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19. Juni 2012

Offenes Herz, Symbol für Verwundbarkeit und Schmerz

Pfarrgemeinde Heiligenzell feiert das Patrozinium ihrer Herz-Jesu-Kirche / Anschauliche Festpredigt / Kirchenchor singt Missa in C.

  1. Die Missa in C von Eberlin sang der Kirchenchor beim Patrozinium. Foto: heidi fössel

FRIESENHEIM-HEILIGENZELL (rte). Ein Ideal zeichnet sich dadurch aus, dass es im Alltag immer präsent, aber kaum wahrgenommen wird. Diese Botschaft hat Pfarrer Stefan Jelinec in den Mittelpunkt seiner Predigt zum Patrozinium in der voll besetzten Herz-Jesu-Kirche in Heiligenzell gestellt. Den Festgottesdienst gestaltete der Kirchenchor mit der Missa in C von Johann Ernst Eberlin (1702-1762) mit. Die Kinder feierten ihr eigenes Kirchenfest und schlossen sich später der Prozession in der festlich geschmückten Kirche an.

"Was haben Sie am ersten Mai gemacht?" fragte Jelic eingangs die Gottesdienstbesucher. "Dieser Tag ist ein schönes Beispiel dafür, wie das Ideal der Arbeit durch den Verzicht auf Arbeit gewürdigt wird," so Jelic. Wie die Arbeit, so gehöre auch die Liebe Gottes zu den Begleitern des Alltags; mit dem Patrozinium solle die immerwährende Liebe Gottes aus ihrem "Schattendasein" herausgeholt und an einem besonderen Tag gefeiert werden. Jelic berichtete, wie es zu dem Namen Herz-Jesu-Kirche kam: Im 19. Jahrhundert, auf Anweisung von Papst Pius IX. entstand die Herz-Jesu-Verehrung als ein Sinnbild der Herzensoffenheit und der Weltzugewandtheit. Die Verehrung bezieht sich auf die Textstelle im Evangelium, in der ein Soldat dem gekreuzigtem Christus die Lanze in die Seite sticht, aus der Wunde fließen Wasser und Blut. So sei das offene Herz Jesu auch ein Symbol der Verwundbarkeit und des Schmerzes. Jelic erläuterte den Zusammenhang von Leiden und Leidenschaft, von Passion und Passionsgeschichte. Beides gehöre zusammen.

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Der Pfarrer zeigte auch anschaulich, wie Sprachen das Herz zur Lebensmitte machen. Herz und Schmerz reimen sich nicht nur im Deutschen, sondern mit coeur und peur auch im Französischen, im Englischen liegen heart (Herz) und hard (schwierig, hart) nahe beieinander. Die Sprache zeige die leidenschaftliche Hingabe Gottes an die Welt und die Menschen. Leidenschaft gehe oft an Grenzen des Erträglichen, wie es im Alltag beispielsweise Eltern behinderter Kinder erlebten. Und doch würden sie ihr Kind niemals gegen ein nicht behindertes eintauschen. Leidenschaftliche Liebe könne auch den Tod überwinden. "Schon auf der Erde gibt es Auferstehung", schloss Jelic.

Autor: rte