Von Johnny Cash bis Giuseppe Verdi

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Mo, 18. Dezember 2017

Oberried

Der Männergesangverein Oberried präsentiert verschiedenste Facetten der Chormusik.

OBERRIED. Voller Stolz trat Gerald Lauby, Vorsitzender des Männergesangvereins "Schwarzwald" Oberried, beim Jahreskonzert am Samstag in der gut besetzten Goldberghalle ans Mikrofon: "Beim diesjährigen Badischen Chorwettbewerb wurde uns der Titel ,Konzertchor’ verliehen" – und mit der ihm eigenen Mischung aus Ernst und Selbstironie stellte er fest, dass der Chor nun der einzige sei, der sich "zwischen Lörrach und Baden-Baden und zwischen Breisach und Schwäbischer Alb" mit diesem Ehrentitel schmücken könne. Dass diese Auszeichnung wohlverdient ist, zeigte der Abend eindrucksvoll, denn er lieferte ein höchst vergnügliches Abbild des facettenreichen Wirkens dieses mit rund 40 Sängern aller Altersgruppen gut bestückten Chores.

Zunächst jedoch gehörte die Bühne den jungen Gästen des Projektchors der Michael-Grundschule Oberried. Michael Weh, der musikalische Leiter und künstlerische Motor des MGV, arbeitet auch mit den gut 20 freiwilligen Mädels und Jungs der Schule und fördert deren Freude am Singen. Mit drei weihnachtlichen Liedern, darunter das aus Frankreich stammende, beliebte "Gloria", schuf der kesse Kinderchor eine der Jahreszeit entsprechende Stimmung. Beachtlich, dass etliche von ihnen auch vor solistischen Parts nicht zurückschreckten.

Die Erwachsenen wählten zur Eröffnung passend zum Advent einen komplexen Chorsatz des Klassikers "Macht hoch die Tür" und betraten danach sogleich internationalen Boden. Gerhard Thomann prägte mit seiner markanten Stimme als Solist den authentischen Spiritualcharakter von "Deep River", dem Gerald Lauby mit seinem eindrucksvollen Solo im französischen "Cantique de Noel" in nichts nachstand. Drei Lieder aus Leon Jessels Operette "Schwarzwaldmädel", mit denen der MGV 2017 Gast im SWR-Studio Freiburg war, eröffneten den musikalischen Jahresrückblick. Wiederum glänzte Gerald Lauby als stimmgewaltiger Solist. Als Reminiszenz auf das Projektkonzert im Sommer unter dem Motto "Echte Männer und was Männer so belebt", trug der Chor drei anspruchsvolle Lieder vor. Neben dem "Gefangenenchor" aus Verdis Oper Nabucco stach die chorische Interpretation des "Wolgalieds" aus Lehars Operette "Der Zarewitsch" hervor. Sie hob sich wohltuend von der sehr schmalzigen Fassung des einst zum russischen Kosaken stilisierten Berliners Ivan Rebroff ab, die jahrelang überall zu hören war. Ein Auftritt der "Ohrwürmer", dieser mit gut einem Dutzend Sängern ausgegliederten Abteilung des MGV für flotteres Liedgut in gesanglich und choreografisch mitreißender Qualität, durfte nicht fehlen. Herausragend: Das Arrangement von "Ring of Fire", in dem die beiden Solisten Karsten Voss und Claudio Römer-Litzmann dem schnoddrigen Johnny Cash in puncto Coolness in nichts nachstanden.

Den musikalischen Höhepunkt setzte der Gesamtchor mit Liedern, die er beim Badischen Chorwettbewerb erfolgreich vorgetragen hatte und unterstrich damit seine weit überdurchschnittliche Qualität. Beim "Türkischen Schenkenlied" von Felix Mendelssohn-Bartholdy entfaltete sich durch den wahren Furor der verwirrenden, sich überschlagenden Einsätze der verschiedenen Stimmlagen ein gesangliches Feuerwerk und bei "La Montanara" vermisste man keine Sekunde das fehlende Alpenecho, das vielen Aufnahmen dieses Titels beigemischt wird. Ein Ohrenschmaus dann das kroatische Volkslied "Kad si bila mala mare", vorgetragen in rasanter Dynamik, wobei man sich verwundert fragte, wie es den Sängern in diesem Tempo möglich ist, den wahrhaft zungenbrecherischen Text ohne Fehler zu meistern.

Mit drei leichteren Nummern aus dem Musical "Mary Poppins", darunter auch das beliebte "Chim Chim Cheree" und Udo Jürgens "Schenk mir noch eine Stunde" schloss der MGV sein mit großem Beifall bedachtes Jahreskonzert.