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20. Januar 2014

Klaus Brodbeck als Retter in der Not

Der frühere Landrat soll den wirtschaftlich maroden Kreis Unstrut-Hainich retten, was dem amtierenden Landrat nicht schmeckt.

  1. Bei seiner Verabschiedung im Oktober 2008 dirigierte Brodbeck die Achertäler Blaskapelle, bald wird er aller Voraussicht nach in Thüringen das Zepter schwingen. Foto: archivfoto: hubert röderer

ORTENAU (ddn). Der frühere Landrat Klaus Brodbeck ist im Osten der Republik als Retter in der Not unterwegs. Nach seinem Amtsverzicht vor gut fünf Jahren hat er mit einer eigenen Unternehmensberatung ganz unten angefangen. Doch der Verwaltungsfachmann hat sich in Thüringen zügig nach oben gearbeitet. Und er wird, wenn der amtierende Landrat nicht noch erfolgreich dagegen klagt, bald wieder an entscheidender Stelle die Geschicke einer Kreisverwaltung lenken.

Zwar bleibt der Landrat im Unstrut-Hainich-Kreis, Harald Zanker (SPD), im Amt, doch Brodbeck hat dann als Zwangsverwalter die Aufsicht über die Kasse – und damit im Grunde auch das Sagen. Ein in ganz Deutschland bislang einmaliger Vorgang, wie die Thüringer Allgemeine dazu schreibt.

Ein bequemer Job wird es freilich nicht für den mittlerweile 57 Jahre alten Brodbeck, vor seiner Landratstätigkeit Bürgermeister von Renchen: Mit mehr als 180 Millionen Euro Verbindlichkeiten steht der nur 110 000 Einwohner große Kreis in einer strukturschwachen Gegend, ausgestattet mit ebenfalls klammen Kommunen, am Rande des Abgrunds. Das ist auch der Grund, warum Brodbeck vom Land Thüringen als Verwalter in das Landratsamt geholt wurde. Er soll dafür sorgen, dass der Haushalt saniert wird. Wie er dies machen will, lässt Brodbeck noch offen: "Es gibt ein Haushalts-Sanierungskonzept, das ich noch nicht kenne. Es wäre etwas voreilig, jetzt schon eine Marschrichtung vorzugeben."

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Der ehemalige Landrat hatte mit seiner "Klaus Brodbeck Kommunal- und Unternehmensberatung" zunächst durchaus kleinere Brötchen gebacken. In den vergangenen vier Jahren hat er geholfen, die Haushalte einer ganzen Reihe von Städten und Gemeinden in Ordnung zu bringen – unter anderem 2012 immerhin den von Eisenach und im vergangenen Jahr den Etat der Stadt Bleicherode im Südharz. Das und seine kommunalpolitischen Erfahrungen bei der Gemeindeprüfungsanstalt sowie an der Spitze von zwei Kommunalverwaltungen haben ihn für weiter gehende Aufgaben empfohlen. Seit Jahresbeginn hat Brodbeck eine Wohnung in Weimar – "nur 100 Meter von Goethes Wohnhaus entfernt", wie er sagt, am Sonntag war nach dem Mittagessen in Renchen bereits wieder Kofferpacken angesagt.

Brodbeck soll helfen, die "Verwaltungsgemeinschaft Nordkreis Weimar" aus der Taufe zu heben, 16 Gemeinden mit insgesamt 8500 Einwohnern unter einen Hut zu bringen. Denn in Thüringen hat es eine Kommunalreform nach baden-württembergischem Vorbild nie gegeben, die Gemeinden blieben selbstständig, das Tagesgeschäft aber wird von einer gemeinsamen Verwaltung erledigt. Brodbecks Aufgabe dabei: Die bislang zwei Gebietskörperschaften dort zu einer einzigen zusammen zu schmieden.

Wie viel Zeit ihm dafür bleiben wird, steht jetzt freilich in den Sternen: Die Sanierung eines finanziell nicht eben auf Rosen gebetteten Landkreises dürfte ihn erheblich in Anspruch nehmen, zumal noch nicht klar ist, was der amtierende Landrat Harald Zanker on seinem neuen "Berater" hält. Lokalen Medien zufolge ist er seit 1994 im Amt und umstritten. Er wurde einst als Elektronikfacharbeiter und SED-Mitglied noch 1989 zum Dorfbürgermeister gewählt.

Brodbeck schließt nicht aus, dass es um die am vergangenen Montag verkündete Entscheidung des Landes, ihn zu bestellen, noch juristische Auseinandersetzungen geben wird. Der amtierende Landrat jedenfalls sprüht derzeit nicht eben vor Begeisterung: Er werde "die ganze Geschichte sacken lassen", bevor er sich äußere, wird Zanker in einer Lokalzeitung zitiert, die davon spricht, dass die Macht des Landrats "halbiert" werde. Was Premiere wäre nicht nur in Thüringen. Sie soll, wenn es kommt wie geplant, am 3. Februar starten.

Autor: ddn