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30. September 2010 08:14 Uhr

Bordell-Reklame

Spanien: Sex-Werbung soll aus Zeitungen verschwinden

Warum Sex gegen Geld in Spanien so populär ist, weiß man nicht. Vielleicht spielen die Kontaktanzeigen eine Rolle, die in fast allen großen Tageszeitungen seitenweise geschaltet werden. Doch das soll sich nun ändern.

MADRID. Spaniens Männer gehen besonders gern ins Bordell. Vor einigen Jahren stellte das nationale Statistikinstitut fest, dass 27,3 Prozent der sexuell aktiven Männer schon einmal eine Prostituierte besucht zu haben. Das ist europäischer Spitzenwert. Gegen die massive Werbung in Zeitungen will nun Spaniens sozialistische Regierung vorgehen.

"Unsere Haltung ist ganz klar, wir wollen diese Art von Anzeigen nicht in der Presse," sagt Spaniens Gleichheitsministerin Bibana Aído. Das spanische Parlament hat die Regierung gerade damit beauftragt, die Möglichkeiten für ein Verbot der Prostitutionswerbung zu prüfen. "Ich glaube, der Moment für eine definitive Beseitigung ist gekommen", erklärt die Ministerin.

Die Prostitution ist in Spanien erlaubt, aber nicht gesetzlich geregelt. Ihr Schattendasein erleichtert es kriminellen Banden, ausländische Frauen – und in Ausnahmefällen auch Männer – unter erbärmlichen Umständen zur Prostitution zu zwingen. Nach einer jüngsten Studie des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung arbeitet weltweit jede siebte Prostituierte unter Zwang. Die spanische Polizei ging im vergangenen Jahr gegen 158 illegale Prostitutionsringe vor und befreite 1300 Frauen aus sexueller Sklaverei. Dass sich hinter einer Kontaktanzeige das Drama des Frauenhandels verbergen kann, ist einer der Hauptgründe der Regierung, das Verbot der Annoncen zu betreiben.

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Zeitungen wollen nicht auf Einnahmen verzichten

Die größten spanischen Tageszeitungen – "El País", "El Mundo", "ABC" und "La Vanguardia" – wollen noch nicht auf die Einnahmen aus den Kontaktanzeigen verzichten, die der gesamten spanischen Presse 40 Millionen Euro im Jahr einbringen. Bisher drucken nur die kleineren Konkurrenzblätter keine Annoncen von Prostituierten ab, die linke "Público" macht ihre Leser im Anzeigenteil sogar stolz darauf aufmerksam. Wobei der Kampf gegen die Kontaktanzeigen doppelt problematisch ist: Er baut Hürden für die legale Prostitution auf, ohne der illegalen damit ernsthaft zu schaden. In Zukunft werden sich die potenziellen Bordellbesucher dann eben im Internet nach Kontakten umschauen.

Mit dem geplanten Verbot der gedruckten Kleinanzeigen hebt die Regierung in erster Linie den moralischen Zeigefinger: Die Annoncen verstießen gegen die Menschenwürde, sagt die Ministerin Aído. Ob sie die Würde der Prostituierten oder die der Kunden meint, lässt sie offen.

Autor: Martin Dahms