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30. November 2012

Illegal importiert

Instrumente aus geschützen Hölzern

Viele hochwertige Instrumente sind aus Rio Palisander gefertigt – doch der ist streng geschützt.

  1. RESTRICTED TO EDITORIAL USE, MANDATORY MENTION OF THE ARTIST UPON PUBLICATION, TO ILLUSTRATE THE EVENT AS SPECIFIED IN THE CAPTION Foto: AFP ImageForum

BONN (dpa/adi). Musikfreunde aufgemerkt: Hochwertige Gitarren, Flöten, Klaviere, Heimorgeln, Fagotte oder Klarinetten könnten illegal aus edlem Palisanderholz gefertigt sein. Deshalb rät das Bundesamt für Naturschutz (BfN) zur Vorsicht beim Kauf. "Auf jeden Fall sollte der Kunde beim Verkäufer nachfragen, welches Holz verarbeitet wurde", sagte Thomas Graner vom BfN am Donnerstag in Bonn. Für Rio Palisander (Dalbergia nigra) gelten international hohe Schutzbestimmungen, weil diese Holzart aus dem brasilianischen Regenwald als gefährdet gilt.

Es gebe allerdings ein erhebliches Defizit bei der Überwachung der Regelungen, sagte Graner. Trotz des seit 1992 geltenden Handelsverbotes würden weiter mit dem seltenen Holz Geschäfte gemacht. "Wir gehen davon aus, dass seit 1992 weit mehr als 100 000 Gitarren illegal in die EU-Länder eingeführt worden sind." Und in Deutschland seien 2011 Tausende Verstöße aufgedeckt worden.

Nach einem spektakulären Fund des Düsseldorfer Zolls im Jahr 2010 wurden die Kontrollen im Land verstärkt. Der Zoll hatte damals illegal aus Amerika importierte 500 Elektrobässe und E-Gitarren konfisziert, bei denen Rio Palisander verarbeitet worden war. In einem anderen Fall beschlagnahmten US-Behörden die Geigenbögen der Wiener Philharmoniker. Hochwertige Bögen werden nämlich aus dem brasilianischen Fernambukholz hergestellt, für das es bereits seit vielen Jahren ein Exportverbot gibt. Gleichwohl gibt es in der Bogenherstellung keine Alternative, ohne dass man Qualitätsverluste in Kauf nehmen müsste.

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In der Musikszene herrscht daher Verunsicherung darüber, was erlaubt und was verboten ist. Keinesfalls sollten mit den Kontrollen private Musikliebhaber oder auch Profimusiker "kriminalisiert" werden, betonte Graner. So sollen im März 2013 genauere und vor allem einfachere internationale Regelungen für Konzerte und Tourneen festgelegt werden – etwa in Form eines Instrumentenpasses, wodurch Einfuhr- und Ausfuhrdokumente wegfallen könnten. "Auch die Rolling Stones brauchen bisher solche Dokumente bei Auftritten", sagte Graner.

Grundsätzlich gilt, dass der Besitz von Instrumenten, die ganz oder teilweise mit Rio Palisander hergestellt wurden, verboten ist – falls dafür keine behördlichen Ausnahmegenehmigungen präsentiert werden können. Entwarnung gibt es für Stücke, die vor dem Stichtag 20. Juli 1992 erworben wurden: Sie können laut Graner nachträglich von den zuständigen Behörden "legalisiert" werden. Wer ein Instrument später rechtmäßig erworben hat, darf es zum persönlichen Gebrauch nutzen, nicht aber etwa auf Ausstellungen vorzeigen. Bei illegalem Erwerb drohen Geldbußen oder Strafverfahren.

Dalbergia nigra wurde 1992 als erste Baumart in die höchste Schutzstufe des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (Cites) aufgenommen. Zur Einfuhr in die EU muss eine entsprechende Cites-Einfuhrgenehmigung vorgelegt werden. Für die kommerzielle Nutzung in der EU ist zusätzlich eine "Vermarktungsbescheinigung" erforderlich.

Rio Palisander kommt nur im atlantischen Regenwald im Osten Brasiliens vor. Hauptursache für den nach BfN-Angaben unvermindert starken Rückgang der Bestände ist die exzessive Zerstörung des brasilianischen Regenwalds.

Um ihre Weihnachtsgeschenke brauchen die meisten Käufer sich keine Gedanken machen: Gitarren oder Blockflöten mit Preisen unter 100 Euro seien von Handelsverboten für geschützte Holzarten kaum betroffen, sagt Graner.

Autor: dpa, adi