"Das ist ein Weltrekord"

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Von dpa

Di, 17. Oktober 2017

Panorama

BZ-INTERVIEW:Hurrikan-Experte Andreas Friedrich erklärt, was Ophelia so einzigartig macht.

FREIBURG/OFFENBACH. Wenn von einem Hurrikan die Rede ist, sind davon meist Karibikstaaten oder andere Länder Amerikas betroffen. Ex-Hurrikan Ophelia richtete nun in Irland Schäden an. Wie es dazu kommen konnte, erklärt Hurrikan-Experte Andreas Friedrich im Interview mit Sarah Beha.

BZ: Herr Friedrich, wie gelangt ein ehemaliger Hurrikan nach Irland?
Friedrich: Das ist eine ungewöhnliche Zugbahn für einen tropischen Wirbelsturm. Normalerweise bilden sich diese Stürme auf dem Atlantik und ziehen Richtung Westen. Ophelia hat Ostkurs genommen, ist über den Atlantik gezogen und hat sich dabei knapp südlich der Azoren sogar nochmal auf die Stärke Drei auf der fünfteiligen Saffir-Simpson-Hurrikan-Skala verstärkt. Das ist ein Weltrekord. Seitdem es die Aufzeichnungen gibt, hat es noch nie den Fall gegeben, dass ein Hurrikan so weit östlich über dem Atlantik noch einmal die Stärke Drei erreicht hat.
BZ: Wieso hat "Ophelia" diesen ungewöhnlichen Kurs eingeschlagen?
Friedrich: Weil sich dieser Hurrikan sehr weit nördlich gebildet hat. So gelangte er nicht mehr in die Passatwindzone und konnte nicht Richtung Karibik oder Mittelamerika getragen werden. Dass er sich so weit nördlich bilden konnte, liegt zum einen an den Wassertemperaturen im Atlantik, die dieses Jahr höher als normal sind, aber auch Bedingungen in der Atmosphäre spielen eine Rolle. Alle paar Jahre kommt es zu solchen Konstellationen. Der Kurs ist also nicht neu, die Stärke des Sturms, und dass er so weit nach Norden gelangte, durchaus.
BZ: Und die Konsequenzen dieses Rekords bekommen auch wir zu spüren.

Friedrich: Genau. Die warme Luft aus Nordafrika und dem Mittelmeer, die Ophelia mit im Gepäck hatte, konnte durch die hohen Windgeschwindigkeiten bis nach Deutschland gelangen. Deshalb hatten wir seit dem Wochenende diese warmen Temperaturen. Am Sonntag hatte es zum Teil bis zu 27 Grad im Rheingraben. An mehr als 30 Wetterstationen wurden neue Rekorde aufgestellt. So warm war es dort seit Beginn der Wetteraufzeichnungen zu dieser Zeit noch nie.

Andreas Friedrich (60) ist Diplom Meteorologe, Tornado- und Hurrikan-Experte. Er arbeitet seit 1994 für den Deutschen Wetterdienst und ist dort in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig.