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03. März 2015

Einsturz des Kölner Stadtarchivs

Ursachenforschung beginnt erst

Am heutigen Dienstag jährt sich der Einsturz des Kölner Stadtarchivs zum sechsten Mal / Schadensstelle noch nicht begutachtet.

  1. Gesicherte Baustellen mitten in der Stadt: das ehemalige Kölner Stadtarchiv Foto: dpa

KÖLN (dpa). Vor sechs Jahren versank in Köln das größte deutsche Kommunalarchiv in der Erde. Zwei Anwohner starben. Der Schaden wird auf über eine Milliarde Euro geschätzt. Die Ursache steht immer noch nicht fest – aber die Gutachter tasten sich heran, Zentimeter für Zentimeter.

Was war die Ursache des Unglücks?
Die Stadt Köln vermutet als Ursache einen "Ausführungsfehler" der Firmen, die unter dem Archivgebäude die neue Nord-Süd-Verbindung der U-Bahn bauten.

Warum gibt es nach sechs
Jahren noch immer keine Klarheit?
Zunächst hatte die Bergung der verschütteten Archivdokumente Vorrang. Erst als alles aus der Schuttgrube herausgeholt worden war, begann am Unglücksort die Ursachensuche. Doch dafür musste in der Grube zunächst mit Millionenaufwand ein "Beweissicherungsbauwerk" – eine Art Schacht – errichtet werden. Diese Konstruktion soll verhindern, dass es zu Erdverschiebungen kommt und dadurch Beweise vernichtet werden. Seit Mitte vergangenen Jahres läuft nun die Beweissicherung.

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Was hat die Beweissicherung

bisher ergeben?

Die Gutachter haben die vermutete Schadensstelle noch gar nicht erreicht. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Ulrich Bremer, sagt, man müsse sich das Ganze wie eine "archäologische Arbeit" vorstellen. Zentimeter für Zentimeter taste man sich an die Schadensfläche heran. Wann diese endlich erreicht wird, kann Bremer nicht sagen: "Wir hoffen, dieses Jahr."
Gibt es denn wenigstens eine

Hypothese dazu, was passiert ist?

Die Staatsanwaltschaft nimmt an, dass eine der unterirdischen Wände ein Loch hatte. Dadurch könnte mit der Zeit so viel Wasser, Sand und Kies abgeflossen sein, dass das Archiv unterspült wurde und einstürzte. Um das zu beweisen, müssen Spezialtaucher die unter dem Grundwasserspiegel gelegene Wand mit dem vermuteten Loch untersuchen.

Und wann folgt der Prozess?
Nachdem die Taucher ihre Untersuchung abgeschlossen haben. Um der nach fünf Jahren einsetzenden Verjährung vorzubeugen, hat die Staatsanwaltschaft zur Sicherheit 106 Beschuldigte benannt – alles Menschen, die in irgendeiner Weise mit dem U-Bahn-Bau zu tun hatten. Hohe Chefs wie der ehemalige Technik-Vorstand der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) sind nicht dabei. Wer nicht zu den Beschuldigten gehört, hat definitiv nichts mehr zu befürchten.

Wie steht es um die verschütteten
Archivdokumente?
Fast alles wurde geborgen, nur fünf Prozent gelten als verloren. Die Leiterin des Archivs, Bettina Schmidt-Czaia, sprach von einem Riesenerfolg. Das neue Archivgebäude soll 2019 eröffnen. Dann können die Dokumente auch wieder genutzt werden – entweder analog oder digital. In vielen Fällen ist das heute schon möglich.

Warum hat das Archiv überhaupt

eine solche Wichtigkeit?
Köln war im Mittelalter die größte Stadt im Deutschen Reich. Die Trümmer begruben 30 Regalkilometer an Dokumenten, darunter alle Protokolle des Stadtrates seit 1320. Zu den wertvollsten Stücken gehört das "Buch der Tiere" von Albertus Magnus aus dem 13. Jahrhundert.

Wird die U-Bahn-Linie noch gebaut?
Ja, aber der Bau kann erst weitergehen, wenn die Staatsanwaltschaft die Untersuchung des Unglücksorts abgeschlossen hat. Nach derzeitigem Stand wird die U-Bahn-Verbindung im Jahr 2022 fertig – etwa 13 Jahre später als anfangs geplant.

Autor: Christoph Driessen (dpa)