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01. Oktober 2016 13:07 Uhr

Welt-Vegetariertag

Sollte der Mensch auf Fleisch verzichten?

Neben dem Vegetarier gibt es jetzt auch den "Flexitarier". Bei ihm kommt nur noch hin und wieder Fleisch auf den Tisch. In Umfragen sagen 40 Prozent aller Haushalte, dies so zu machen. Sie ändern die Einkaufswelt.

  1. Wurstfabrikant Christian Rauffus sagte einmal: „Wurst ist die Zigarette der Zukunft.“ Ob er recht behält? Foto: dpa

Gute Geschäfte mit Soja-Schnitzel
Christian Rauffus ist Chef der Rügenwalder Mühle und damit ein mächtiger Wurstfabrikant. Er sagte mal: "Wurst ist die Zigarette der Zukunft", also eines Tages verpönt. Mit seiner Firma stieg Rauffus schon 2014 in den Markt für vegetarische Wurst ein. Ein Jahr später erzielte er bereits 20 Prozent seines Umsatzes mit den Alternativen ohne Tier. Meica, Wiesenhof und andere Firmen zogen nach. Sie verarbeiten Soja, Seitan, Erbsen-Protein, Milch, Ei und vieles mehr. Im vorigen Jahr sind die Umsätze allein mit Fleischimitaten um 30 Prozent gestiegen – auf satte 310 Millionen Euro.

Neue Regale im Supermarkt
Auch die Handelskonzerne bauen um: "Wir beobachten, dass es eine wachsende Zahl von Verbrauchern gibt, die sich frei von tierischen Lebensmitteln ernähren möchten – ohne dabei auf Genuss zu verzichten", erklärt Edeka, der Marktführer unter den deutschen Lebensmittelhändlern. Das Angebot dazu werde laufend erweitert. Edeka setzt auf Eigenentwicklungen und eine Kooperation mit der Supermarktkette Veganz, dem größten Händler für Veganes. DM-Drogerien, Kaiser’s Tengelmann oder die Metro haben in der letzten Zeit ebenso Platz für Veganz-Produkte in ihren Regalen geschaffen.

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Extras in Küchenstudios, Buchläden, Reisgeschäften
Designer haben neue Küchen eigens fürs fleischlose Kochen entworfen: Die Küche mit dem Namen Vooking hat extra große Brettflächen zum Schnippeln von Gemüse, einen Schrank mit vier Klimazonen und Wachstums-LED-Leuchten zum Ziehen von Kräutern. An Rezepten ohne Fleisch mangelt es auch nicht. Der Vegetarierbund hatte 2011 noch zwölf vegane Koch- und Backbücher gezählt, die in Deutschland veröffentlicht worden waren. 2015 waren es schon 119. Selbst die Touristikbranche passt sich mittlerweile an: Ein Münsteraner Reiseveranstalter hat sich auf vegane Flusskreuzfahrten spezialisiert.

Fleischloses Leben ist gesund – "im Prinzip"
Wer fleischlos kocht, will Tieren Leid ersparen. Oder das Klima schonen. Rindfleisch gilt als CO2-Schwergewicht. Aber ist die fleischlose Ernährung auch gesund? Ja. Zumindest "im Prinzip", erklärte die Stiftung Warentest diese Woche. Sie beruft sich auf Wissenschaftler der Harvard Medical School in Boston, die mehr als 130 000 Menschen über längere Zeit regelmäßig untersucht haben. Das Eiweiß etwa aus Getreide oder Hülsenfrüchten kann demnach das Sterberisiko senken, tierisches Eiweiß indes das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät seit langem, nicht mehr als 600 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche zu essen.

Veggie-Schnitzel mit Mineralöl
Fleischimitate sind laut den Warentestern allerdings noch "verbesserungswürdig". Die Stiftung Warentest hat 20 Bratwürste, Frikadellen und Schnitzel untersuchen lassen. In sechs Veggie-Produkten wurden "zum Teil hohe Gehalte" an Mineralölrückständen nachgewiesen. Besonders auffällig war ausgerechnet ein Schnitzel der Firma Rügenwalder. Die Europäische Lebensmittelbehörde Efsa hält die Rückstände für "potenziell besorgniserregend", sie können sich in Leber, Milz, Lymphknoten ablagern. Am Ende haben die Tester nur je zwei Schnitzel, Bratwürste und Frikadellen als "gute Alternative zu ihren Vorbildern mit Fleisch" empfohlen.

Selbst in Limonade steckt Tierisches
Spuren vom Tier stecken übrigens auch in Produkten, in denen sie Verbraucher nicht erwarten. Zum Beispiel klarer Apfelsaft: Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat erst am gestrigen Freitag einen neuen Marktcheck vorgestellt. Demnach werden etwa Albis-Apfelsaft oder Rewes eigene Bio-Apfelschorle mit Tiergelatine geklärt. In Limonade stellten die Verbraucherschützer schon mal Läuse-Extrakt fest, in Kartoffelchips Schweinebouillon. "Eine Kennzeichnung tierischer Zusatz- und Hilfsstoffe", fordert deshalb Sylvie Ahrens von der Organisation Foodwatch. Noch gibt es diese nicht. Darum rät Ahrens: "Wer sichergehen will, dass ein Produkt fleischfrei ist, sollte auf ein Label mit grünem V in einem gelben Kreis achten. Das gibt es in zwei Varianten, bei dem einen steht noch ‚vegan’ darunter." Diese Etiketten werden vom Vegetarierbund Deutschland vergeben.

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Autor: Hanna Gersmann