Ein neuer Aufschrei beschäftigt das Land

dpa

Von dpa

Sa, 21. Oktober 2017

Panorama

Unter dem Schlagwort #metoo berichten unzählige Frauen über Sexismus und sexuelle Übergriffe.

BERLIN (dpa). Mit einem Skandal um den Hollywoodproduzenten Harvey Weinstein hat es angefangen – jetzt diskutiert auch Deutschland wieder über Sexismus. #metoo – Ich auch – heißt das Hashtag, unter dem Frauen ihre Erfahrungen damit teilen.

Das Echo auf das Hashtag, das Schlagwort im Netz, ist groß. Hunderttausende Frauen teilen ihre Erfahrungen mit Chauvinismus, Sexismus und sexualisierter Gewalt. Auch deutsche Schauspielerinnen äußerten sich zu Sexismus und Übergriffen in der deutschen Film- und Fernsehbranche. Selbst die schwedische Außenministerin Margot Wallström hat von sexueller Belästigung auch in Kreisen der Politik berichtet. "Ich will nicht zu persönlich davon erzählen, aber ich kann bestätigen, dass das auf höchstem politischen Niveau vorkommt und dass sogar ich das erlebt habe", sagte sie der schwedischen Nachrichtenagentur TT.

Mehr als vier Jahre nach der "#Aufschrei"-Debatte gibt es einen neuen Aufschrei. Unter diesem Hashtag war damals eine Debatte über Sexismus in der Gesellschaft losgebrochen. "Viele lassen sich vom Mut anderer anstecken, die unter dem Hashtag über ihre Erfahrungen schreiben", sagt Anne Wizorek, die die #Aufschrei-Debatte damals mitinitiiert hat. Auch die #metoo-Bewegung ist nicht neu.

Initiiert wurde sie vor zehn Jahren von der afroamerikanischen Aktivistin Tarana Burke, die damit schwarzen jungen Frauen helfen wollte. Jetzt wurde das Schlagwort durch den Fall Weinstein wiederbelebt.

Doch kann ein #metoo etwas verändern – für die ganz normale Frau, die nicht im Scheinwerferlicht steht? Wizorek betont, dass Sexismus nicht das Problem einer bestimmten Industrie sei, sondern ein gesamtgesellschaftliches. Außerdem dürfe man die Breitenwirkung der Aktion nicht unterschätzen. "Die Botschaft ist: Du bist nicht allein. Du bist nicht schuld. Du kannst dir Hilfe holen."

"Wir müssen uns bei diesen Fällen immer wieder fragen: Was ist der Nährboden hierfür? Was können wir als Gesellschaft tun, um diese Gewalt zu verhindern?", sagt Wizorek.

Stevie Schmiedel sieht durchaus auch Gefahren bei der Aktion. Sie ist Gründerin der Initiative Pinkstinks, die gegen Sexismus in Medien und Werbung kämpft. "Ich will niemanden kritisieren, der sich an der Aktion beteiligt", betont sie. Aber es dürfe für Frauen auch kein Druck entstehen, mitmachen zu müssen, um ein Zeichen zu setzen. "Immer wieder dieses emotionale Nackigmachen – muss das sein?", fragt sie.

Schwierig sei außerdem, immer nur Frauen und Mädchen ins Zentrum dieser Debatte zu stellen, findet Geschlechterforscherin Katja Sabisch von der Universität Bochum. Sie ist der Ansicht, jetzt seien die Männer mal dran – und wünscht sich ein neues Hashtag, bei dem sich Männer zu Wort melden.