Hilfe für Menschen in seelischer Not

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Di, 12. September 2017

Ortenaukreis

Vor einem Jahr wurde die Beratungs- und Beschwerdestelle für psychisch erkrankte Menschen und Angehörige eingerichtet.

ORTENAU (BZ). "Ich weiß nicht mehr weiter", sagt eine ratlose Mutter am Telefon. Am anderen Ende der Leitung sitzt eine Mitarbeiterin der Informations-, Beratungs- und Beschwerdestelle für psychisch erkrankte Menschen und Angehörige (IBB). "Mein Sohn liegt nur im Bett, steht nicht mehr auf, geht nicht mehr an seine Ausbildungsstelle und hat an nichts Interesse." Solche und ähnliche Anfragen landen oft bei einer der fünf IBB-Stellen im Ortenaukreis.

Vor genau einem Jahr hat die Beratungsstelle im Ortenaukreis ihre Arbeit aufgenommen. Sechs Ehrenamtliche wurden für diese Aufgabe vom Kreistag bestellt. Sie bieten seither neben der telefonischen Kontaktmöglichkeit jeweils einmal monatlich kostenlose Sprechstunden in den Räumlichkeiten der freien Wohlfahrtspflege in Achern, Hausach, Kehl, Lahr und Offenburg an. Betroffene und/oder Angehörige von Menschen mit einer psychischen Erkrankung können dort ihre Anliegen besprechen oder Beschwerden vorbringen.

Stelle ist durch Betroffene, Angehörige, Fachleute besetzt

Das flächendeckende Angebot der IBB-Stelle ergänzt laut Pressemitteilung die vorhandene wohnortnahe Versorgung für Menschen mit psychischer Erkrankung, die der Ortenaukreis bereits seit Gründung eines gemeindepsychiatrischen Verbundes im Jahr 2006 bereitstellt.

"Unseren Verbund haben wir dazu im Jahr 2017 erneuert und um neue Vertragspartner erweitert, sodass wir Menschen mit einer psychischen Erkrankung und ihren Angehörigen sowie Personen aus ihrem sozialen Umfeld bei Fragen und Beschwerden eine weitere Unterstützung anbieten können", berichtet Georg Benz, Sozialdezernent im Landratsamt Ortenaukreis. Mittlerweile arbeiten 24 Vertragspartner aus den Psychiatrischen Kliniken, kirchlichen und wohltätigen Verbänden, Werkstätten und Wohnangeboten für psychisch erkrankte Menschen daran, Hilfeangebote im Ortenaukreis zu entwickeln und zu vernetzen.

Die Stelle ist durch Betroffene, Angehörige und unabhängige Fachleute besetzt, die der Schweigepflicht unterliegen. Die in Offenburg erreichbare Ansprechpartnerin erfüllt die Funktion der Patientenfürsprecherin. "Wir sind froh, dass wir sechs Ehrenamtliche gefunden haben, die psychisch erkrankten Menschen und ihren Angehörigen auf Augenhöhe begegnen. Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass die Hemmschwelle der Patienten, sich Hilfe zu holen, dadurch verringert wird", so Benz.

Die Einrichtung einer Beratungsstelle und Patientenfürsprecher schreibt das 2015 in Kraft getretene Gesetz über Hilfen und Schutzmaßnahmen bei psychischen Krankheiten vor. In diesem Gesetz werden unter anderem Hilfeangebote für Menschen mit einer psychischen Erkrankung definiert, mit dem Ziel, diesem Personenkreis eigenverantwortliches und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Zu diesen Hilfen gehören insbesondere Beratung, Betreuung, Hinführung zur ärztlichen oder psychotherapeutischen Behandlung sowie die Vermittlung von Hilfen zur Selbsthilfe und Ehrenamt.

Informationen zu den IBB-Stellen gibt es auf der Website des Landratsamts, abrufbar unter mehr.bz/ibb2017