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03. Juli 2009

Die Tram macht Kehl zur Straßburger Vorstadt

Kehls OB Günther Petry und der Straßburger Bürgermeister Jacques Bigot stellen in Kehl ein zentrales Zukunftsprojekt vor

KEHL. Wie zu erwarten, gab es große Zustimmung für die Verlängerung der Straßburger Straßenbahn bis zum Bahnhof Kehl. Jeder, der sich am Dienstagabend bei der öffentlichen Anhörung zu dem Projekt in der Kehler Stadthalle aus dem Publikum mit Fragen oder Anregungen meldete, äußerte sich positiv: "Ich begrüße es sehr, ich freue mich, ich finde es toll, es ist super . . . " Derlei Bekundungen gab es viele, zur Freude von Kehls OB Günther Petry und Jacques Bigot, dem Vorsitzenden der Stadtgemeinschaft Straßburg (CUS) auf dem Podium.

Dennoch war nicht alles eitel Freude. Etliche der Anwesenden, teils Kehler, teils Straßburger Bürger, forderten eine Weiterführung der Trasse auf Kehler Seite bis zum Marktplatz oder dem Rathaus. Andere wollten, dass die Buslinie zwischen Kehl und Straßburg auch nach Realisierung des Tramprojektes bestehen bleiben solle, da diese Busse auch die Kehler Innenstadt anfahren. Leichter zu realisieren als diese beiden Wünsche dürfte der Vorschlag eines Shuttle-Dienstes von der Tramhaltestelle Kehl Bahnhof in die Innenstadt ein. "Das ist ein Vorschlag, über den wir nachdenken werden", sagte Petry dazu.

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Jacques Bigot erläuterte die Hintergründe für die Osterweiterung der Tram Straßburg aus Sicht der CUS, die als übergeordnete Einrichtung für die Verkehrsplanung zuständig ist. Man wollte das stark akzeptierte und gut frequentierte Verkehrsmittel als Magnet und Motor für die Entwicklung der Europa-Metropole zum Rhein hin nutzen. Deshalb wird es zwischen dem jetzigen Endhaltepunkt "Aristide Briant" und dem Bahnhof Kehl in den künftigen Stadtquartieren "Mole de la Citadelle", "Starlette", "Cooperative" und "Port du Rhin" vier weitere Haltestellen geben, vielleicht sogar fünf, falls eine Haltestelle direkt am französischen Rheinufer realisiert wird. Der Garten der zwei Ufer soll auf französischer Seite jedoch Park bleiben und nicht verbaut werden. Bigot kommt es mit dem Schritt über den Rhein darauf an, ein Netz für das gesamte Ballungsgebiet Straßburg-Kehl zu schaffen und ein Signal für die grenzüberschreitende Politik zu setzen. Den ungeduldigen Kehlern rief er zu: "Dies ist ein erster Schritt! Die Tram wird eines Tages in Kehl weitergeführt werden."

Wie Kehls Stadtplaner Jürgen Rauch darlegte, soll die Straßenbahn auf Straßburger Seite parallel zur Route Nationale 4 verlaufen, die sich zu einem Stadtboulevard entwickeln soll, vierspurig, mit Radweg, die beiden Tramgleise daneben. Zugleich wolle die CUS am Rhein entlang eine Nord-Süd-Achse bauen, um die nördlichen Hafengebiete mit den südlichen zu verbinden, inklusive einer Anbindung an die Europabrücke. Dadurch und durch die Tram soll sich der Verkehr auf der RN 4 verringern.

Planerin: Eine eigene Trambrücke über den Rhein ist unerlässlich
Eine eigene Trambrücke über den Rhein sei unerlässlich. Weder die Europabrücke noch die neue Eisenbahnbrücke könnten die Tram aufnehmen. Anne-Catrin Norkauer, Ingenieurin des Karlsruher Spezialistenbüros für deutsch-französische Planungen TTK, schätzt die Kosten für die Brücke auf 20 bis 30 Millionen Euro. Sie soll neben der Tram auch einen Radweg aufnehmen. Zur Auswahl stehen unterschiedliche Konstruktionsweisen, auch ist die exakte Verkehrsführung noch offen, da man das Zollhof-Gelände auf Kehler Seite möglichst wenig durchschneiden will.

Die Überquerung der Hafenstraße wird eine Ampelregelung notwendig machen. Die Haltestelle wird auf dem Bahnhofsvorplatz sein, mit überdachten Bahnsteigen. Kostenpunkt: Fünf bis sieben Millionen Euro. Ziel sei ein Baubeginn schon im Jahr 2011.

In der Kehler Stadtbibliothek ist das Projekt auf Schautafeln bis zum 8. Juli dargestellt. Dort können auch Einwände oder Anregungen abgegeben werden.

Autor: Robert Ullmann