Eiskalte Botschaften aus dem All sinnlich serviert

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Fr, 08. Februar 2019

Ortenaukreis

Die Installation [aiskju:b] des aus Oppenau stammenden Konzeptkünstlers und Komponisten Tim Otto Roth jetzt in München.

MÜNCHEN (BZ). Einen fulminanten Auftakt nahm Tim Otto Roths Künstlerkarriere mit dem astronomiebezogenen Projekt "I see what I see not" an der Kunstfassade am Haus der Kommunikation in München, für das er mit dem Internationalen Medienkunstpreis ausgezeichnet wurde. Mit einem neuen Astroteilchenprojekt ist der Konzeptkünstler und Komponist aus Oppenau am Wochenende des 9. und 10. Februar wieder in München zu Gast. In der "Reaktorhalle" zeigt der Sonderforschungsbereich 1258 an der Technischen
Universität München Roths Licht-und-Klang-Installation [aiskju:b]: 444 illuminierte Lautsprecher machen im Kleinen die Struktur des IceCube Neutrino Observatoriums, des am Südpol gelegenen, größten Teilchendetektors der Welt, sinnlich erfahrbar.

[aiskju:b] ist jedoch weit mehr als eine andere Darstellung von naturwissenschaftlichen Ergebnissen, wie der Berliner Kunsthistoriker Professor Horst Bredekamp laut Pressemitteilung hervorhebt: "Das Werk [aiskju:b] ist eine Antwort und keine Wiedergabe." Mit der Installation AIS3 [aiskju:b] nimmt Tim Otto Roth die Struktur des einen Kubikkilometer großen Ice Cube Observatoriums auf, das physisch unzugänglich ist, weil es mit seinen mehr als 5000 Lichtsensoren bis zu drei Kilometer tief in das Eis des Südpols eingefroren ist: An jedem der 37 Drahtseile von Roths Installation hängen zwölf kugelförmige Lautsprecher, die eine begehbare Sound- und Lichtinstallation mit einem Volumen von 8 mal 8 mal 7 Metern eröffnen. Gemessen werden in der absoluten Dunkelheit des arktischen Eises minimale Lichtbewegungen von dem größten und "verrücktesten Teleskop der Welt". Diese Lichtblitze sind eine der wenige Indizien für die Existenz der "Geisterteilchen" – den sogenannten schwach wechselwirkenden Neutrinos – von denen Milliarden pro Sekunde nicht nur unbemerkt durch unseren Körper fliegen, sondern problemlos die ganze Erde durchdringen. In die Installation sind jüngste Daten aus dem Ice-Cube-Experiment eingespeist, welche die gemessenen Neutrino-Energien in Lichter und Klänge übersetzen, die je nach Position im Raum zu unterschiedlichen Klangfarben verschmelzen. Die Besucher können sich frei in und um die Installation bewegen und auf diese Weise nicht nur eine einzigartige Perspektive auf die Geschehnisse in Ice-Cube bekommen, sondern werden sich zugleich unsichtbarer Prozesse bewusst, die uns tagtäglich umgeben.

[aiskju:b], Reaktorhalle München, Luisenstraße 37 a, 9. und 10. Februar, 10 – 20 Uhr