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11. Juli 2011
"Schnelles Training mit nervlicher Anspannung"
Triathlon in Offenburg oder der unnachahmliche Antritt des Weltmeisters Javier Gomez und die Ein-Frau-Show der Olympiasiegerin Emma Snowsill.
TRIATHLON. Klasse statt Masse hatte der "Hansgrohe World Supersprint" am Samstag in Offenburg zu bieten. Nach 750 Metern Schwimmen im Gifizsee, 20 Kilometern auf ihren Hightech-Rädern und dem Lauf über fünf Kilometer freuten sich die Favoriten im Ziel am Gifizsee über den Applaus des Publikums und stattliche Siegprämien: Der zweimalige Weltmeister Javier Gomez (Spanien) kassierte für seinen souveränen Sieg 10 000 US-Dollar, Olympiasiegerin Emma Snowsill aus Australien für ihre "Ein-Frau-Show" die Hälfte.
16 Männer hatten sich am Ufer des Gifizsees zum Schwimmstart aufgereiht – ein überschaubares Bild für Fotografen, Triathlonfans und Badegäste. Für die internationale Note sorgte neben Gomez, dem amtierenden Weltmeister über die doppelt so lange olympische Distanz, der Südafrikaner Richard Murray, der erst drei Tage vor dem Start für den Sprintwettkampf in der Ortenau nachgemeldet hatte. Während die Zuschauer ein paar Regentropfen abbekamen, kämpften die Triathleten im Wasser um aussichtsreiche Positionen. Gomez und Daniel Unger, der schwäbische Weltmeister von 2007 aus Bad Saulgau, bekamen bei ihrem angekündigten Zweikampf Konkurrenz. Der 20-jährige Maximilian Schwetz (SSG Erlangen) eroberte sogar die Spitzenposition und rannte nach 9:18,5 Minuten zum Erstaunen vieler als Erster aus dem Wasser in die Wechselzone zu seinem Rad. 4,2 Sekunden später folgte ihm Gomez, Unger hatte als drittschnellster Schwimmer die erste Teildisziplin nach 9:24,4 Minuten hinter sich gebracht, dicht gefolgt von Christian Löhner (ALZ Sigmaringen), der auf dem Rad jedoch schnell den Anschluss verlor.Werbung
Nicht so Schwetz: Der junge Schwimmspezialist aus Erlangen behauptete sich zwischen den beiden Weltklasseathleten und wechselte sich auf den vier Radrunden à fünf Kilometer auf dem flachen Offenburger Südring in der Führungsarbeit mit ihnen ab. Nach der halben Raddistanz lag das Trio rund 40 Sekunden vor dem elfköpfigen Verfolgerfeld, das seinen Rückstand in der dritten Runde um zehn Sekunden verringern konnte. Weitere fünf Kilometer später stellte Schwetz sein Rad vor Gomez und Unger in der Wechselzone ab, Unger lief danach als Erster los, Gomez als Dritter.
Daniel Unger
Beim Zieleinlauf nach der letzten Laufrunde klatschte Gomez entspannt die Zuschauerhände ab, die sich ihm entgegenreckten. 14:31 Minuten hatte er für die letzte Disziplin gebraucht, Murray war als zweitschnellster Läufer 31,4 Sekunden länger unterwegs. 53:12 Minuten lautete die Siegerzeit, Unger beendete den "World Supersprint" nach 53:59,8 Minuten als Zweiter vor Murray (54:39,8).
Er habe sich gut gefühlt in diesem "tough race", erklärte der strahlende Gomez auf Englisch und lobte auch das Publikum an der Strecke. Gegen Unger zu gewinnen sei niemals leicht, sagte er noch artig über seinen Weltmeisterkollegen. Der hatte beim Rennen seines Hauptsponsors die "Heimspiel-Atmosphäre" genossen und bei dem "schnellen Training mit nervlicher Anspannung" Riesenspaß gehabt, wie er versicherte. Unger und Gomez passte der Supersprint ebenso wie den besten Frauen gut ins Vorbereitungsprogramm für den World-Series-Wettkampf in einer Woche in Hamburg und die Olympia-Qualifikation in vier Wochen in London. Der 23-jährige Offenburger Maurice Clavel, der in Freiburg Sport und Geschichte studiert, zeigte sich nach Rang acht "müde, aber zufrieden". Nach seinem Bundesliga-Rennen am Schliersee vor einer Woche habe ihm die Spritzigkeit gefehlt.
Im Rumpffeld der zuerst gestarteten sieben Frauen – neben der erkälteten deutschen Meisterin Ricarda Lisk gab es weitere kurzfristige Ausfälle – hatte Emma Snowsill nach dem Schwimmen schon 42 Sekunden Vorsprung. Den vergrößerte die 30-jährige Olympiasiegerin bis zu ihrem Zieleinlauf nach 1:00:48,8 Stunden auf knapp drei Minuten vor der in Freiburg lebenden Thüringerin Kathrin Müller (1:03:44,6). Einsam habe sie sich unterwegs aber nicht gefühlt, weil das tolle Publikum sie anfeuerte, verriet Snowsill lächelnd. Es waren zwar bei weitem nicht die von Organisator Jörg Scheiderbauer anvisierten 5000, doch wer da war, hatte starke Leistungen einiger gut gelaunter Weltklasseathleten miterlebt.
Autor: Annemarie Zwick
