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12. Juni 2010
Eine Million für Kinderakademien
Mehr Geld für besonders begabte Jungen und Mädchen im Ortenaukreis / Fünf Standorte sollen ausgebaut werden.
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Hintere Reihe (von links): Peter Cleiß von der Bildungsregion, Techniklehrer Gerhard Friedrich, Alexandra Herrmann (Bildungsregion) sowie die beiden Vertreter des staatlichen Schulamtes, Joachim Schwab und Bernhard Peschke. Vordere Reihe: Die fünf Leiter/innen der Ortenauer Kinderakademien Christiane Hellwig (OG), Ingrid Fugmann (Lahr), Edgar Gleiß (Achern), Rosemarie Armbruster (Wolfach) und Alexandra Busam (Kehl). Foto: siefke
OFFENBURG. Besonders begabte Mädchen und Jungen im Ortenaukreis erhalten künftig mehr Unterstützung: Dank Fördermitteln von insgesamt einer Million Euro sollen in den kommenden zehn Jahren die fünf Ortenauer Hector-Kinderakademien ausgebaut werden. Trägerin der zusätzlichen Angebote ist die Bildungsregion Ortenau, die sich um Verwaltung und Zuteilung der Zuschüsse kümmert.
An der Grundschule in Zell-Weierbach gibt es seit Ende 2004 die erste Kinderakademie: Sie entstand "aus schierer Not der Eltern", die mit ihren "hoffnungslos unterforderten Sprösslingen" nicht mehr weiter wussten, beschreibt Joachim Schwab die Ausgangssituation. Der Schulamtsdirektor, der für die Begabtenförderung verantwortlich ist, wertet die Einrichtung als Erfolg: "Wir haben etwas auf die Beine gestellt – und es ist gut geworden." Wie Rektorin Christiane Hellwig ausführte, werden jeden Montagnachmittag 60 Kinder des letzten Kindergartenjahrs bis zur 4. Klasse anderthalb Stunden zusätzlich unterrichtet. Es gibt vertiefende Angebote in Philosophie, Technik, Mathematik, aber auch Sprachkurse in Türkisch und Chinesisch.Werbung
Als das Staatliche Schulamt vor anderthalb Jahren erfuhr, dass die Hector-Stiftung die Begabtenförderung unterstützt, wurden vier weitere Kinderakademien in Achern, Kehl, Lahr und Wolfach eingerichtet. Diese Verteilung wertete der leitende Schulamtsdirektor Bernhard Peschke als "spektakulär flächendeckend". Der Ortenaukreis nimmt damit eine Spitzenstellung ein, denn von den 13 Kinderakademien in ganz Baden-Württemberg befinden sich fünf zwischen Rhein und Schwarzwald. Dass die Bildungsregion Ortenau die Organisation übernommen hat, bezeichnete Peschke als "Glücksfall". Für deren Vorsitzenden Peter Cleiß habe sich diese Aufgabe aufgedrängt, denn schließlich sei es Anliegen seines Vereins, "Bildung in all seinen Facetten zu unterstützen". Auch das Schulamt setze sich für Bildungsangebote ein, die verschiedene Zielgruppen zu ihrem Recht kommen lassen, so Peschke. Um nicht in den Verdacht zu geraten, einseitig Elitenförderung zu betreiben, verwies Peschke darauf, dass der Kreis insgesamt 20 Millionen Euro investiere, um Kinder mit Sprachdefiziten zu unterstützen: "Das sind junge Menschen, deren Begabung wir noch nicht erkennen können."
Dagegen nimmt sich die Stiftersumme von einer Million für einen Zeitraum von zehn Jahren bescheiden aus, wobei die beteiligten Schulen von einer "guten finanziellen Spritze" sprechen. Mit dem Geld soll vor allem das Honorar für die zusätzlichen Lehrkräfte bezahlt werden. Gefragt sind nicht ausschließlich Fachpädagogen, sondern auch Leute von außerhalb, etwa eine Krankengymnastin oder ein Ingenieur. "Für die Kinder ist es sehr anregend, wenn nicht nur Lehrer unterrichten", sagt Christiane Hellweg. Alle fünf Leiter/innen der Kinderakademien haben bislang gute Erfahrungen gemacht: "Wir haben sehr positive Rückmeldungen bekommen", versichert etwa Ingrid Fugmann von der Grundschule Mietersheim. Es gehe darum, Kinder zu fördern, die sehr viele Interessen mitbringen.
Gerade in technischen Bereichen werden zusätzliche Angebote gemacht, aber auch geisteswissenschaftliche Fächer sollen nicht zu kurz kommen. So plant Edgar Gleiß von der Grundschule in Achern, künftig an Samstagen einen Kompaktkurs in Philosophie anzubieten. Auch mit ansässigen Firmen wird kooperiert, um den Kindern ein möglichst breites Wissensspektrum zu vermitteln. Entscheidendes Aufnahmekriterium ist eine Empfehlung der Klassenlehrer.
Autor: Gertrude Siefke
