Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
11. Mai 2011
Protest gegen Staudämme
Bau in Naturschutzgebiet in Chile genehmigt / Gegner kündigen juristischen Kleinkrieg an.
SANTIAGO DE CHILE (AFP). Der Bau von fünf umstrittenen Staudämmen im chilenischen Teil Patagoniens, einem der weltweit größten Naturschutzgebiete, rückt näher. Eine regionale Umweltkommission genehmigte am Montag (Ortszeit) nach dreijährigen Prüfungen das Projekt des chilenisch-spanischen Konsortiums Endesa-Colbún namens Hydroaysén. Mit einer Leistung von 2750 Megawatt sollen die Wasserwerke in zwei wilden Tälern der Region Aysén dazu beitragen, Chiles Energiebedarf zu decken. Umweltschützer laufen Sturm gegen die Pläne.
Der Energiebedarf in dem südamerikanischen Land wird amtlichen Schätzungen zufolge bis 2025 um 80 Prozent steigen. Die Investitionen in das Staudammprojekt belaufen sich auf umgerechnet 2,2 Milliarden Euro. Für den Transfer der Elektrizität in den Norden des Landes ist der Bau eines 2000 Kilometer langen und bis zu 2,8 Milliarden Euro teuren Riesennetzes aus Leitungen, Kabeln und Masten erforderlich. Dafür bedarf es eines gesonderten Genehmigungsverfahrens, das sich ebenfalls in die Länge ziehen dürfte.Umweltschützer verweisen unter anderem darauf, dass eine 5900 Hektar große Fläche geflutet werden müsste und so eine einzigartige Landschaft zerstört würde. Chile soll ihrer Auffassung nach lieber auf Solar- und Windenergie setzen. Die Koalition "Patagonien ohne Staudämme" – ein Zusammenschluss von Nichtregierungsorganisationen und anderen Gegnern von Hydroaysén – kündigte über ihren Sekretär Patricio Rodríguez einen juristischen Kleinkrieg gegen das Projekt an. "Für einige ist es das große Geschäft, für andere der Ruin", sagte Rodríguez. Das Ende des ökologischen Tourismus, der laut Koalition jährlich 50 Millionen Euro einbringt, sei absehbar.
Werbung
Vor dem Gebäude im südchilenischen Coyhaique, wo die Umweltkommission tagte, protestierten zahlreiche Gegner des Projekts. Einige warfen Steine. Proteste gab es auch in der Hauptstadt Santiago, wo die Polizei einen Wasserwerfer gegen die Demonstranten einsetzte, und in anderen Städten des Landes. 30 Menschen wurden festgenommen. Die Regierung begrüßte das Votum der Kommission und erklärte, die Umweltauflagen würden strikt beachtet. Staatspräsident Sebastián Piñera vertrat die Ansicht, ohne Wasserkraftwerke werde es mehr Kohlekraftwerke geben – und die seien weit umweltschädlicher.
Dies sich an der Südspitze des amerikanischen Kontinents erstreckende Region Patagonien, die sowohl zu Chile als auch zu Argentinien gehört, ist mit ihren Wäldern, Steppen, Seen und Gletschern von Naturliebhabern aus aller Welt geschätzt. Laut einer Umfrage lehnen 61 Prozent der Chilenen die Aysén-Staudämme ab.
Autor: afp
