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25. November 2016 12:43 Uhr

Zuflucht

Im Südwesten gibt es zu wenig Frauenhäuser

Tausende Frauen sind jedes Jahr Opfer von häuslicher Gewalt. Aber die Frauenhäuser im Südwesten leiden unter Unterfinanzierung und müssen Hilfsbedürftige abweisen.

  1. Leni Breymaier Foto: Grabherr

SPD-Landeschefin Leni Breymaier fordert anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen vom Land eine finanzielle Absicherung der Frauenhäuser. Damit rennt sie beim Sozialministerium offene Türen ein, das eine dauerhafte Absicherung der Frauenhausfinanzierung in Aussicht stellt.

Viele schutzbedürftige Frauen fielen wegen der komplizierten Finanzierung durch das Raster und müssten sich weiter gefährlichen Situationen aussetzen, monierte Breymaier. Grund: Voraussetzung für die Kostenübernahme der Tagesentgelte durch die Stadt- und Landkreise sowie Jobcenter ist der Bezug von Hartz IV. Dies benachteilige ganze Gruppen von Frauen, etwa Rentnerinnen, Studentinnen oder Berufstätige, die die Kosten selbst tragen müssten.

Davon waren nach Angaben des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes im vergangenen Jahr 161 Frauen mit 118 Kindern betroffen. "Gewalt gegen Frauen kommt in allen gesellschaftlichen Schichten vor", sagte Breymaier. Essentiell sei, dass der Zugang zur Beratung und zur Unterkunft in Frauenhäusern unabhängig von Einkommen, Wohnort und Aufenthaltsstatus sichergestellt werde, betonte Sozialstaatssekretärin Bärbl Mielich (Grüne).

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Die Unterstützung des Landes müsse von bislang 600 000 Euro auf fünf Millionen Euro im Jahr erhöht werden, um diese Lücken zu schließen, forderte Breymaier. Die derzeitige Landesfinanzierung ist nach Angaben des Verbandes die geringste in Deutschland. Mit 40 Frauenhäusern sei noch nicht mal in jedem Landkreis eine Schutzmöglichkeit vorhanden, sagte Sabine Brommer vom verbandsübergreifenden Arbeitskreis Frauenhausfinanzierung. Sie nahmen im vergangenen Jahr 1509 Frauen und 1663 Kinder auf, wobei die Zahlen nicht gravierend von den Vorjahren abweichen. Weiße Flecken seien der Kreis Böblingen, der Südschwarzwald und der Raum Neckar-Odenwald.

Mielich sagte, es gebe bislang keine aussagekräftige landesweite Statistik darüber, wie viele Frauen tatsächlich keinen Platz in einem Frauenhaus bekommen. Dies sei aber für eine verlässliche Planung notwendig. "Gewalt gegen Frauen ist unerträglich und wird von der Landesregierung entschieden bekämpft", betonte sie. Dabei helfe der Landesaktionsplan.

Der dringend notwendige Ausbau der Zufluchtsstätten werde durch den Finanzierungsmodus mit Tagesentgelten gebremst, erläuterte Breymaier. Dabei seien Leerstände nötig, um überhaupt Frauen aufnehmen zu können. Die Knappheit an Plätzen führe auch dazu, dass Frauen aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen und nur in weit entfernten Frauenhäusern oder sogar in anderen Bundesländern Schutz suchen müssten.

Im Raum Stuttgart sind alle Frauenhäuser dicht, jeden Tag müssen ein bis zwei Frauen abgewiesen werden, berichten Frauenhaus-Mitarbeiterinnen. Die Zahl der verfügbaren Plätze müsse erhöht werden, forderte Brommer. Als Richtgröße nennt sie ein Frauenhausplatz pro 7500 Einwohner. Dann müssten die Plätze im Südwesten mehr als verdoppelt werden.

Autor: dpa