"Zweitwagen auf Zeit"

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Fr, 14. Juli 2017

Oberried

Mitglieder der Wohnbaugenossenschaft Ursulinenhof können ab sofort Elektroauto nutzen.

OBERRIED. Die Wohnbaugenossenschaft Ursulinenhof (WGU) in Oberried realisiert auf dem Baugelände Goldmatte im Ortskern von Oberried zwei Mehrfamilien-Wohnblöcke mit 28 Mietwohnungen. Unter dem programmatischen Slogan "Bürger bauen für Bürger" soll bezahlbarer Wohnraum entstehen, der in Oberried dringend gebraucht wird. Dass zu diesem Bauprojekt auch ein zukunftsweisendes Mobilitätskonzept gehört, findet weniger Beachtung.

Das Bauvorhaben hat alle bürokratischen Hürden genommen, der Bauantrag ist eingereicht. Und wenn alles klappt, kann im Oktober mit dem Aushub gestartet werden. Unter dem Motto "Mehr Lebensraum statt Parkraum" plant die WGU für die Wohnungen auf dem Ursulinengelände nur einen Parkplatz pro Einheit. Als Ausgleich sollen dort mindestens zwei Elektroautos zur gemeinsamen Nutzung zum Selbstkostenpreis stationiert werden.

Im März stellte WGU-Vorstandsmitglied Daniel Schneider als Gast bei einer Mitgliederversammlung der Bürgergemeinschaft Oberried (BGO) das Konzept erstmals der Öffentlichkeit vor. Die BZ schrieb damals: Dies sei als Impuls zu verstehen, "nachhaltiges Car-Sharing als Zukunftsmodell gesellschaftsfähig zu machen."

Ziel war damals, schon vor Baubeginn damit zu starten. Jetzt, kaum zwei Monate später, ist es soweit. Am Mittwochabend präsentierte Schneider auf dem Gelände der Kfz-Werkstatt Rieder vor Gästen einen nagelneuen VW-e-Golf. In seiner Ansprache erinnerte er daran, dass dieser "Zweitwagen auf Zeit" nicht immer als Bestandteil des Gesamtkonzepts wahrgenommen worden sei und verschiedentlich die Kritik laut wurde, man solle das Geld der Genossenschafter für Wohnraum ausgeben und nicht für Autos. Dass diese Autos aber letztlich viel Geld sparen, da zum Beispiel keine Tiefgarage gebaut werden muss, werde dabei übersehen.

Auch BGO-Mitglieder können Fahrzeug nutzen

Trotzdem und "um diesen Kritiken keinen Nährboden zu geben" habe er sich entschlossen, das erste Elektrofahrzeug selbst zu finanzieren und kostenfrei der Genossenschaft zur Verfügung zu stellen. Er betonte den Wahlspruch der WGU: In die Zukunft schauen und Alternativen aufzeigen. Die individuelle Mobilität werde sich in der Zukunft deutlich verändern. Schon heute könne man dies an vielen Car-Sharing-Systemen und Mitfahrplattformen erkennen. Dies zeige die Entwicklung vom "ich zum wir" – auch in Oberried. Ab sofort könnten die WGU-Genossen den Elektro-Golf nutzen, darüber hinaus aber auch die Mitglieder der Bürgergemeinschaft. Die BGO habe sich bei der Planung stets mit "guten Ideen und Gedanken für die Zukunft eingebracht" und die WGU immer wirksam bestärkt. Schneider bedankte sich ganz besonders beim Autohaus Rieder. Durch die Überlassung des Fahrzeugs zum Selbstkostenpreis sei Rieder großzügig am Sponsoring beteiligt und stelle auch einen Parkplatz auf Firmengelände als Übergabestation mit Schnelllademöglichkeit zur Verfügung.

Franz-Josef Winterhalter von der BGO sagte in seinem Grußwort, dass eine Schwalbe zwar keinen Sommer mache, diesen aber allemal ankündige und verwies darauf, dass nach neuesten Studien bis zu 90 Prozent des Individualverkehrs durch Car-Sharing-Modelle abgedeckt werden könnten.

Zum Schluss des offiziellen Teils übergab Daniel Schneider die Wagenschlüssel symbolisch an Julia Happel und Johannes Rösch vom Vorstand der WGU, denen er zuvor mit bewegten Worten für die unzählig vielen geopferten Freizeitstunden gedankt hatte. Die ersten starteten darauf hin zu einer Probefahrt, die anderen gingen zum gemütlichen Teil über.

Die Nutzungsbedingungen für das Fahrzeug stehen im Internet unter http://www.wohnbau-genossenschaft.info