bereits am Dienstag wieder Gelegenheit, das live mitzuerleben.